STEINSEL – Jean-Pierre “Jempi” Klein ist seit 29 Jahren Bürgermeister und jetzt seit 50 Jahren in der Gemeindepolitik aktiv – und immer noch voller Tatendrang. Wir unterhielten uns mit dem lokalen Politprofi über Höhepunkte, Enttäuschungen und Pläne. Am 8. Oktober tritt er wieder bei den Wahlen in der Gemeinde Steinsel an.

Es ist ein schöner Tag in Steinsel, die Sonne strahlt, die Grünanlage ums Rathaus macht, wie immer, einen piekfeinen Eindruck. Ein lockerer „Jempi“, wie sie ihn hier alle nennen, empfängt uns in seinem Büro.

Tageblatt: Wie verlief Ihre berufliche und politische Karriere?

Jean-Pierre Klein: Nach der „Première“ 1963 im LGL, dem Armeedienst und einer sechsmonatigen Anstellung in einer Versicherungsgesellschaft wurde ich 1965, mit 21 Jahren, Gemeindesekretär in Steinsel.

1986 wechselte ich dann als Gemeindesekretär nach Lorentzweiler. Ich hatte nie die Absicht, hier in Steinsel Bürgermeister zu werden, denn ich wechselte, um mich nach einer provisorischen Nominierung in Lorentzweiler für den „stage juridique“ einschreiben zu können. Zwölf Jahre später habe ich dann beschlossen, auf dem zweiten Bildungsweg Rechtswissenschaft in Nancy zu studieren. Dies übrigens zusammen mit Jean Asselborn. Zwischendurch überredeten Freunde mich, für die Gemeindewahlen in Steinsel zu kandidieren. Steinsel war damals noch eine Proporzgemeinde. Ich bekam eine Mehrheit und wurde 1988 Bürgermeister.

1994 wurde ich auf der LSAP-Liste im Zentrum in die Abgeordnetenkammer gewählt, wo ich dann 19 Jahre lang aktiv war. Außerdem war ich während zehn Jahren Präsident des Syvicol und bin seit 30 Jahren Vorstandsmitglied des Syvicol. Ich muss aber behaupten, dass die Gemeinde-Politik viel interessanter als die National-Politik ist.

Was führte Sie in die Politik?

Das war in meiner Zeit als Gemeindesekretär, wo mich zwei Sachen beeindruckten: einerseits der „droit“ und anderseits der Dienst am Bürger. Ich war als Gemeindesekretär nahe dran. Die gesellschaftlichen oder sozialen Probleme und Problemchen der Menschen führten mich in die Lokalpolitik. „Ech wollt de Leit hëllefen.“ Der Dienst am Bürger und das soziale Engagement in den Vereinen waren und sind immer noch mein oberstes Anliegen. Die Lebensqualität steht immer im Vordergrund. Dann macht Gemeindepolitik auch richtig Spaß.

Was haben Sie in Sachen Infrastruktur verändert?

Die schulischen und sportlichen Einrichtungen wurden ausgebaut. Für mich bedeutet Lebensqualität auch moderne, lebendige Schulen, die mit allen Mitteln ausgestattet sind. Das gilt ebenfalls für die Sportstätten.

Das Allerwichtigste für mich war aber die Lösung des Problems mit der Wasserversorgung. In Steinsel herrschte Wasserknappheit und nach dem Anschluss ans Sebes-Netz im Jahr 1993, als auch ein neuer Wasserbehälter gebaut wurde, war dieses Problem gelöst. Jetzt haben wir als willkommene Nebenwirkung der Nordstraße auch noch einen zusätzlichen Anschluss an die Sebes-Leitung in Heisdorf.

Und ein Großprojekt haben Sie vermieden?

(Klein lacht). Ja, ich bin stolz darauf, dass die Trassenführung der Nordstraße über den Steinseler Berg vermieden werden konnte. Damals war ich auch in der Abgeordnetenkammer. Der Steinseler Berg war und ist noch immer „vierge“, derweil damals der Grünewald bereits mit einem Straßennetz durchzogen war.

Gab es auch schwierige Zeiten?

Ja, es war nicht immer alles Gold, was glänzte. Wir hatten innerhalb von acht Monaten 2006/2007 zwei sehr schwere Unfälle. Das waren unschöne und sehr schwierige Zeiten für alle Betroffenen, die Familien, für mich persönlich sowie für die Schöffen.

Erzählen Sie uns bitte etwas über die anstehenden Projekte.

In Heisdorf wird das „Centre Robert Krieps“ ausgebaut und erneuert. Es entsteht eine neue „Maison relais“, mit Turnhalle, die auch für Konzerte genutzt werden kann. Außerdem wird eine neue „Crèche“ gebaut. Diese soll im kommenden September eröffnet werden. Hierbei ist besonders die Turnhalle wichtig, da bis dato die Kinder mit dem Bus nach Steinsel fahren mussten.

Des Weiteren sind wir in der Planungsphase, um den Bahnübergang in Heisdorf nach dem Bau einer Unterführung zu schließen. Hier wird es täglich gefährlicher. Schon jetzt sind wir im Begriff, den PAG zu ändern. Wir wollen, dass Steinsel seinen ländlichen Charakter behält. Große Residenzen wird es in Steinsel nicht geben. Der Perimeter wird nicht vergrößert. Wir wollen aber Platz für eventuelle Einrichtungen schaffen und in Sachen Bebauung die Orte verdichten. Der soziale und „bezahlbare“ Wohnraum wird weiterhin von der Gemeinde gefördert.

Was sagen Sie zu den Themen Sport und interkommunale Zusammenarbeit?

Da muss ich doch die Basketballspieler aus unserer Gemeinde hervorheben. Die Damen und Herren schafften dieses Jahr das Double. Das ist für den Verein und die Gemeinde einmalig. Interkommunal arbeiten wir in vielen Syndikaten mit Walferdingen und Lorentzweiler gut zusammen. Als Beispiel führe ich das Pidal (interkommunales Schwimmbad) und das CIGR („Centre d’initiative et de gestion régional“) an.

Und in puncto Gemeindefusionen …?

Absolut kein Thema in Steinsel.

Jean-Marie Backes

7 Kommentare

  1. Den PAG ändern, aber den Perimeter nicht vergrößern…..wie soll das denn gehen falls man neuen bezahlbaren Wohnraum schaffen will? Quadrature du cercle…Diese alten Politiker müssen weg, obsolete Leute….die sind “out of the game”.

    • Ganz einfach: Steht übrigens auch im Artikel: PAG ändern = verdichtetes bauen (Mehrfamilien- statt Einfamilienhäuser, statt Bungalow mit nur Erdgeschoss und vielleicht einer Etage zwei oder drei Etagen, kleinere Bauterrains). Perimeter vergrößern ist ohnehin in Steinsel nur noch sehr bedingt möglich da in weiten Teilen wegen der Alzette potentielle Überschwemmungsgebiete. Und in den Hängen Rutschungsgebiete. Hat nichts mit dem Alter eines Gemeindepolitikers zu tun. Von “obsolet” im Zusammenhang mit Menschen zu reden ist zudem mehr als grenzwertig.

  2. Ech kennen den Här Klein net an hunn och näischt mat senger Gemeng ze dinn.
    AWER: 29 Joer um Buurgermeeschterposten, dat si jo bal «afrikanesch» Verhältnisser.
    Menger Meenung no dierft keen, absolut keen, méi wi zwou Wahlperioden op deem selwechte Poste sinn, en dierft emol nët eng drëtte Kéier kandidéiren.
    Muncher ee vun deenen «Duerfherrscher» fillt sech op eemol onersetzlech, wat hien awer guer net ass.
    Beispiller gëtt et leider vill ze vill: vun der Frau Merkel iwwer hire Finanzminister, iwwer den Här Juncker bis zu Buurgermeeschteren a mëttleren an och an zimlech klenge lëtzebuergesche Gemengen.
    Mee et ass kaum dermat ze rechnen, dass d’Politiker sech selwer Grenze setzen, a ville Bierger ass et leider, leider iergendwéi egal.

    • Merkwürdiger Vergleich. Von den Politikern die in Afrika 29 Jahre an der Macht waren/sind haben sich die wenigsten je einer demokratischen Wahl gestellt. Und gab es da nicht mal ein von Politikern eingeleitetes Referendum zur Begrenzung der Mandatsperioden, bei dem die Bürger sich mit großer Mehrheit klar geäussert haben …? Zur Demokratie gehört auch, mehrheitliche Entscheidungen zu akzeptieren. Selbst wenn sie der eigenen Meinung nicht entsprechen.

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