Streiche

07. Februar 2012 15:43; Akt: 07.02.2012 16:17 Print

Rémi Gaillard, der professionelle WitzboldRémi Gaillard, der professionelle Witzbold

Vom erfolglosen Schuhverkäufer zum YouTube-Star: Der Franzose Rémi Gaillard erreicht mit seinen frechen Streichen ein Millionenpublikum. Jetzt wird er 37, aber keine Spur vernünftiger.

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Wer die unglaublichen Streiche des Franzosen bei YouTube sieht, wird ihn jünger schätzen. Aber das dürfte Rémi Gaillard egal sein. Der Mann aus Montpellier hat geschafft, wovon viele träumen. Er ist sein eigener Boss und kann das tun, was er liebt: Er ist professioneller Witzbold oder "Prankster", wie es im Englischen heißt. Am Dienstag wird er 37.

Rémis Streiche, die ein Freund mit der versteckten Kamera filmt, werden von einem Millionenpublikum angeschaut. Die Videos bringen nicht nur Ruhm ein, sondern auch eine Stange Geld. Das funktioniert dank einer Umsatzbeteiligung an den Werbeeinnahmen, die Google mit der Video-Plattform YouTube erzielt.

Rémi dürfte bereits ein mittleres Vermögen verdient haben - und mit jedem Klick wird es mehr. Auf seiner eigenen Website nimportequi.com wird die unglaubliche Zahl von über 1,2 Milliarden Besuchern genannt. Mehr als 100 selbstgedrehte Filmchen aus den letzten 12 Jahren sind abrufbar.

Werbung für Süßgetränke und Kondome

In Frankreich ist Rémi Gaillard ein Star - und berühmt wie ein bunter Hund. Er ist in zahlreichen TV-Spots aufgetreten und hat für Unterhaltungselektronik, Süßgetränke und Kondome geworben. Und er gilt als einer der am häufigsten abonnierten Komiker bei YouTube. Dabei war es eine glückliche Fügung des Schicksals, dass Rémi zu dem wurde, was er heute ist. Als er seinen Job in einem Schuhladen verlor, hatte er plötzlich sehr viel Freizeit, und so fing er mit der Filmerei an. Er heckte Streiche aus und hielt sie auf Video fest.

Die Liste seiner "Opfer" wird länger und länger. Zu den Prominentesten dürfte der frühere französische Staatspräsident Jacques Chirac zählen. Er wurde 2002 beim Finale des nationalen Fußball-Cups aufs Kreuz gelegt, als sich Rémi als Spieler verkleidet in die Siegesfeier einschlich. Der Politiker schüttelte dem grinsenden Komiker tatsächlich die Hand und gratulierte ihm nichtsahnend zum Sieg.

Trauerndes Huhn

Rémi Gaillard liebt seit jeher Verkleidungen und mimt auch immer wieder Tiere oder bekannte Figuren. So hat er schon als Pac Man einen Supermarkt leer gefressen, ist als Videospielfigur Mario durch die Straßen gerast und hat als trainierender Boxer Rocky Passanten und Ladenbesitzer gefoppt.

Mit seinen Sketches wolle er auch zum Nachdenken anregen, sagt Rémi. Verkleidet als Huhn, legte er 2008 Trauerblumen zu gebratenem Hähnchen.

Sein schräger Humor und die zum Teil ruppigen Attacken stoßen nicht nur auf Begeisterung. Dass er gerne über die Stränge schlägt, zeigt ein ebenfalls 2008 veröffentlichtes Video, in dem er als Känguru verkleidet einen Golfspieler ins Wasser stößt.

Verrückt - und vergleichsweise friedlich - geht es bei seinen legendären Auftritten in einem fahrenden Lift zu.

Nicht vorbestraft

Bei seiner "Arbeit" kommt Rémi regelmäßig mit Polizisten und Sicherheitsbeamten in Kontakt. Er ist schon mehrmals festgenommen worden, laut eigenen Angaben aber nicht vorbestraft. Auch bei seinem jüngsten Streich, als er sich als mobiler Blitzkasten verkleidete, legte er sich mit den Uniformierten an. "Niemand sagt mir, was ich tun soll", hatte er einst in einem Interview erklärt. "Und ich habe riesigen Spaß dabei." Seine weltweite Fan-Gemeinde hofft natürlich, dass das noch lange so bleibt.

(20 Minuten/Tageblatt.lu)

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