Das war’s. Der niegelnagelneue Rasen des Stade Josy Barthel hat sein erstes … und letztes Europa-League-Spiel gut überstanden. Dabei war der grüne Teppich in Luxemburgs Hauptstadt zehn Tage nach Cristiano Ronaldo auch den Kickern von APOEL-Coach Thomas Doll ein Dorn im Auge. 

“Auf diesen Plätzen zu spielen, ist schwierig. Das war ein Kartoffelacker und ich habe keine Ahnung, wie Mannschaften auf diesem Niveau auf Feldern wie diesen spielen können”, hatte sich CR7 noch vor anderthalb Wochen echauffiert. Dieser Auftritt der Europameisters aus Portugal sollte der Letzte für den überstrapazierten Rasen im Stade Josy Barthel gewesen sein. Für den Meister aus Zypern wurde – auf Drängen des UEFA-Beobachters – daraufhin ein neuer, grüner, Teppich ausgerollt. Doch die Gästemannschaft zeigte sich davon nicht wirklich begeistert.

Die Europa-League-Begegnung stand bis zum letzten Moment auf der Kippe: Ein erhebliches Verletzungsrisiko war das Argument, das APOEL als Grund für eine kurzfristige Spielabsage in den Raum warf. Fakt ist: Nikosia musste sich am Ende über zwei verletzte Akteure beklagen, beim F91 war es Dominik Stolz. Nach der Begegnung erklärte der Deutsche: “Einen Ausschlag, dass wir verloren haben, hatte das Spielfeld nicht. Und auch nicht für meine Verletzung.”

“Richtige Entscheidung”

Thomas Doll, Trainer der Zyprer, versuchte später zu erklären, warum sein Team nicht begeistert von der neuen Grünfläche war: “Es war schwer vorauszusehen, in welchem Zustand der Rasen sein würde. Wer nicht selbst auf dem Rasen war, kann das nicht einschätzen und verstehen. An einigen Stellen war das Gras nicht festgewachsen. Am Ende war es die richtige Entscheidung, es durchzuziehen.”

Dass der Untergrund innerhalb von zwei Tagen nicht mit der Erde verwachsen konnte, überraschte niemanden. Jéis Weber (Service des Sports der Ville de Luxembourg) erklärte gegenüber dem Tageblatt, wieso die neu verlegte Fläche trotzdem nicht verrutschen konnte: “Da es sich um 4-5 Zentimeter dicke Stücke handelt, die fest aneinandergelegt wurden, konnte sich der Rasen nicht bewegen.” Stattdessen flogen in den ersten Spielminuten aufgrund von Zweikämpfen bereits einige größere Stücke durch die Luft. Besonders betroffen waren die Sechzehnmeterräume sowie die Stellen, an denen das meiste Wasser stand. Trotz des vielen Regens, der während der Partie herunterkam, hat das neue Grün standgehalten – was auch der F91 mit großer Erleichterung zur Kenntnis nahm. Stolz fügte hinzu: “Klar waren ein paar Stellen drin, wo du dir sagtest, wo bist du denn jetzt, weil der Schuh versunken ist. Aber mein Gott, das ist halt bei dem Wetter so.“

Routinier Tom Schnell war nicht entgangen, dass über 50 Helfer mobilisiert worden waren, damit der Luxemburger Klub den Anforderungen der UEFA überhaupt gerecht werden konnte: „Allen, die am Spielfeld gearbeitet haben, ein großes Dankeschön. Und es waren deren genug. Es wurde viel über das Spielfeld gesprochen, im Endeffekt aber war das Spielfeld in Ordnung und gut bespielbar. Am Spielfeld jedenfalls lag es nicht, dass wir verloren haben.”

Zukunftspläne

Beim Service des Sports wollte man sich am Freitag nicht mehr über den neuen Rasen äußern. Auch zu den nächsten Schritten, wie die Pflege der kommenden Tagen aussehen wird, gab es keine weitere Informationen mehr. Wann das nächste Fußballspiel dort stattfinden wird, steht noch nicht fest. Alles hängt davon ab, wo die Nationalmannschaft ihre beiden Testspiele im März (und Juni) absolvieren wird.


Grün ist die Hoffnung? Von Wegen!

Grün ist angeblich die Hoffnung, doch beim Luxemburger Meister Düdelingen verband man mit diesem Wort in den letzten sieben Tagen nur Misere und Kopfzerbrechen. Statt Qualifikationschancen beschäftigten sich die Klubverantwortlichen um Präsident Romain Schumacher mit Rollrasen-Herstellern, strengen UEFA-Beobachtern und ungünstigen Wetterprognosen.

Selten wurde in der Luxemburger Fussballwelt so viel über Entwässerung, fünf Zentimeter dicken Rollrasen und Putzlappen gefachsimpelt, als im Vorfeld des letzten Europa-League-Heimspiels des F91. Die Partie, die bis kurz vor Anpfiff auf der Kippe stand, bedeutete aber nicht nur mental zusätzlichen Aufwand für die F91-Verantwortlichen: Neben kräftezehrenden Stunden im strömenden Regen, die der Vorstand tagelang im Stadion verbrachte, hatte dieser “Spass” den Verein immerhin rund 150.000 Euro gekostet.

Die Wahl war dem F91 in dieser Angelegenheit eigentlich leicht gefallen: Hätte sich Düdelingen geweigert, einen neuen Rasen in der Hauptstadt zu verlegen, wären 500.000 Euro Strafe an die UEFA geflossen. Der Kunstrasen war die eindeutige Bedingung der europäischen Beobachter, damit überhaupt eine Chance bestand, dass die Partie stattfinden könnte. Übrigens: Die UEFA “stellte” am Spieltag sieben Experten, für deren Einsatz insgesamt 7.000 Euro Entschädigung vom Verein gezahlt werden müssen.

Investition

Die beachtliche Summe musste der Europa-League-Teilnehmer aus eigener Tasche vorstrecken. Offen steht weiterhin die Frage, ob und inwiefern sich der nationale Fussballverband an den Kosten beteiligen wird. Die Gemeinde Luxemburg hat dem Verein finanzielle Unterstützung versichert, ohne aber bereits definitive Zahlen zu nennen.

Eine Zahl, die ebenfalls immer wieder Fragen aufwarf, war der Durchmesser des aus den Niederlanden importierten Kunstrasens. Fünf Zentimeter dick war die Schicht (des verwurzelten Gras samt Erde), die seit Montag auf dem ausgehobenen Untergrund des Stade Josy Barthel ausgerollt wurde. Aufgrund dieses Durchmessers und der millimetergenau aneinandergereihten Teilstücke blieb die Grünfläche fest an ihrem Platz. Das eigentliche Problem – die schlechte Entwässerung – konnte bei diesem Wettlauf gegen die Zeit nicht behoben werden. Für das Pikieren des Untergrunds – und das bessere Abfließen des vielen Regenwassers – blieb vor dem Ausrollen des Kunstrasens keine Zeit.

So wurde anschliessend gewalzt, geblasen, gestampft … aber vor allem gehofft. Rund 50 Gemeindearbeiter aus Luxemburg, Düdelingen und des CIGL waren in Doppelschichten zwei Tage lang damit beschäftigt, den ausgerollten Teppich erst festzuwalzen und dann zu  “trocknen”. Während die Plastikplanen das Kunstgras vor neuem Regen schützten, wurde das Wasser von der Oberfläche mit Laubbläsern weggeblasen: Alles unter der strengen Kontrolle des UEFA-Beobachters. Das grösste Aufsehen erweckte allerdings am Donnerstag ein Video: Zu sehen sind die viele helfenden Hände – oder besser gesagt Füsse die auf Putzlappen treten, um die Grünfläche zu trocknen. Lustig sah es aus – und geholfen hat’s auf jeden Fall.

 

 

2 Kommentare

  1. 150000€ fir den Wues, 7000€ fir UEFA Experten an 0 Punkten am Match. Eng Bommenaffair. Um Black Friday konnt en, egal wou, mol keng sou eng gut Affaire machen.

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