Der 22. November 1986 war ein historischer Tag für den Boxsport. Durch einen K.o.-Sieg über Trevor Berbick wurde Mike Tyson vor genau 32 Jahren zum jüngsten Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, geriet Tyson früh auf die schiefe Bahn, ehe der Boxsport zu seinem Lebensinhalt wurde und ihm Halt gab. Er hätte zum größten Boxer aller Zeiten werden können, wäre er später nicht jäh abgestürzt.

Es gibt kaum eine Sportart, die körperlich und mental fordernder ist und gleichzeitig charakterprägendere Eigenschaften besitzt als das Boxen. Ohne Mut, Willenskraft, Disziplin, Widerstandsfähigkeit, Selbstkontrolle, Frustrationstoleranz, Respekt sowie Verantwortungs- und Selbstbewusstsein geht nichts. Deshalb wird das Boxen auch gemeinhin als „Noble Art“ bezeichnet.

Umso bedauerlicher ist der Zustand, in dem sich der Boxsport momentan befindet. Auf internationaler Ebene entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) in den nächsten Tagen über einen Ausschluss von den Spielen von Tokio 2020, was verheerende Folgen für das Amateurboxen haben dürfte. Wie konnte es so weit kommen, dass eine der beliebtesten Sportarten überhaupt am Rande des K.o. steht? Nur an den halbseidenen Gestalten, die das Boxen seit jeher anzieht, wohl kaum. Denn dann müsste ja auch der Profi-Fußball in seiner Existenz bedroht sein. Das Fass zum Überlaufen brachte aber trotzdem die Wahl des Usbeken Rachimow zum Präsidenten des Amateur-Weltverbandes AIBA. Ihm wird Nähe zur organisierten Kriminalität nachgesagt.

Der lasche Umgang mit Dopingsündern, unzählige Verbände und die damit verbundene Titelflut im Profibereich sowie zahlreiche Fehlurteile haben der Glaubwürdigkeit der Sportart schweren Schaden zugefügt. In Deutschland sind die Box-Festtage seit langem vorbei, der Sport findet nicht mehr in den großen Arenen, sondern in kleinen Turnhallen statt.

In den kleinen Hallen ist er auch in Luxemburg zu Hause. Lange vorbei die Zeiten, in denen einheimische Boxer vor Tausenden Zuschauern um Titel boxten. Mausetot ist das Boxen hierzulande aber noch lange nicht. Im Gegenteil, es gibt einige Hoffnungsschimmer. Der Boxverband ist nach einer schwierigen Phase zwar zaghaft, aber immerhin auf dem Weg zur Erneuerung. Nach über 20 Jahren Abstinenz gibt es in Esch, lange die Box-Hauptstadt des Großherzogtums, wieder einen Boxverein, der zudem neue Wege geht. Auch in den anderen Klubs wird tagtäglich mit viel Engagement gegen das schlechte Image des Boxens angekämpft und ein Paradebeispiel in Sachen Integration und soziale Kohäsion abgegeben.

Zudem hat der Luxemburger Boxsport in Michel Erpelding vielleicht das lang ersehnte Zugpferd gefunden. Wobei Erpeldings Traum, die Teilnahme an den Olympischen Spielen von Tokio, nun frühzeitig zu platzen droht. Er hat, genau wie die gesamte Sportart, Besseres verdient. Aber wenn Mike Tyson wieder auf die Beine gekommen ist, dann sollte auch der Boxsport aus der schwersten Krise seiner Geschichte herauskommen können.

1 Kommentar

  1. Eine ” Noble Art ” bei der den Praktizierenden das Gehirn förmlich zertrümmert wird. Jede Gerade bewirkt das Absterben etlicher Hirnzellen unwiderruflich. Wir kennen auch die stark blutenden Platzwunden am Kopf.Wenn man dann später vor einem Boxathleten steht hat man Mühe zuverstehen was er sagen will. Das johlende Publikum wenn ein Mann zu Boden gegangen ist ,der erst nach Sekunden “zurück kommt”,erinnert dann schon an Arena und Gladiatoren. Avis aux amateurs.

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