Versuchte Spielmanipulation in der Ehrenpromotion, Massenschlägerei in der dritten Division und ein fataler Trommelstock-Wurf beim Futsal-Finale: Die letzten Wochen waren geprägt von außersportlichen Schlagzeilen. Beim FLF-Verbandsgericht haben die Sitzungen der zweiten Kammer zwar regelmäßiger stattgefunden, dies mit einer generellen Zunahme an Gewalt und Problemen in Verbindung zu bringen, wäre aber übertrieben. Eine Erkenntnis gibt es trotzdem: Besonders bei den Zuschauern ist die Hemmschwelle gesunken.

103.710,50 Euro: Diese Summe verbuchte die FLF allein 2016/17 unter „Bußgeld“. Die Einnahmen, festgelegt vom Verbandsgericht, machen 1,4 Prozent des Gesamtprodukts für die FLF aus. Im Schnitt zahlte vor drei Jahren jeder der 113 Luxemburger Fußballklubs 917 Euro Strafe. Die Realität sieht anders aus, als es die Statistik besagt. Zu über 2.000 Euro Bußgeld wurde beispielsweise allein die Futsal-Sektion von Déifferdeng 03 am 10. Mai dieses Jahres nach dem abgebrochenen Final-Auftakt verdonnert. Zusammengesetzt hat sich diese Summe aus folgenden Punkten: unsportliches Verhalten, Wurf eines Trommelstocks aus dem Publikum, Regelbruch sowie Verhinderung des normalen Spielablaufs.

Aufgrund der Statuten (Artikel 98) wird die Höhe des Bußgelds berechnet. Für eine Notbremse ist beispielsweise mit einem Spieltag Sperre zu rechnen sowie einer Geldstrafe von 10 Euro, bei brutalen Fouls ist eher von drei Spieltagen und 50 Euro auszugehen. Gilles Faber ist einer der beiden Administratoren der FLF, die bei jeder Sitzung des Verbandsgerichts anwesend sind: „Die Summe wird proportional angepasst: Je länger die Sperre, desto höher die Strafe“, erklärte er. „Andere Artikel sind nicht so eindeutig definiert.“ Gemeint ist der rezente Korruptionsfall: Ein Mühlenbacher Vereinsmitglied bot dem Gästetorwart João Machado (Rodange) Geld für das Zulassen von Gegentoren an. „Bei Korruption ist der Spielraum deutlich größer“, fuhr Faber fort. Genau wie laut Artikel 103 des Strafgesetzbuchs vorgesehen, wurde deshalb eine 1.500-Euro-Geldstrafe gegen Mühlenbach verhängt.

FLF-Schiedsrichter-Obmann Charles Schaack

Körperlich verletzt wurde im besagten Fall niemand. Anders in der Oberkorner Sporthalle (als der Trommelstock den Schiedsrichter traf) oder im September 2016, als ein Zuschauer den Unparteiischen Alex Kruger mit einer Cola-Dose am Kopf verletzte. „Gewalt gegenüber Schiedsrichtern hatten wir in dieser Saison mit Ausnahme des Futsal nicht“, resümierte Schiedsrichter-Obmann Charles Schaack. „Es kommt noch hier und da zu Wortgefechten oder Drohungen, zurückzuführen auf Emotionen und Wut. Generell habe ich allerdings das Gefühl, dass es tendenziell nicht mehr Gewalt im Fußball gibt als in den Jahren zuvor.“
Statistiken aufgrund der Verwarnungen und Platzverweise über zunehmende Gewalt zu erstellen, ist ohnehin unmöglich: Trikotziehen zum Verhindern eines Gegentreffers wird genauso wie ein brutales Foul mit Rot geahndet. Zum Vergleich: 2017/18 verteilten die Unparteiischen in der BGL Ligue 769 Gelbe, 25 Gelb-Rote und 16 Rote Karten. Einen Spieltag vor dem Ende der laufenden Meisterschaft sind es diesmal 724 Gelbe, 28 Gelb-Rote und 12 direkte Platzverweise.

Während ein internes Computersystem die Gelben Karten rechnet und aktualisiert, beschäftigt sich das Verbandsgericht nur mit Platzverweisen oder Zwischenfällen, die aus dem Schiedsrichterbericht hervorgehen. Nachdem die Kontrollkommission als eine Art Staatsanwaltschaft einen Strafvorschlag ausspricht, entscheidet die erste Kammer über Dauer der Sperre und Höhe der Geldstrafe. Zusammengesetzt wird das Verbandsgericht aus neun Vereinsvertretern, von denen vier ehemalige Schiedsrichter sind. Die zweite Kammer befasst sich mit Ermittlungen, die über reine Rotsperren hinausgehen. Dort ist ebenfalls ein Jurist vertreten, der sich die Versionen vom Schiedsrichter und den betroffenen Klubs anhört. Rund 20 Mal war eine Sitzung der zweiten Kammer in dieser Saison erforderlich.

Drei Fälle von Gewalt prägten die Rückrunde besonders: In Ettelbrück musste im April die Polizei nach Spielende der BGL-Ligue-Partie gegen die Jeunesse anrücken, da die Fanlager aneinandergeraten waren. In Bettemburg eskalierte die Situation zwei Wochen später nach einem Foul: Ein Spieler lag nach der Massenschlägerei minutenlang bewusstlos am Boden, angegriffen wurde ebenfalls der gesperrte Gästetrainer aus Kayl, der hinter der Umzäunung stand. Im dritten Fall wurde der Wilwerwiltzer Vereinspräsident nach Spielende in den Arm gebissen, der Torwarttrainer musste mit der Ambulanz abtransportiert werden.
Man habe bereits mit Fair-Play-Kampagnen gegen dieses Phänomen im nationalen Fußballbetrieb gegengesteuert, erklärte Schaack: „Wir können lediglich sensibilisieren. Die Vereine dagegen kennen ‘ihre Leute’ und müssen uns helfen“, forderte er.

Kommt der Spielabbruch schneller?

Dass einige der 260 Schiedsrichter sich mittlerweile schneller zu Spielabbrüchen verleiten ließen, wollte der Obmann nicht gelten lassen: „Das Reglement ist sehr deutlich: Wird ein Unparteiischer angefasst, angespuckt oder mit einem Gegenstand beworfen, wird die Partie sofort abgebrochen. Das ist das Mindeste, das getan werden kann, um ihn zu beschützen.“ Dies ist der Grund, warum man das Futsal-Finale nicht zu Ende spielte.

Die Tatsache, dass jedes Mal Außenstehende involviert waren, bereitet der FLF Sorgen: „Während die Gewalt auf dem Rasen nicht zugenommen hat, sieht dies bei der Gewaltbereitschaft der Zuschauer anders aus. Die Hemmschwelle liegt nicht mehr so hoch. Man hat das Gefühl, dass einige mittlerweile eher bereit sind, die Fäuste sprechen zu lassen“, resümierte Schaack. Der ehemalige CFL-Kontrolleur verglich die Situation mit seinem früheren Job: „Vor einigen Jahren hatten die Menschen noch Respekt, wenn man nach ihrem Ticket fragte, heute muss man schon fast mit einem Bodyguard durch den Zug laufen.“

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