Es mutet an wie ein Traum: keine Steuern zahlen. In Frankreich wird er 2018 wahr. Der Hintergrund: Im Jahr 2019 wird die Einkommenssteuer direkt vom Gehalt abgebucht und vom Arbeitgeber abgeführt. Frankreich führt damit also ein System ein, wie es in Luxemburg seit langem üblich ist.

Das Problem ist eine Überschneidung des bisher üblichen Systems mit dem neuen. Bisher zahlten viele Franzosen das ganze Jahr über gar keine Einkommenssteuer. Dafür machten sie im jeweiligen Jahr darauf im Frühjahr eine Steuererklärung, erhielten ihre Steuerbescheide im Sommer, mitten in den Ferien, und mussten dann die gesamte Summe bezahlen.

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Wenn im kommenden Jahr monatlich bezahlt wird, ergibt sich eine Überschneidung mit der Einkommenssteuer von 2018. Da die Staatseinnahmen für 2019 allerdings monatlich gesichert sind, entfällt die für das Jahr 2018 zu zahlende Einkommenssteuer.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Allerdings gibt es dabei eine Reihe von Ausnahmen. Die wichtigste: Nur die immer wiederkehrenden Einnahmen werden 2019 nicht besteuert. Wer besondere Einnahmen hat, zum Beispiel viele Überstunden macht, der wird diese besonderen, einmaligen und das Gehalt der vergangenen drei Jahre übersteigenden Einnahmen dann doch versteuern müssen.

Die Einkommenssteuer beträgt zwar insgesamt etwa 72 Milliarden Euro, ist aber insgesamt nicht mehr die wichtigste Einnahmequelle des französischen Staates. Mit 145 Milliarden Euro liegt die 1968 eingeführte Mehrwertsteuer weit vor der Einkommenssteuer. Die Mehrwertsteuersätze liegen bei 20 Prozent, dann zehn, fünf und 2,1 Prozent unter anderem für Presse-Erzeugnisse, die durch den niedrigen Satz subventioniert werden.

Einkommenssteuer bezahlen in Frankreich nur 48 Prozent aller Haushalte. Drei Viertel der Einnahmen aus der Einkommenssteuer werden von nur 15 Prozent aller steuerpflichtigen Haushalte bezahlt. Das französische System belastet damit den Mittelstand und die höheren Einkommensschichten extrem. Eine Veränderung dieser Situation, etwa durch eine Steuerreform, ist auch unter Präsident Macron nicht in Sicht.

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