Der 94-jährige Chansonnier und Schauspieler Charles Aznavour wird von der belgischen Tageszeitung Le Soir wegen seiner Steuersituation kritisiert. Auch diesmal spielt Luxemburg eine Rolle.

Die Eltern von Charles Aznavour waren, um dem Völkermord in ihrer Heimat zu entkommen, von Armenien nach Frankreich geflüchtet. Charles wurde 1924 in ärmlichen Verhältnissen geboren. In den folgenden Jahren entdeckte er sein Talent für Musik und wurde ein weltweit bekannter Musiker und Schauspieler.

Verurteilung wegen Steuerflucht

„Im Jahr 1976 entschied ich, mich mit meiner Familie in der Schweiz niederzulassen“, so der Sänger in einer Autobiografie. Die Gründe, die er für diesen Schritt angibt, lauten „Missverständnisse mit den Medien, den Verwaltungen und mir“. Im Jahr 1979 wurde er in Frankreich wegen Steuerflucht zu einer Strafe von drei Millionen Francs (457.000 Euro) und einem Jahr Gefängnis verurteilt, das Verfahren wurde jedoch 1980 eingestellt. „Man versuchte, mich auszunehmen“, so die Autobiografie. „Nun bin ich ein neuer Mann.“

Trotzdem sei er ständig auf dieses Thema angesprochen worden. “Ich hatte ständig meine Steuerbescheinigung in der Tasche, um sie jedem zeigen zu können”, so ein Zitat. “Ich zahle meine Steuern!”

Heute ist der Musiker 94 Jahre alt. Im Jahr 2007 übertrug er seine Anteile an zwei französischen Unternehmen, die seine Autorenrechte verwalten, an die luxemburgische Abricot S.A., deren einziger Aktionär Aznavour war. Im Jahr 2016, nach einer Kapitalerhöhung, belief sich Aznavours Anteil am Kapital von Abricot nur noch auf 28,9 Prozent. Der Rest des Aktienpaketes ist nun im Besitz von seiner Frau und seinen Kindern.

Keine Steuern für Frankreich

Daran stört sich die belgische Tageszeitung Le Soir. In ihrer gestrigen Ausgabe widmete sie dem „Fall Aznavour“ zwei Seiten. Die Dividenden, die von den zwei französischen Unternehmen an die Abricot S.A. ausgezahlt werden, „unterliegen nicht der französischen Besteuerung“.

Le Soir hat auch die Summe ausgerechnet, um die der französische Staat „betrogen“ wurde: 95.100 Euro. „Alles ist vollkommen legal“, so der Le Soir-Autor. „Es beweist aber die Ablehnung der Familie Aznavour in Bezug auf das französische Steueramt.“

Auch das Paar Bellucci-Cassel hat in Luxemburg eine Firma

Der Autor des Artikels weist in diesem Zusammenhang auch auf das Paar Bellucci-Cassel hin. Auch diese haben in Luxemburg ein Unternehmen gegründet, das ihren Immobilienbesitz verwaltet. „Offensichtlich um die wirtschaftlichen Interessen des Nachwuchses zu schützen“, wie Le Soir meint.

Hier konnte die Recherche jedoch absolut nichts Skandalöses aufdecken. „Ein französisch-luxemburgisches Steuerabkommen besagt, dass Investitionen in Immobilien von französischen Gebietsansässigen der französischen Steuer unterliegen“, so Le Soir. Das Paar zahlt also brav seine Steuern in Frankreich. Der „Steuerbetrug“ beläuft sich auf null Euro.

2 Kommentare

  1. Also falls ech daat richteg verstinn, liewt den Typ elo säit 1967 an der Schweiz an trotzdem mengen verschieden Journalisten, hien misst dem franséichen Staat nach ëmmer en Obulus bezuelen ? Fierwaat ? Well en (ennert annerem) op franséich sëngt ? Well en vill Fans am Frankréich huet ? Wéi lang soll dann Leibeigenschaft fier sou en stramm antikapitalisteschen Journalist beim LeSoir sou daueren – 50 Joer sinn elo eriwwer, awer éischter 100 Joer – fier sëcher ze goen?

    An wann Dividenden vun sengen franséischen Boîten ausbezuelt ginn, jo dann ass schon am Fierfeld eng Besteierung am Frankréich geschitt. Daat mat den Dividenden ass eben esou an der EU-Direktive geregelt.

  2. Wenn Steuergesetze so ausgelegt sind,dass “Steuerhinterziehungsspezialisten” immer einen Weg finden sich ihrer Bürgerpflicht zu entziehen,dann sind diese Gesetze nicht gut genug. Steuern müssen bezahlt werden sonst funktioniert das System nicht mehr. Erstaunlich,dass die Sündenböcke immer ab einer gewissen Gehaltsklasse zu finden sind. So Ferrari-Schumacher, Bayern-Hoeness, Formel1-Vettel usw. Ich wollte ich könnte(nicht müsste) jedes Jahr eine Million Steuern bezahlen.

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