Zwischen 2002 und 2010 hat Luxemburg etwa 82 Millionen Euro für die Entwicklung des Landes sowie für den Kampf gegen die dortige Armut bereitgestellt. In den kommenden fünf Jahren sind Hilfen in Höhe von 42 Millionen Euro vorgesehen. Jedoch entscheidet Luxemburg nicht alleine, was mit dem Geld passiert. Die Unterstützungen werden mit den Zielen des Fünfjahresplanes der kommunistischen Regierung abgestimmt.

Und die Behörden „im Vietnam wissen, was sie wollen“, so Christine Omes von Lux-Development. Sie ist zuständig für Vietnam, Laos und die Mongolei.
Die Hilfsgelder aus der ganzen Welt werden vom Vietnam gezielt eingesetzt. Sie sollen helfen, die wirtschaftlichen Entwicklungsziele zu erreichen. Das geht ganz klar aus Zeitungsartikeln hervor. So besuchte die Vizevorsitzende der französischen Nationalversammlung, Ségolène Royal, das Land letzte Woche – gesprochen wurde über die Armutsbekämpfung, Bildung sowie über eine Verbesserung der Verwaltung.
Das Vereinigte Königreich hilft in den Bereichen Kultur, Bildung und Landesverteidigung. Die Weltbank bietet politische Beratung und versucht, das Land auf den zukünftigen Anstieg des Meeresspiegels vorzubereiten. Das Oberste Russische Gericht hilft bei der Ausbildung von Richtern.

Auf Investorensuche

Parallel dazu sucht die vietnamesische Regierung nach Investoren für die Privatindustrie – das Land hat nämlich viel Potenzial, aber nur wenig Kapital. Mit Saudi-Arabien, beispielsweise, wird über Investitionen in Autobahnen, Flughäfen und Häfen gesprochen.
Damit die Hilfen des kleinen Luxemburgs im großen Vietnam auch bemerkt werden, betreibt das Großherzogtum eine angepasste und abgesprochene Nischenpolitik. Unterstützt werden Projekte in den Bereichen „ländliche Entwicklung“, Gesundheit, professionelle Weiterbildung sowie im Finanzbereich.

Ein Vorzeigeprojekt ist eine Hotelschule in einer Region mit Tourismuspotenzial. Luxemburg hat den Bau und die Ausrüstung des Hotels finanziert. An der Diekircher Hotelschule wurden Vietnamesen ausgebildet, um in dem neuen Hotel als Ausbilder für die lokale Tourismusbranche zu fungieren. Selbst der Lehrplan wurde zusammen mit Luxemburg ausgearbeitet.
Dieses Projekt war ein derartiger Erfolg, dass die Luxemburger Entwicklungshilfe heute mehrere dieser Schulen in verschiedenen Ländern betreibt.

“Qualität garantieren”

Im Rahmen eines weiteren Vorzeigeprojektes „hat die Luxemburger Entwicklungshilfe Tausende Kühlschränke nach Vietnam geliefert“, so Richard Schmid, zuständig für die Kommunikation bei Lux-Development, gegenüber dem Tageblatt. Ziel dieses Projektes ist es, sauberes Blut für Bluttransfusionen sowie eine gute Qualität bei Impfstoffen zu garantieren.
Zusätzlich zum gelieferten Material bildet Lux-Development auch das Personal aus, das damit umgehen muss. „Die Aus- und Weiterbildung ist für die Luxemburger Entwicklungshilfe immer ein wesentlicher Teil“, so Schmid.

Auf Anfrage Vietnams bietet Luxemburg außerdem spezifische Ausbildungskurse im Finanzbereich an. Dazu zählten bisher der Aufbau eines informatischen Systems, um bessere Finanz-Statistiken zu erhalten, sowie die Beratung in den Bereichen e-Banking und „legale Rahmenbedingungen“. Hier übernimmt die Luxemburger ATTF („Agence de transfert de technologie financière“) die Rolle des Ausbilders.

“Riesige Unteschiede”

Wie lange Vietnam jedoch noch ein Zielland der Luxemburger Entwicklungshilfe bleiben wird, ist ungewiss. „Immerhin hat sich der Vietnam bereits zu einem Schwellenland entwickelt“, so Richard Schmid. Dabei gebe es jedoch weiterhin riesige Unterschiede zwischen den großen Städten, wo man so leben kann wie in Europa, und den ländlichen Regionen.

Dort sei „die Zeit stehen geblieben.“ Es herrschten weiterhin die „rigiden, alten Strukturen“, und das gesamte Leben sei ein Überlebenskampf, unterstreicht Christine Omes.
Vietnam „ist ein Land der zwei Geschwindigkeiten“, so Schmid weiter. Während die Städte boomten, benötigten die ländlichen Regionen weiterhin Hilfe.

Ehrgeizige Vietnamesen

Ein Problem für die Zukunft sei beispielsweise, dass ausgebildete Lehrer oder Krankenschwestern lieber in einer Stadt ein Geschäft eröffneten, als ihren Beruf auf dem Lande auszuüben. Zudem sei der Alkoholismus auf dem Lande ein Problem. Und die Korruption. Die Lage sei aber dabei, sich zu verbessern, so Christine Omes.

Positiv vermerkten beide, dass im gesamten Land jedes Kind zur Schule geht und 90 Prozent der Bevölkerung lesen und schreiben können. Zudem „sind die Vietnamesen ehrgeizig, sie arbeiten viel und schnell“, so Omes.

Christian Muller