Europaweit hatte die ESA an diesem Samstag zu einer öffentlichen Debatte über „den Weltraum im Dienste Europas“ geladen. In jedem der 22 Mitgliedsstaaten der Organisation trafen sich rund 100 Bürger um Fragen zu beantworten und zu debattieren. Auch im Centre Culturel Tramschapp hatten sich mehr als 80 Bürger eingefunden, um die ESA über ihre Sicht der Dinge zu informieren.

Wirtschaftsminister Etienne Schneider, der gleichzeitig auch Co-Präsident der ESA (gemeinsam mit der Schweiz) ist, nutzte die Gelegenheit, um über die Fortschritte des Projekts Spaceresources.lu zu informieren. Das Projekt hatte zu Jahresanfang für viel positive Aufmerksamkeit in der Welt gesorgt.

Ehe es losgeht, braucht es Rechtssicherheit. Und die gesetzlichen Rahmenbedingungen sollen 2017 in Kraft treten, kündigte der Minister an. Im Oktober will er den betreffenden Gesetzesvorschlag im Parlament deponieren.

Notwendig ist das Gesetz um sicherzustellen, dass der, der im Weltall etwas „erntet“, auch dessen Besitzer ist. Laut internationalem Recht darf niemand einen Asteroiden einfach in Besitz nehmen. Man darf aber „Sachen zurückbringen“, wie der Minister erklärt – so wie ein Fischer auf dem Meer, dem das Meer auch nicht gehört. Die USA haben bereits ein solches Weltraumgesetz, in Europa noch niemand.

Ein Unterschied zum US-Gesetz

Doch es gebe einen kleinen Unterschied zwischen beiden Gesetzen, erklärte der Minister. Von dem US-Gesetz dürfen nämlich nur Unternehmen profitieren, die zu einem festgelegten Mindestanteil in US-Besitz sind. In Luxemburg jedoch werde das Gesetz für alle gelten. Das könnte dem Standort Luxemburg für viele Firmen und Projekte attraktiver und gestfreundlicher machen. Neue Arbeitsplätze könnten kommen.

Weiter kündigte der Minister an, dass die Summe von 200 Millionen Euro, die die Regierung für dieses Projekt vorgesehen hat, weiter erhöht werden würde. An Skeptiker gerichtet erinnerte er an die Parlamentsdebatten von 1988 als Luxemburg eine Finanzgarantie von über zwei Milliarden Franken beim Start des ersten SES-Satellitens bereitstellte. „Niemand braucht Satelliten. Sie sind gefährlich für die Menschheit“, so die damaligen Kritiker. Und „heute ist die SES der weltgrößte Satellitenbetreiber und Luxemburg zählt 30 Unternehmen die im Weltraumgeschäft aktiv sind“, unterstreicht der Minister.

Gespräche mit den Vereinigten Arabischen Emiraten

Die bereitgestellte Summe soll unter anderem für die Organisation von Konferenzen, für Forschungsprojekte und für Beteiligungen an Unternehmen genutzt werden. Am US-Unternehmen Planetary Resources hat sich die staatliche Entwicklungsbank SNCI bereits beteiligt. Auch mit dem US-Unternehmen Deep Space Industries (DSI), das bis Jahresende sieben Personen in Luxemburg beschäftigt, sollen ähnliche Gespräche laufen.

Zudem wolle man noch andere Länder an dem Projekt beteiligen, erläuterte der Minister. „Heute schaut jeder auf Luxemburg und viele fragen, ob sie sich an unserem Projekt beteiligen können.“ So gibt es beispielsweise laufende Diskussionen mit der Weltraumagentur der Vereinigten Arabischen Emirate. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, zum Mars zu fliegen. Und dorthin werden sie wohl nicht alles mitnehmen können. Wasser befindet sich jedoch auf Asteroiden.

Eine Luxembourg Space Agency?

Am Samstag wurde auch die Frage wieder aufgeworfen, ob Luxemburg eine eigene Space Agency aufbauen soll. Die Diskussion ist nicht ganz neu, doch der Minister will sie im Herbst wieder aufrollen. Bisher wurde immer gezögert, da insgesamt nur rund ein Dutzend Beamte im Wirtschaftsministerium und bei Luxinnovation tagtäglich mit dem Sektor beschäftigt sind.

Eine wirtschaftliche Rendite im Form von Steuereinnahmen für Luxemburg erwartet Etienne Schneider jedoch erst in langer Zukunft „wenn ich schon nicht mehr Minister bin.“ Er ist aber zuversichtlich, dass der Erfolg kommen wird: „Auch wenn es futuristisch klingt, es wird passieren. Es hat ein solides Fundament. Es gibt eine Gemeinschaft interessierter Menschen und es gibt Investoren.“

Christian Muller