Der Aufbau des europäischen
Satellitensystems Galileo dürfte deutlich teurer werden als bislang
kalkuliert. Die Europäische Kommission veranschlagt für den Aufbau
der Infrastruktur bis 2020 rund 5,3 Milliarden Euro, wie die “FAZ” (Dienstag) berichtet. Bislang war mit 3,4 Milliarden Euro kalkuliert
worden. Derweil kämpft der Satellitenbauer OHB mit den Folgen einer
brisanten Wikileaks-Veröffentlichung: OHB-Manager Berry Smutny, der
Galileo als “Unfug” bezeichnet haben soll, wurde freigestellt. Das
Unternehmen habe sich dazu gezwungen gesehen, “um einen immensen
Reputationsschaden abzuwenden”, sagte OHB-Sprecher Steffen Leuthold
der dpa am Dienstag.

Satellitensystem Galileo

Galileo soll das bisherige Monopol der USA mit ihrem Global
Positioning System (GPS) bei der Satellitennavigation brechen. OHB
hatte unter Smutny im Januar 2010 den prestigeträchtigen Auftrag für
den Bau von 14 Satelliten mit einem Volumen von 566 Millionen Euro
bekommen. Der Start der ersten beiden Satelliten ist für 2012
vorgesehen. Im November kamen weitere Millionenaufträge für sechs
Meteosat Wettersatelliten hinzu. Die OHB System AG ist eine Tochter
der OHB Technology AG.

Die EU-Berechnungen über Kostensteigerungen bei Galileo sollten am
Dienstagnachmittag in Brüssel vorgestellt werden. Demnach sollen
jährlich 800 Millionen Euro für den Betrieb und die Instandhaltung
anfallen, wie die “FAZ” berichtet.

Smutny ist damit der erste deutsche Top-Manager, der wegen Veröffentlichungen der Enthüllungsplattform Wikileaks gehen muss. Bei OHB stand er der Systems-Sparte vor. Das Bremer Unternehmen hat einen ersten Auftrag für den Bau von Galileo-Satelliten mit einem Volumen
von mehr als einer halben Milliarde Euro.

Smutny soll Galileo gegenüber US-Diplomaten als “Verschwendung von
Steuergeldern” und “Unfug” bezeichnet haben. Laut Wikileaks soll das Gespräch Anfang Oktober 2009 stattgefunden haben. Smutny war da erst kurze Zeit bei OHB. Insgesamt war er 18 Monate Vorstandschef der OHB-Systems AG.

dpa