13. September 2012 15:48;Akt: 17.09.2012 09:18

Wer verbirgt sich dahinter?

RäTSEL UM MOHAMMED-FILM

Wer steckt hinter dem islamfeindlichen Film, der die Gewalt in der arabischen Welt ausgelöst hat? Das dilettantische Werk hat wilde Spekulationen über seine Herkunft und Absicht angeheizt - ein kompliziertes Puzzlespiel.

Demonstranten im Gaza-Streifen. (Bild: dpa)

Der Film, der im Zentrum der blutigen anti-amerikanischen Proteste in der arabischen Welt steht, ist vor allem eines: ein Mysterium. Wer hat ihn gemacht? Von wem wurde er im Internet verbreitet? Und warum? Wer Antworten auf diese Fragen sucht, stößt vor allem auf Spekulationen. Sicher scheint mittlerweile nur eines: der Name Sam Bacile, ursprünglich als Macher des Films gehandelt, ist ein Pseudonym. Die Gewalt vor den US-Botschaften in der arabischen Welt ist echt, die Geschichte hinter dem Film ist dagegen ein Wirrwarr aus Halbwahrheiten und Fehlinterpretationen.

Nach Informationen der BBC könnte der Film bereits Ende Juni in einem kleinen Kino in Los Angeles gezeigt worden sein. Nur wenig später sei er dann erstmals im Internet aufgetaucht, verbreitet von einem gewissen "sambacile". In den auf YouTube veröffentlichten Sequenzen des Films "Innocence of Muslims" ("Unschuld der Muslime") wird der Prophet als ein blutrünstiger Gangster, Schürzenjäger, blasser Trottel und Pädophiler dargestellt. Produziert wurde der amateurhaft wirkende Film offensichtlich mit einfachen Mitteln.

Das "Wall Street Journal" hatte den vermeintlichen Macher des Films, Sam Bacile, anfangs als einen amerikanisch-israelischen Mittfünfziger beschrieben, der für den rund zweistündigen Film fünf Millionen Dollar (rund 3,9 Millionen Euro) von 100 jüdischen Spendern eingesammelt habe. Spätestens seit Donnerstag ist das nicht mehr haltbar. Der Name Sam Bacile sei weder bei amerikanischen noch bei israelischen Behörden registriert, schreibt das Blatt nun.

Militanter Christ

Eine Spur führt zu Steve Klein, der am Filmprojekt beteiligt gewesen sein soll. Klein beschreibt sich nach den Worten des US-Journalisten Jeffrey Goldberg als einen militanten Christen. Er habe den Mann, der nun unter dem Namen Sam Bacile bekannt ist, getroffen. "Sein Name ist ein Pseudonym", sagte Klein dem Journalisten im US-Magazin "The Atlantic". "Er ist kein Israeli. (...) Ich bezweifle, dass er Jude ist."

Stattdessen führen die jüngsten Recherchen amerikanischer Medien, darunter das "Wall Street Journal", zu dem koptischen Christen Nakoula Basseley Nakoula in Kalifornien. Dieser gab an, der Manager der Produktionsfirma zu sein, die für den Film verantwortlich sei - bestritt aber, Sam Bacile zu sein. Die christliche Minderheit der Kopten fühlt sich in Ägypten von der muslimischen Bevölkerungsmehrheit unterdrückt und diskriminiert.

Ein weiterer Name spielt nach den Informationen des "Wall Street Journals" eine zentrale Rolle: Morris Sadek. Er sei dafür verantwortlich, dass das monatelang im Internet vergessene Video plötzlich bekannt wurde. Anfang September habe der in Washington lebende koptische Christ Journalisten weltweit einen Link zu dem YouTube-Video geschickt. In Ägypten übersetzten einige das Video auf Arabisch und veröffentlichten es. Unterstützt wurde der Film später ausgerechnet vom umstrittenen amerikanische Pastor Terry Jones, der 2010 mit einer Koranverbrennung weltweit für Proteste gesorgt hatte.

Darsteller distanzieren sich

Die Äußerungen der US-Schauspieler im Film machen den Fall nicht weniger rätselhaft. Sie hätten nicht gewusst, dass das Werk anti- islamischer Propaganda diene, zitierte die Zeitung "Los Angeles Times" aus einer Mitteilung der Mitwirkenden. Sie seien für einen andersnamigen Film engagiert worden. Die provokantesten Kommentare im Film seien erst im Nachhinein bei der Synchronisation hinzugefügt worden, hieß es. "Die Darsteller und die Crew sind extrem wütend und fühlen sich vom Produzenten hinters Licht geführt." Sie stünden in keiner Weise hinter dem Film.

dpa/Tageblatt.lu

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  • Yugg am 14.09.2012 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bringt man einen US-Botschaftler in Lebensgefahr? Schritt 1: Koran verbrennen. Schritt 2: Das Ganze filmen. Schritt 3: youtube account unter einem jüdisch-amerikanischem Pseudonym erstellen und uploaden. Schritt 4: abwarten und Tee trinken

    • Methusalem am 14.09.2012 10:44 Report Diesen Beitrag melden

      weil seitens der Politik der islamophobe Pöbel momentan noch immer Narrenfreiheit geniesst.

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  • monni jemp am 13.09.2012 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Diese wilden Verschwörungstheorien, welche sowieso stets in blinden Antiamerikanismus münden, lenken von der Barbarei der Misstaten dieser Djihadisten-Fanatiker ab; für das was hier geschieht, gibt es keine Entschuldigung, das ist Rückfall ins düsterste Mittelalter, gröbster Verstoss gegen internationales Recht und sollte aufs Schärfste abgewiesen werden.

    • Methusalem am 14.09.2012 11:06 Report Diesen Beitrag melden

      wenn wir uns für zivilisierter halten als diese "Barbaren", sollten wir dies auch beweisen, indem wir einen Film verurteilen, der eine Lebensauffassung von anderen Menschen diffamiert. Eigentlich sollte dies die Rolle der Politik sein - so wie sie es ganz emsig bei antisemitischen Vorfällen tut. Zur Erinnerung: Mohamed ist Araber und damit ein Semit (Nachkomme von Sem, dem Sohn Noahs), demnach ist der Film, der das ganze ins Rollen brachte, ein anti-semitischer Akt.

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  • lomje am 13.09.2012 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Déi doten Relioun gehéiert an opmannst Westeuropa verbueden. Wann eng Bevëlkerungsgrupp aleng duerch de Glawen esou gewaltbereet ass, huet déi Relioun hei bei eis näischt ze sichen. Et ass just ze hoffen, dat eise Staat elo mol net méi drun denkt, fir eng Conventioun mat dem Islam anzegoen.

    • Methusalem am 14.09.2012 10:52 Report Diesen Beitrag melden

      gehéieren t'Chrëschtentum (Kräizzich, Inquisitioun, Kolonien, Holocaust u Judden) an t'Juddentum (Holocaust u Palästinenser) dann och net an Europa?

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