27. Januar 2017 15:27;Akt: 27.01.2017 20:02

Nicht alles läuft rund

"MAISONS MéDICALES"

Die rezente Kampagne des Gesundheitsministeriums haben wir zum Anlass genommen, eine Zwischenbilanz zum Thema "Maisons médicales" zu ziehen. Längst läuft nicht alles rund ...

 (Bild: François Besch)

Mehr als 281.000 Patienten haben seit der Einführung der „Maisons médicales“ im Jahr 2009 diese Dienstleistung genutzt. Dennoch bleibt Spielraum nach oben.

Daher auch die rezente Kampagne des Gesundheitsministeriums, weil immer noch ein Drittel der im Land lebenden Menschen überhaupt nichts von der Existenz der Häuser wissen. Allerdings haben längst nicht alle, die eine „Maison médicale“ aufgesucht haben, positive Erfahrungen gemacht.

Entlastung der Notdienste als Ziel

Als die „Maisons médicales“ 2009 ihre Türen öffneten, ging es darum, die Notdienste der Spitäler zu entlasten. Mehr als 50% der Patienten, die die Krankenhäuser damals aufsuchten, waren keine Notfälle.

Ziel war es also einerseits, den Menschen mit „kleineren“ Gesundheitsproblemen die Wartezeit zu verkürzen und andererseits den Notdiensten mehr Zeit zu geben, um sich um wirklich schwere Fälle zu kümmern.

Eine Prämisse war jedoch, dass die „Maisons médicales“ so nah wie möglich an einem Spital, das Notdienst durchführt, liegen sollten. Am Anfang traf das auf die drei Häuser in Esch, Luxemburg und Ettelbrück zu. Doch mittlerweile tut die Zitha-Klinik keinen Notdienst mehr.

Jeder Fünfte unzufrieden

Laut einer repräsentativen Umfrage, die das Gesundheitsministerium in Auftrag gab, sind 82% der Befragten mit dem Empfang und den Öffnungszeiten der Häuser zufrieden, 79% mit den ärztlichen Konsultationen und 73% mit den Wartezeiten.

Diese Zahlen mögen auf den ersten Blick positiv wirken, verdeutlichen aber gleichzeitig, dass noch viel Luft nach oben ist. Sie bedeuten nämlich auch, dass mehr als jeder Fünfte unzufrieden mit der Behandlung ist.

Etliche Beschwerden

Unfreundlichkeit, Fehldiagnosen, lange Wartezeiten. Klar, wem die Behandlung in der „Maison médicale“ positiv im Gedächtnis bleibt, der wendet sich nicht an die „Patientevertriedung“. Unzufriedene aber schon.

Wir sprachen mit Georges Clees und Michèle Wennmacher, zwei der insgesamt vier Mitarbeiter der Organisation, die sich für die Rechte der Patienten einsetzt. Mehr als 900 Mal wurde die „Patientevertriedung“ 2016 wegen diverser Probleme kontaktiert.

Nicht wenige Kontaktaufnahmen standen in Zusammenhang mit Beschwerden wegen falscher Diagnosen, die in den „Maisons médicales“ erstellt wurden.

Mal Slapstick, mal Lebensgefahr

„Manche beschweren sich, dass sich nicht adäquat untersucht wurden, oder dass der behandelnde Arzt sie doch noch zum Notdienst schickte, wo man ihnen dann mitteilte, es handele sich nicht um einen Notfall, sie sollen doch wieder zurück“, erzählt Michèle Wennmacher. „Das grenzt schon an Slapstick.“

Es sei aber auch schon zu ernsten Problemen gekommen. So etwa im Fall eines Patienten, der über Schmerzen im Brustbereich geklagt hatte, aber wieder nach Hause geschickt worden sei, weil der Arzt nichts feststellen konnte.

Später musste dann der Notdienst alarmiert werden, der Mann wurde mit der Ambulanz ins Spital gefahren: Diagnose Herzinfarkt!

Klagen über unzulängliche Behandlung

Allgemein beschwerten sich die Menschen, die die „Patientevertriedung“ in Sachen „Maisons médicales“ kontaktieren, über die Behandlung, die sie als unzulänglich empfinden.

„Die medizinische Abklärung sei nicht angemessen gewesen, die Arzneimittelverschreibung entweder übertrieben – die Patienten wurden also quasi mit Antibiotika vollgestopft – oder nicht ausreichend“, erklärt Wennmacher.

Dazu kämen Reklamationen über unfreundliches Personal und Zweifel an der Kompetenz der Ärzte, die die Untersuchungen durchführten.

Kritik an den Öffnungszeiten

„Problematisch ist es auch“, so Georges Clees, „dass die Häuser erst um 20 Uhr öffnen. Die meisten Generalisten schließen ihre Praxen jedoch bereits um 18 Uhr. Wem demnach in dieser Zeitspanne schlecht wird, der muss in die Notaufnahme der Spitäler.“ Auch hier müsste etwas unternommen werden.

„Und wir wiederholen an dieser Stelle gerne noch einmal unsere Forderung der Schaffung einer 'Maison médicale' im Osten“, betont Michèle Wennmacher.

Das vollständige Dossier mit u.a. Aussagen von Patienten, einem Interview mit der Gesundheitsministerin und einem Gespräch mit dem Koordinator der "Maisons médicales", Dr. Frédéric Lech, finden Sie auf einer Doppelseite in der Samstagsausgabe des Tageblatt (Print und E-paper).

Francois Besch

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  • Neckel am 29.01.2017 20:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An weisou lauschteren d'Leit dei Reklamm um Radio net bis zum Schluss? Weivill trieden am Daag bei enger Maison médicale un obwuel d'Öffnungszeiten kloer matgedeelt gin an reegen sech dann op! Trotzdem: Eisen System ass "Entwecklungsland". Aaendokter oder Zänndokter an der Nuecht... grausam. Eng Netzhautoofleisung muss an d'Ausland gefouert gin....

  • Chip am 28.01.2017 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Do muss een eiser Gesondheetsministerin mol erem MERCI soen

  • J.Schol am 28.01.2017 07:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wer als kranker Mensch die Krankenhäuser und die "Maisons Medicales" in Anspruch nehmen muss, erfährt wie marode unser Gesundheitssystem ist, wie dieses System auf Profit ausgerichtet ist.