29. Januar 2016 09:11;Akt: 31.01.2016 18:17

"Kein Feind oder Konkurrent"

INTERESSENKONFLIKT

Wurden die regionalen Kinos vom Kulturministerium benachteiligt? Das legen Recherchen des Radiosenders 100,7 nahe. Caramba hat am Samstag reagiert.

Die Kollegen vom Radiosender 100,7 hatten am Donnerstag gemeldet, dass es heftig in Luxemburgs Kinowelt. Im Zentrum der Aufregung steht ein Interessenkonflikt, der die Caramba-Gruppe benachteiligt hätte. Diese betreibt noch drei kleine Kinos in Rümelingen, Mersch und Mondorf.

Dass Caramba in finanzuiellen Schwierigkeiten steckt, ist längst kein Geheimnis mehr. Auch Direktor Raymond Massard macht daraus keinen Hehl. Teilweise konnten Mieten nicht bezahlt werden, auch Mitarbeiter sollen noch auf Geld warten.

Interessenkonflikt

Im Mittelpunkt der jetzigen Aufregung steht aber eine ganz andere Verwicklung. Es geht um Zuschüsse des Kulturministeriums an die verschiedenen Kinogesellschaften. Und dabei um einen eventuellen Interessenskonflikt – dies zu Lasten von Caramba und zu Gunsten des großen Konkurrenten Utopia.

Worum geht es konkret? Der Interessenkonflikt rührt laut 100,7 daher, dass Joy Hoffmann verantwortlich für die Filmabteilung des staatlichen „Centre national de l’audiovisuel“ (CNA) war - und damit zuständig für die Zuteilung staatlicher Hilfen an die regionalen Kinos - und gleichzeitig Referenzaktionär von Utopia SA.

Massard hatte beim Konkurrenz-Rat Beschwerde eingereicht. Der Bericht des Conseil de la Concurrence hat es in sich, wie von 100,7 veröffentlichte Zitate es nahe legen. So steht dort zum Beispiel: „Les éléments du dossier portent en effet à croire que M. Hoffmann a agi dans le but de diriger un maximum des aides d'Etat dont la distribution incombait au CNA vers le CDAC, et donc, in fine, vers Utopia". Und weiter : « Il est difficilement contestable que M. Hoffmann, en tant qu'actionnaire "de référence" d'Utopia et de fonctionnaire dirigeant au CNA était soumis à un conflit d'intérêt. » Weder das Kulturministerium noch Joy Hoffmann haben bislang auf die gegen sie erhobenen Anschuldigungen reagiert.

Gerecht behandeln

Massard reagierte am Samstag Abend per Presse-Communiqué: "Le Centre de diffusion et d'animation cinématographique (CDAC) touche des subsides depuis les années 1980. Caramba a reçu les premiers subsides étatiques en 2013! Caramba a donc toujours du financer elle-même le fonctionnement de ses cinémas. Le passage au cinéma numérique était cependant une charge financière qu’aucun cinéma régional n’aurait pu autofinancer. Le CDAC a profité d’une aide à l’investissement dès 2010, Caramba seulement en 2014." Als Fazit zieht Massard dann, dass "ungleiche Bedingungen für die gleichen Dienstleistungen angewendet wurden." Dennoch möchte er betonen, dass der CDAC "nicht als Feind oder Konkurrent angesehen wird". Er wolle nur, dass "die Caramba-Kinos gerecht behandelt werden".

Tageblatt.lu

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  • ReSo am 01.02.2016 07:33 Report Diesen Beitrag melden

    War da nicht eine holde Maid welche im Kulturbereich aufräumen und ausmisten sollte? Anscheinend wurden aber die falschen Kontrakte aufgelöst und nachgeprüft. Alles Zufall oder was? Doch wo ist sie geblieben, die holde Maid? Ersetzt durch einen edlen Recken welcher nun alles besser macht. Doch GottseiDank sind auch Märchen ein Teil unserer Kultur und so schliesst sich der Kreis.

  • L.marx am 29.01.2016 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Das Verhältnis zwischen CDAC-Kinos und Utopia-Gruppe ist nun wirklich kein neues Element. Eigentlich erstaunlich, dass das nicht mehr thematisiert wurde als KInepolis letztere übernommen hat. Zu dem Zeitpunkt hat sich - so ganz nebenbei - auch noch die Frage der künftigen Programmation der CDAC-Kinos gestellt

  • Kreuzritter am 29.01.2016 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Do stellen sech awer vill Froen! Werden auch heute noch staatliche Hilfen an Utopia SA respektive Kinepolis bezahlt? Warum werden überhaupt staatliche Beihilfen an einen privaten Kinobetreiber bezahlt? Den Joy Hoffmann ass "haut och an der Utopia Group mat dran ass, an doduerch Aktionär an der Utopia S.A.". (Wikipedia) Darf Herrn Hoffmann über die Vergabe der Zuschüsse (Steuergelder) bestimmen oder mitreden? Bitte um Aufklärung oder berichtigung wenn ich mich irre. Danke