24. Januar 2017 07:50;Akt: 24.01.2017 08:05

Der Film "Rusty Boys": Wie im richtigen Leben

KINOKRITIK

Vier alte Herren, die sich im Altersheim nicht vorschreiben lassen wollen, wie sie ihr Drittes Alter zu leben haben. Sie wollen deshalb ausbrechen, träumen von einer Alternative. Doch Träume lassen sich nicht immer so einfach umsetzen und das Erwachen ist mitunter recht hart. Andy Bausch hat daraus eine Komödie gemacht, die gar nicht so lustig ist.

 (Bild: PTD)

Nach den rebellischen „Troublemakers“ kommen die eingerosteten „Rusty Boys“. Genau wie die Helden seiner jungen Jahre ist auch der luxemburgische Star-Regisseur gealtert (Andy Bausch wird am 12. April 58 Jahre alt) und so hat er offenbar sein neues Thema dem Lauf der Zeit angepasst.

Andy Bausch hört sich auf Anhieb etwas pragmatischer an: „Ursprünglich bestanden andere Projekte über den Zweiten Weltkrieg oder alternativ ein Krimi. Nach 'Doudege Wénkel' und 'Eng nei Zäit' war diese Sparte jedoch vorerst besetzt.“ „Rusty Boys“ schildert die Zeit danach, wenn der Organismus – und möglicherweise auch der Kopf – allmählich schlapp machen und das Leben zu Hause nicht mehr so einfach zu organisieren ist. Dann geht es ab ins Altersheim und dort ist es wie im Kindergarten – es gibt plötzlich wieder jede Menge Maßregeln und Vorschriften.

Das ist natürlich nichts für das Quartett Nuckes, Fons, Lull und Jängi. Die vier haben ihr Leben bis dahin so organisiert, wie sie es für richtig hielten, und haben auch nicht vor, daran etwas zu ändern. Auf die Gefahr hin, bei den wohlmeinenden Alterspflegerinnen immer wieder anzuecken – beziehungsweise sich wie kleine Kinder zurechtweisen zu lassen.

Deshalb planen sie eine Alternative. Sie wollen eine selbstverwaltete Wohngemeinschaft für das Dritte Alter. Eine gemeinsame Wohnung, in der jeder so leben kann, wie er es für richtig hält.

Alt heißt nicht ausgedient

Für seine Alterskomödie ist Andy Bausch in die Tiefen der luxemburgischen Schauspielerei eingetaucht und hat eine Reihe Pensionäre aus der wohlverdienten Rente wieder herausgenommen. Den Anfang machte Frank Feitler. Der langjährige Herr der hauptstädtischen Theater hat sich letztes Jahr zwar aus dem Berufsleben verabschiedet, aber so hat er alle Zeit der Welt für neue Projekte, wie zum Beispiel das Drehbuch der „Rusty Boys“.

Den Grundriss der Geschichte hatte Andy Bausch bereits beim „Film Fund Luxembourg“ eingereicht, dort wurde ihm dann jedoch geraten, sich beim Ausfeilen seines Szenarios von einer „spitzen Feder“ begleiten zu lassen.

Die Herausforderung hat sich gelohnt. Zwischen Fons, Lull, Nuckes, Jängi und ihrer Umgebung kommt es zu ebenso deftigen wie pointierten Dialogen, die den Zuschauer 107 Minuten lang durch die Mäandern der alternden Gesellschaft führen. Das beginnt bei den Kindern, die angesichts der väterlichen Pläne die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, sich aber gleichzeitig nicht zu schade sind, um das erwartete Erbe schon mal anzupumpen. Das geht weiter mit den Vorwürfen gegen die Mutter, die sich im Altersheim schamlos neu verliebt hat.

Die Alten haben natürlich genügend Charakter, um sich dem vorwurfsvollen Tadel der Gesellschaft zu widersetzen. Da ist Fons (Marco Lorenzini), der zeitlebens ein Rebell war und sich nichts sagen ließ. Das ist im Altersheim nicht besser geworden, wofür er von den jeweiligen Institutionen regelmäßig vor die Tür gesetzt wird. In der Haut des Aufsässigen zeigt Marco Lorenzini die ganze Breite seiner schauspielerischen Verwandlungsfähigkeit. „Alle haben konzentriert und äußerst professionell gearbeitet“, bescheinigte Regisseur Andy Bausch bei der Vorstellungspressekonferenz.

Taschentücher nicht vergessen

Seinem Mitbewohner Lull (Pol Greisch) geht es nicht besser. Der 82-jährige Zahnarzt sieht nicht ein, warum er in seinem Alter auf die Zigarette verzichten oder zum Rauchen jedes Mal vor die Tür gehen soll. Auch Pol Greisch hat nach einigen gesundheitlichen Hindernissen eine herausragende schauspielerische Leistung hingelegt. Der Dritte im Bund, Jängi (Fernand Fox), hat sich überhaupt nicht aufs Altersheim eingelassen und lebt mehr schlecht als recht in seinem Gartenhaus. Doch auch da hängt der Segen schief. Die Schrebergärtenkolonie soll einem Bauprojekt weichen. Und da ist dann noch Nelly (Josiane Peiffer), die sich im Altersheim eher unausgelastet fühlt und sich mit dem Tabu der Altersliebe auseinandersetzt.

Der Verbindungsmann zwischen all diesen Schicksalen ist Nuckes (gespielt von einem hervorragenden Änder Jung). Er ist erst 65 und muss noch arbeiten. Als Wachmann im Altersheim genießt er das vollste Vertrauen der Bewohner und zeigt viel Verständnis für ihre Kümmernisse. Er besorgt ihnen die Zigaretten oder den Alkohol – und er weiß auch, wie man das tägliche Fernsehangebot um einige „Erwachsenenprogramme“ bereichern kann. Er wird zwischen all den Figuren die Fäden ziehen und dafür sorgen, dass das Alternativprogramm auf die Schienen kommt.

Mehr sei hier nicht verraten, wie die vier Hauptfiguren und ihre alten und jungen Mitstreiter – genannt seien hier nur Myriam Muller, Marie Jung, Pitt Simon, Luc Feit oder Fabienne Hollwege in der Rolle der Altersheimdirektorin – ihren Wunsch umsetzen, soll erst die Leinwand zeigen. Trotz viel Humor die Taschentücher nicht vergessen …

Die Spielzeiten des Filmes im Utopolis Kirchberg finden Sie hier.

Claude Wolf