11. Januar 2017 20:08;Akt: 11.01.2017 21:52

„Das Opfer lebte noch, als das Feuer ausbrach“

PROZESS

Wegen dem Mord an dem eigenen Bruder muss sich seit Mittwoch, dem 10. Januar, der 27-jährige Eric L. vor der Kriminalkammer verantworten. Ihm und einem Komplizen droht eine lebenslange Haftstrafe.

 (Bild: Alain Rischard)

Eric L. soll am 20. Dezember gegen 1.00 Uhr nachts eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Esch auf der place Stalingrad in Brand gesteckt haben. Alessandro S. wird wegen Beteiligung am Mord angeklagt. Eric L. soll seinen Bruder zuerst vergiftet und anschließend die Wohnung in Brand gesteckt haben, um den Mord zu vertuschen. Es soll sich um eine Tat wegen Geldgier gehandelt haben, denn das Opfer lebte mit einer Behinderung und stand unter Vormundschaft.

Zu Beginn der Sitzung war Eric L. geständig. Alessandro S. aber stritt jegliche Vorwürfe ab. Anschließend forderte Me Pim Knaff, der Rechtsanwalt der Eigentümerin der Wohnung, einen Schadensersatz von 8.800 Euro, weil während mehreren Monaten die Miete ausfiel. Auch Me Jean Kauffman beantragte einen Schadensersatz von 28.100 Euro für die Versicherungsgesellschaft, die für den Brand aufkommen musste. Der Gerichtsmediziner erklärte vor dem Richtergremium, dass am Körper des Opfers keine äußeren Verletzungen gefunden wurden. "Das Opfer lebte noch, als der Brand ausbrach. Dies konnten wir anhand der Rußspuren in den Lungen und an dem erhöhten Kohlenmonoxidwert im Blut feststellen. Außerdem haben wir außergewöhnlich hohe Werte von Beruhigungsmitteln im Blut des Opfers gefunden."

Der toxikologische Experte sagte ebenfalls, dass im Blut des Leichnams eine hohe Konzentration von Medikamenten entdeckt wurde. "Es wurden Antidepressiva und Psychopharmaka gefunden, die Dosis war mindestens 20 Mal so hoch wie der Normalzustand", so der Gutachter.

"Eifersüchtig auf seinen Bruder"

Der Brandexperte erklärte vor den Richtern, dass das Feuer an zwei Stellen ausgebrochen war: zum einen beim Trockner und zum anderen beim ausziehbaren Sofa. "Am Trockner konnte ich keine technischen Defekte feststellen. Dies deutete klar auf Brandstiftung hin. Außerdem hätte das Feuer sich auf das vierte Stockwerk ausdehnen können, wenn die Feuerwehr nicht so schnell reagiert hätte", analysierte der Brandexperte.

Der Psychiater, der den Beschuldigten insgesamt fünf Mal untersucht hat, sagte aus, dass Eric L. immer den Eindruck hatte, sein Bruder würde von seinen Eltern bevorzugt. "Eric L. litt nicht unter einer psychischen Störung, war aber immer eifersüchtig auf seinen Bruder", so der Psychiater. Der Täter habe sich selbst als eine ruhige Person beschrieben, die ungern ihre emotionale Seite zeigen würde.

Der Experte bestätigte dies, meinte aber, dass es beim Mann zum Teil zu impulsiven Ausbrüchen gekommen sei. „Der Angeklagte hatte den Eindruck, dass sein Bruder ihn vergiften wollte, und deswegen hat er die Tat minutiös geplant. Auch könnte er aus Geldgier gehandelt haben“, schloss der Gutachter.

"Es sollte wie ein Selbstmord aussehen"

Eine Mitbewohnerin des Wohnhauses meinte, dass das Opfer, Charles L., eine sehr ruhige Person war. "Seine Partnerin war eher etwas energischer. Beide waren aber immer nett zu mir", berichtete die Zeugin. Am frühen Abend des Brandes habe sie gehört, wie das Opfer die Wohnungstür zugesperrt hatte.

"Nachdem Nachbarn mich darauf aufmerksam machten, dass es im Haus brennen würde, versuchte ich mich über das Treppenhaus zusammen mit den anderen Einwohnern des Hauses in Sicherheit zu bringen. Als ich an der Tür des Opfers vorbeiging, bemerkte ich, dass der Rauch von dort kam. Darüber hinaus bemerkte ich, dass im Inneren der Wohnung ein Stöhnen zu hören war", erklärte die Zeugin.

Laut dem Ermittler wollte Eric L. die Polizisten auf eine falsche Spur leiten. "Es sollte wie ein Selbstmord aussehen, denn auf dem Facebook-Profil des Opfers war ein Abschiedsschriftzug zu lesen. Auch nach dem Tod des Mannes hat Eric L. seinem Bruder immer wieder Textnachrichten geschickt, um die Spur von sich wegzuleiten", so der Ermittler im Zeugenstand. Der Angeklagte Alessandro S. soll am Tatabend dem Hauptbeschuldigten ein Alibi gegeben haben. „Uns gegenüber hat Alessandro S. erklärt, beide wären in der Tatnacht zusammen unterwegs gewesen“, berichtete ein Polizist. Am Donnerstag wird der Prozess fortgesetzt.

Philippe Hammelmann