16. Mai 2017 16:37;Akt: 16.05.2017 16:38

38 Millionen Teile Müll auf einer Insel

HENDERSON-INSEL

Eine unbewohnte Insel mitten im Pazifischen Ozean wird zum Sinnbild der Vermüllung der Meere. Wissenschaftler sind entsetzt.

Forscher haben auf einer unbewohnten Pazifikinsel rund 38 Millionen Teile Müll gefunden. Es sei fast ausschließlich Plastikmüll, der an den Stränden der winzigen und abgelegenen Henderson-Insel angeschwemmt worden sei, erklärten die Forscher der Universität von Tasmanien am Dienstag bei der Veröffentlichung ihres Forschungsberichts. Unter anderem hätten sie dort Zahnbürsten, Dominosteine, Spielzeug und Hunderte Schutzhelme in jeder Größe, Farbe und Form entdeckt.

Nirgendwo sonst sei jemals so viel Müll an einer Stelle gefunden worden - und das, obwohl die Insel zu den extrem abgelegenen Pitcairninseln gehört, hieß es in dem Bericht, der in der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschien. Die britischen Pitcairn-Inseln liegen ungefähr auf halbem Weg zwischen Neuseeland und Chile und gelten als Unesco-Weltnaturerbe. Sie wurden unter anderem dadurch bekannt, dass sich auf der Hauptinsel im 18. Jahrhundert die Meuterer des britischen Schiffes "Bounty" ansiedelten.



"Schön als auch erschreckend"

Die Erstautorin der Studie, Jennifer Lavers, erklärte, Henderson Island liege am Rande eines Strudels aus Meeresströmungen, der als Südpazifischer Wirbel bekannt ist, und der viel Müll aufnimmt und mit sich führt. "Die Menge an Plastik ist wirklich alarmierend", sagte Lavers. Sie sei teilweise fasziniert gewesen von den vielen Formen und Farben des Plastikmülls, bis ihr dann die Tragödie wieder voll bewusst geworden sei. "Es ist sowohl schön als auch erschreckend."

Lavers und sechs weitere Wissenschaftler waren im Jahr 2015 dreieinhalb Monate auf der Insel, um Daten für die Studie zu sammeln. Sie stellten fest, dass der angeschwemmte Müll 17,6 Tonnen wog und dass mehr als zwei Drittel davon an den Stränden halb vergraben waren. Lavers sagte, am häufigsten hätten sie und ihre Kollegen Feuerzeuge und Zahnbürsten gefunden, aber auch Gegenstände wie Häuschen aus dem Spiel Monopoly oder Babyschnuller.

"Täglich mehr als 13.000 Müllteile"

Eine Meeresschildkröte sei gestorben, weil sie sich in einem angeschwemmten Fischernetz verfangen habe. Eine Krabbe habe sich ein neues Zuhause in einer Kosmetikdose geschaffen.

Indem sie und ihre Kollegen einen Teil des Strandes säuberten, seien sie in der Lage gewesen zu schätzen, dass täglich mehr als 13.000 Müllteile an der Insel angeschwemmt würden, die zehn Kilometer lang und fünf Kilometer breit ist. "Wir müssen unser Verhältnis zum Plastik grundlegend überdenken", sagte Lavers. "Es ist etwas, das dafür gemacht ist, ewig zu halten. Aber es wird oft nur für ein paar flüchtige Momente verwendet und dann weggeworfen."

Tageblatt.lu/AP

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  • Mephisto am 16.05.2017 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    In den meisten aussereuropäischen Ländern funktionniert die Müllentsorgung nach dem Prinzip : In den Fluss schmeissen oder ins Meer werfen ? Das Resultat ist ja ersichtlich !

    • KTG__ am 16.05.2017 21:34 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht mit dem Finger auf andere Kontinente zeigen. Machen wir uns nichts vor, auch hier in Europa ist noch vieles ganz übel. In Italien sind die Flüsse oft Dreckschleudern, in Frankreich wird auch nicht gerade viel geklärt (siehe Einzugsbecken der Alzette, erst kürzlich wieder ein vages "Projekt" vielleicht doch irgendwann mal alles zu klären) und selbst im kleinen Luxemburg wehren sich einige Bürgermeister, oft Mitglieder einer bestimmten Partei, aber nicht exklusiv (siehe auch hier Alzette-Tal, zudem Mosel), gegen den Bau von Kläranlagen. Anders kann man den Nicht-Bau nicht mehr erklären.

    • Holzkapp am 18.05.2017 09:08 Report Diesen Beitrag melden

      ... an zu Lëtzeburg ass den Offall hannert der Häck agebuddelt gin, wou en och haut nach firun sech hin modert an den 'Naturschutzgebieter' an elo gëtt ën verbrannt an déih gëftesch Schlaken gin rem an d' Emwelt integréiert fir Stroossen ze bauën! ... an de Verpackungsmüll hëllt nach steteg liberalistësch zou durch Internetbestellungen! Wéih kann een de Bësch schützen, wann een en op der anerer Seit legal fir Stroossen ënnergruëft, en zoukippt, en vun alle Seiten legal mat Ofgasen an Pestiziden verseucht an en benotzt wéih eng Gratishouër wann een Spéin brauch fir Feier ze machen ...?!

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