28. November 2012 03:27;Akt: 28.11.2012 08:57

Ein Upgrade für Palästina

LEITARTIKEL

von Francis Wagner - Am Donnerstag, 29. November, dem jährlichen „Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk“, will der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, vor der UNO-Vollversammlung den Antrag auf Zuerkennung des Status als „Beobachterstaat“ – wie ihn der Vatikan bereits innehat – stellen.

Präsident Mahmud Abbas. (Bild: AP / Majdi Mohammed)

Am Dienstag hat Frankreichs Staatspräsident François Hollande erklärt, dass Paris diesen Antrag unterstützen werde. Zuvor hatte bereits Luxemburgs Diplomatiechef Jean Asselborn seine Zustimmung zum palästinensischen Ersuchen bekannt gegeben.

Es wundert wenig, dass Israel gegen den Wunsch der Palästinenser Sturm läuft. Die rechtsnationalistische Regierung unter Benjamin Netanjahu setzt unvermindert alles daran, die palästinensische Westbank durch eine systematische Politik des Landraubs nach und nach so weit zu zerstückeln, dass am Ende ein lebensfähiger palästinensischer Staat unmöglich wird und lediglich eine Ansammlung semiautonomer Bantustans übrig bleibt, die sich von den Israelis unter Anwendung einer ausgeklügelten Apartheid-Politik (z.B. Straßen, die nicht von Arabern benutzt werden dürfen, diese aber von ihren Feldern abschneiden) leicht kontrollieren und unterjochen lassen.

Wo der Schwanz mit dem Hund wedelt

Großisrael-Fanatiker (auch solche, die sich selbst als Linke bezeichnen) haben eh schon seit 1948, seit der Gründung des jüdischen Staates, die Ansicht vertreten, dass es so etwas wie „Palästinenser“ ohnehin grundsätzlich nicht gebe. Für sie existieren nur Araber, von denen einige zwar (noch) westlich vom Jordan leben, dort aber eigentlich nichts verloren haben, da der Gott der jüdischen Bibel (der neben vielen anderen Tätigkeiten offensichtlich auch noch jene des Notars ausübt) den Juden das Eigentum an diesem Land auf all ewige Zeiten zuerkannt habe. Der Rückgriff auf religiöse Mythen ist natürlich reinster und zudem krimineller Quatsch, wobei man aber nicht verschweigen sollte, dass sich auch fromme Palästinenser bei Gelegenheit ebenfalls gerne dieser Methode bedienen, um ihre Ansprüche auf das Land zu rechtfertigen.

Die Israelis befürchten natürlich, dass durch dieses „Upgrade“ des palästinensischen UNO-Status das Ansehen der Palästinenser innerhalb der Völkerfamilie steigen würde und sie ihre arabischen Nachbarn nicht mehr ganz so zwanglos schikanieren und unterdrücken könnten, wie das bis dato der Fall war.

Und gerade deshalb ist es ja auch so wichtig, dass der palästinensische Antrag Erfolg hat.

Schön wäre es, wenn auch die Amerikaner ihren israelischen Freunden signalisieren würden, dass sich dieser Anbruch einer neuen Ära ohnehin nicht ewig verhindern lässt und dass ein prosperierender und stabiler palästinensischer Staat eindeutig im Interesse Israels liegt.

Doch in der Nahost-Frage wedelt der Schwanz mit dem Hund und auch ein wiedergewählter Präsident Obama würde es wohl niemals wagen, sich den Wünschen der Israelis leichtfertig zu verweigern.

Francis Wagner

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  • Abbas am 28.11.2012 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wedelt der Schwanz mit dem Hund!? Da bin ich mir nicht so sicher. Sehen Sie sich mal an, wer 1913 die totale Kontrolle über den Dollar in den USA übernommen hatte.

    • DixIt am 28.11.2012 15:08 Report Diesen Beitrag melden

      Könnte hinkommen ... "Gib mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, dann ist es für mich gleichgültig, wer die Gesetze macht". Gegenwehr hat schon einige US-Präsis das Leben gekostet: wer die Amtszeit überleben will, hält den Ball also möglichst flach ;)

    • Miralles Olga am 28.11.2012 21:03 Report Diesen Beitrag melden

      Das haben sich die "Gründer" des Euro sicherlich auch gedacht, Nur dass ihnen die Kontrolle über die Kunstwährung leider etwas entglitten zu sein scheint. Aber der Weg über Lügenpropaganda, Gesetzes- und Vertragsbrüche und Zerstörung der Wirtschaftskraft ökonomisch schwächerer Länder durch dirigistische Austeritätspolitik führt sicher zum monetären Endsieg. Fragt sich nur wieviele Leben von europäischen Bürgern, die zwar keine Präsidenten waren, das schon gekostet hat und noch kosten wird. Eurostat ist dabei leider keine grosse Hilfe.

    • Verschwörer am 29.11.2012 10:03 Report Diesen Beitrag melden

      Was sind denn das für kryptische Kommentare, habe ich da irgend etwas verpasst?

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