Exodus wie im Irak?

02. August 2012 09:43; Akt: 02.08.2012 10:12 Print

Syriens Christen auf der FluchtSyriens Christen auf der Flucht

Die Gewalt in Syrien treibt auch die christliche Minderheit aus dem Land. Sie befürchtet, dass Islamisten das Ruder übernehmen, sollte Assad stürzen. Der Assad-Opposition stehen viele Christen skeptisch gegenüber.

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Bis zuletzt hat Um George gehofft, in Aleppo bleiben zu können. Aber als Regierungstruppen am Wochenende eine Großoffensive gegen die Rebellen starteten, blieb ihr wie Tausenden anderen nur noch die Flucht aus der syrischen Wirtschaftsmetropole. "Es gab kein Strom, kein Gas, kein Benzin und kein Telefon mehr. Brot war auch nicht zu bekommen", erzählt die 70 Jahre alte Witwe in der libanesischen Hauptstadt Beirut, wo sie bei Verwandten untergekommen ist. Ihren wahren Namen will sie nicht veröffentlicht sehen - Um George (Georges Mutter) nennt sie sich.

"Ich fürchte, mein Haus in Aleppo werde ich nie wiedersehen", sagt sie der Nachrichtenagentur dpa. Doch nicht nur das macht ihr große Sorgen. Um George ist Christin, und die Lage in Syrien weckt in ihr böse Erinnerungen. «Ich hasse es, ein Flüchtling zu werden», klagt sie. Hinter ihr an der Wand hängt ein Bildnis der Jungfrau Maria. "Das gleiche ist mit den Christen im Irak geschehen. Als Präsident Saddam Hussein gestürzt wurde, mussten sie ihre Heimat verlassen." Schätzungen zufolge floh damals die Hälfte aller Iraker christlichen Glaubens ins Ausland.

Älteste Bevölkerungsgruppe

In Syrien machen die Christen etwa zehn Prozent der 22 Millionen überwiegend muslimischen Einwohner aus. Sie sind die älteste Bevölkerungsgruppe in dem Land. Unter dem seit zwölf Jahren regierenden Regime von Präsident Baschar al-Assad haben sie Glaubensfreiheit genossen. Einige Christen bekleiden auch hohe Ämter im Staat - wie Verteidigungsminister Daud Radscheha, der im vergangenen Monat bei einem Bombenanschlag in Damaskus getötet wurde.

Dies alles hat auch Misstrauen gegen sie geweckt: Unbestätigten Berichten zufolge sind in Syrien bereits Christen und Kirchen das Ziel von Angriffen geworden. Aleppos chaldäisch-katholischer Bischof Antoine Audo warnte vor Gewalt gegen Minderheiten im Land.

Angst vor Islamisten

Den Aufstand gegen Assad betrachtet Um George wie viele Syrer christlichen Glaubens mit gemischten Gefühlen. Sie befürchten eine Machtübernahme von Islamisten. Nicht alle Rebellen, die gegen das Regime kämpfen, seien aus Syrien, sagte die 70-Jährige. "Ich habe einige von ihnen gesehen, als ich Aleppo verließ. Ihr Akzent war nicht syrisch." Verbittert stellt sie fest: "Halb Aleppo ist zerstört. Die Rebellen und die Regierungstruppen machen die Stadt kaputt und die Zivilisten bezahlen dafür den Preis."

Wenn es um die Verantwortung für die Gewalt in Syrien geht, ist Um George sehr vorsichtig. Zwar kritisiert sie Assad, weil dieser nicht die versprochenen Reformen umgesetzt habe. "Aber diejenigen, die ihn bekämpfen, sind auch nicht besser", fügt sie geschwind hinzu. Dass die Opposition den religiösen Minderheiten eine sichere Zukunft nach der Ära Assad verspricht, beruhigt Um George nicht. "Die Opposition selbst ist gespalten. Wie soll sie dann ein Land mit verschiedenen religiösen und ethnischen Gruppen einen?"

(dpa/Tageblatt.lu)

  • Elvira Portugall am 04.08.2012 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist ein Religionskonflikt

    In Banias begann Ende März 2010 bereits der Fanatismus der radikalen Muslime. Vom 29. zum 30. März war plötzlich Alles anders. Unsere Kirchen wurden bedroht und rund um die Uhr bewacht. Niemand von der europäischen Presse war an aufgezeichneten Hasspredigten von den Moscheen interessiert. In Banias gab es für den Westen nur "friedliche Demonstranten", die für die Demokratie kämpften. Nachdem das Gebiet um Banias wieder im Mai 2010 stabilisiert wurde, ist bis zum heutigen Tag wieder ein friedliches Leben der Religionsgruppen möglich (Dahr Safra, Ar Rawda, Safita etc.). Wie lange noch ?

  • Kaffi Anandamid am 03.08.2012 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Danke für den ernsthaften Versuch

    Kofi Annan wirft das Handtuch und gibt sein Sonder-Mandat ab. Kriegstreiber bleiben weiterhin "fest" im Sattel. Ban Ki Moon sollte auch sein Mandat zurückgeben Wird er aber nicht tun weil er eine Marionette ist und nicht die Sorte Mensch die sich an Vereinigter Multi-Nationalistischer Unmenschlichkeit stören tut. Bei ihm scheint Krieg wie selbstverständlich zum Tagesgeschäft dazuzugehören, oder nicht? Der Papst soll auch zurücktreten.

  • Marc W am 03.08.2012 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    Déi syresch Chrëschten bei eis ophuelen!

    Wann déi sougenannten "Oppositioun", wat haaptsächlech radikal Islamiste sinn, a Syrien bis un der Muecht ass, da wäert et do genau sou goe wéi a Libyen,Tunesien,Ägypten, etc.: d'Scharia gëtt agefouert als eenzegt gültegt Gesetz, domat ass en Rechtsstat mat demokratesche Wäerter souwisou onméiglech. De Chrëschte bleift da souwisou näischt anescht iwwreg ewéi d'Land ze verloossen, well déi islamistesch Fundamentalisten si no an no ëmmer méi an den Eck drécken an diskriminéieren. Déi ganz huel a verluge Versprieche vun der syrescher "Oppositioun"... Alles BlaBla!!!