04. Dezember 2012 02:26;Akt: 04.12.2012 02:34

Die unzivilisierte Nation

DER KOMMENTAR

von Francis Wagner - Am Montag erklärte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, dass sein Land der internationalen Kritik am verstärkten Raub palästinensischen Landes zugunsten jüdischer „Siedler“ keinerlei Rechnung tragen werde, da Israel „für seine grundlegenden Interessen eintreten muss“.

In der „E1“ genannten Region östlich von Jerusalem sollen neuen Wohnungen für jüdische Siedler entstehen. (Bild: AFP / Menahem Kahana)

Wie der Regierungschef eines zivilisierten Landes im Jahre 2012 so reden kann, ist beim besten Willen nicht nachzuvollziehen: Wenn ein Staat der Meinung ist, dass es in seinem grundlegenden Interesse liegt, einem anderen Staat gewaltsam Territorium zu entreißen, dann tut er es einfach? Mit Brachialgewalt wie einst die Hunnen?

Das hatten wir doch schon mal: Das Volk ohne Raum raubt sich den Raum ohne Volk. Einfach so. Und die Schwächeren sollen zusehen, wo sie bleiben!

Israels Verhalten ist eine Schande und einer zivilisierten Nation im 21. Jahrhundert zutiefst unwürdig.

Mehrere westliche Staaten rufen nun aus Protest ihre Botschafter zurück, und sogar Washington und Berlin wagen neuerdings so etwas wie Kritik.

Nach der UNO-Abstimmung zugunsten der Palästinenser handelt Israel endgültig nach der Devise: Ist der Ruf erst mal ruiniert, lebt es sich doppelt ungeniert.

Francis Wagner

Zum Thema
  • Frank Walter am 10.12.2012 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    ...Der Unterschied im besetzten Palästina ist jedoch, daß hier ein völlig fremdes Volk mit anderer Kultur, Sprache und Religion das Land wegnimmt, und daß auch wohlhabendere Araber diese Siedlungen weder betreten noch dort Wohnraum in Anspruch nehmen können.

  • Frank Walter am 10.12.2012 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    Das Bild ähnelt dem, was wir hier in der jordanischen Hauptstadt Amman vom Fenster unserer Wohnung aus sehen: etwas weiter unten leben Menschen in Zelten und Hütten und haben zu ihrer Versorgung Wassertanks aufgestellt. Sie hüten Schaf- und Ziegenherden auf noch unbebautem, brachliegenden Land, doch allmählich wird die Gegend immer mehr zugebaut und das Weideland weniger, da die Bevölkerung wächst und sich die Großstadt ausdehnt. Die Frauen und Kinder ziehen mit Eseln durch die Straßen der neuen Siedlungen und suchen sich aus den Müllcontainern, was ihnen noch brauchbar erscheint. ...

  • Miralles Olga am 06.12.2012 03:14 Report Diesen Beitrag melden

    In allen bisherigen Friedensvorschlägen und -verhandlungen – dem Clinton Parameter im Jahr 2000, der Genfer Initiative von 2003 und dem Vorschlag des israelischen Premiers Olmert von 2008– war Maaleh Adumim als Teil Israels vorgesehen. So riet die Genfer Initiative, die von Israel-Kritikern als Ideal für ein Friedensabkommen herangezogen wird, dazu, Maaleh Adumim Israel zuzuschlagen. Sogar Jassir Abed Rabbo, Mitglied des Exekutivkomitees der PLO sowie zahlreiche andere Palästinenser unterstützten diese Vorschläge der Genfer Initiative. Und jetzt sollen die israelischen Baupläne für die Stadt den Friedensprozess gefährden?

    • De Gefangenen vun Zion am 06.12.2012 09:36 Report Diesen Beitrag melden

      Dovunner ofgesin, dat d'Siedlung Ma'ale Adumim 1975 op palästinensichem Buedem gebaut gouf, geet et hei net ëm e realiséierte Bauprojet, mee ëm d'Bebaue vun engem Gebiet tëschent dëser Siedlung an der Stad Jerusalem. Äre Kommentar ass partant absolut falsch. Vun Befangenheet kann een do scho bal net méi schwätzen.

    • Paul am 06.12.2012 09:46 Report Diesen Beitrag melden

      Komesch Olga, 2010 huet den europäischen Gerichtshaff entscheed, dat op Produkter aus Maleh Adumim, Droits de douane musse bezuellt gin, well dës Produkter net an Israel produzéiert goufen. Do musst der emol äe Hausaufgabe maachen...

    • Miralles Olga am 07.12.2012 11:45 Report Diesen Beitrag melden

      Mein Posting bezieht sich nicht auf E-1, dessen Ausführung mit Sicherheit eine israelische Trotzreaktion ist, sondern auf die Wortwahl des Artikels und die unreflektierte Parteilichkeit ohne historische Hintergründe zu berücksichtigen. Mit Sicherheit wird die Nichtanerkennung Israels durch den Hamas, das zum grossen Teil faktenfreie Geschrei der internationalen Presse, die ambivalnte Haltung der Politik und die Engstirnigkeit israelischer Politiker das Problem so nicht lösen. Die Subjektivität Herrn Wagners und die unkritische Veröffentlichung des Tageblatts ist für mich nicht entschuldbar.

    • Paul am 07.12.2012 15:44 Report Diesen Beitrag melden

      Wou ass do de Problem, d'Hamas erkennt net Israel un, Israel erkennt net d'Hamas un... Et hëlleft iech eventuell, wann der géift an engem Rollespill d'Hamas mat Israel eng Kéier wiesselen an dann dat ganzt eng Kéier kucken. Een den eesäiteg de Problem kuckt, huet keng Méiglechkeet an keng Legitimatioun fir bei der Léisung vum Problem mat ze hëllefen.

    • De Prisonnier am 07.12.2012 15:49 Report Diesen Beitrag melden

      Fro un d 'Olga: Wann d'Palästinenser e jiddischt Israel mussen unerkennen, firwat hunn d'Europäer net e wäisst Südafrika an déi schwaarz Bantoustans unerkannt?

    • Miralles Olga am 07.12.2012 23:41 Report Diesen Beitrag melden

      Mir entgeht der Sinn einiger Postings. Welche Wichtigkeit hat das Urteil des Europäischen Gerichtshofes gegen Brita und die Nichtanerkennung eines kolonialen Südafrika mit der Situation im Nahen Osten zu tun? Und Rollenspiele gehören eher in eine Verhaltenstherapie oder einen Gender-Mainstreaming Kindergarten. Ohne die Position israelischer Hardliner verteidigen zu wollen, finde ich aber, dass das faktenfreie Geschreibsel einer Journaille, die Meinung mit Information verwechselt und einseitig Israelis zu Tätern und Palestinenser zu Opfern macht, an Einseitigkeit kaum zu überbieten ist.

    • nach e lieser manner am 08.12.2012 00:07 Report Diesen Beitrag melden

      Olga, danke. Das hätte ich nicht besser sagen können. Es gibt viele Meinungen zu dem Thema, aber verschiedene wollen einfach nur die eine Seite sehen. Es ermutigt mich, dass es noch Menschen gibt, die kritisch zu diesem Konflikt stehen. "Israel-bashing" ist jedenfalls nicht die Antwort. Und wenn ich dann noch sehe wie Wörter wie 'Räuber' und 'Sippe' in den Kommentaren benutzt werden... Erschreckend.

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