Lagos

04. Juni 2012 07:30; Akt: 04.06.2012 08:51 Print

Schwierige Opfersuche nach FlugzeugabsturzSchwierige Opfersuche nach Flugzeugabsturz

In Nigeria geht die Suche nach Opfern des schweren Flugzeugunglücks weiter. Am Morgen nach dem Absturz in einem belebten Viertel der Wirtschaftsmetropole Lagos war die Lage noch immer unübersichtlich.

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Vermutlich hat keiner der rund 150 Menschen an Bord den Absturz am Sonntag überlebt. Wie viele Opfer es am Boden gegeben hat, war weiterhin unklar. Jedoch werde befürchtet, dass zahlreiche Menschen ums Leben gekommen sind, berichtete die Zeitung "Nigerian Tribune" am Montag.

Nach dem Absturz der Passagiermaschine hat der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Jonathan "betet, dass der Allmächtige den Familien der Opfer den Mut und die innere Stärke verleiht, ihren unersetzlichen Verlust zu ertragen", hieß es in einer Stellungnahme des Präsidentenbüros zu dem Unfall.

Absturzursache

Die Maschine vom Typ McDonnell Douglas MD-83 befand sich am Sonntagnachmittag auf einem Inlandsflug von der Hauptstadt Abuja nach Lagos. Kurz vor der Landung auf dem Murtala Muhammed International Airport habe das Flugzeug eine Hochspannungsleitung gestreift, teilte die nigerianische Luftfahrtbehörde NCAA mit. Anschließend stürzte der zweistrahlige Jet auf ein zweistöckiges Gebäude.

NCAA-Chef Harold Denuren sagte, er rechne nicht mit überlebenden Passagieren. Lokale Medien berichteten hingegen, Helfer hätten ein Mädchen lebend aus den Trümmern der Maschine geborgen. Eine Bestätigung dafür gab es aber nicht. Nach Angaben der Fluggesellschaft befanden sich 147 Menschen an Bord. Eine offizielle Zahl der Todesopfer können man noch nicht nennen, sagte Yushau Shuaib von der nationalen Katastrophenschutzbehörde.

Schwere Bergungsbedingungen

"Ich bin außerordentlich betrübt über die Nachricht von dem Absturz und versichere der Nation, dass Untersuchungen begonnen haben", sagte Nigerias Luftverkehrsministerin Princess Stella Odua im Fernsehen.

Fernsehbilder vom Unfallort zeigten das brennende Wrack. Auf dem T-Leitwerk der Unglücksmaschine war das Logo der nigerianischen Fluggesellschaft zu erkennen, die erst im November 2008 an den Start gegangen war. Das Flugzeug sei bei dem Absturz in mehrere Teile zerbrochen, berichteten Augenzeugen. Das getroffene Gebäude ging in Flammen auf.

Flughafen geschlossen

Über Lagos' dicht bevölkertem Stadtteil Iju-Ishaga stieg nach dem Unfall dichter Rauch auf. Die Rettungsarbeiten wurden von zahlreichen Schaulustigen beobachtet und teilweise auch behindert. Die hereinbrechende Nacht erschwerte die Arbeit der Bergungsteams zusätzlich.

Der Flughafen Lagos wurde nach dem Unglück geschlossen. Wartende Passagiere wurden aufgefordert, heim zu gehen.

Mangelnde Flugsicherheit

Erst im November hatte Dana Air ihr dreijähriges Bestehen gefeiert. Die Inlandsfluggesellschaft steht nicht auf der Schwarzen Liste jener Airlines, die nicht in der Europäischen Union landen dürfen. Die Kapazität seiner beiden Jets vom Typ Boeing MD-83 gibt das Unternehmen mit 140 Plätzen an. Der Flugzeughersteller McDonnell Douglas, der diesen Typ in den 1970-er Jahren entwickelt hatte, fusionierte 1997 mit dem Konkurrenten Boeing.

Viele afrikanische Länder haben große Probleme bei der Flugsicherheit. Nigeria hat die Branche nach einer Unfallserie in den Jahren 2005 bis 2007 zu modernisieren versucht. Auf der aktuellen EU-Liste mit Flugverboten in der Europäischen Union taucht keine nigerianische Airline auf.

(dapd/dpa/Reuters/Tageblatt.lu)