Neuer Weltmarktführer

07. November 2012 15:25; Akt: 07.11.2012 15:47 Print

Edelstahlehe wird besiegeltEdelstahlehe wird besiegelt

Durch die Edelstahlehe zwischen der ThyssenKrupp-Tochter Inoxum und dem finnischen Konzern Outokumpu wird ein neuer Weltmarktführer aus der Taufe gehoben. Wichtigster Konkurrent ist Aperam aus Luxemburg.

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Aperam wurde am 25. Januar 2011 von ArcelorMittal ausgegliedert und in eine eigenständige Aktiengesellschaft, mit Sitz in Luxemburg, umgewandelt. (Bild: dpa)

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Nach monatelangem Tauziehen hat die EU-Kommission grünes Licht für die Übernahme der ThyssenKruppp-Edelstahltochter Inoxum durch den finnischen Konkurrenten Outokumpu gegeben. Bei dem Zusammenschluss entsteht ein neuer Weltmarktführer für Edelstahl. Geplant seien dadurch Einsparungen von rund 200 Millionen Euro, teilte Outokumpu in Helsinki mit.

"Diese Übernahme schafft weltweit die Nummer eins unter den Edelstahlproduzenten", sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Die Kartellwächter hatten zuvor vor allem die Auswirkungen auf den europäischen Markt unter die Lupe genommen. Die wichtigsten Konkurrenten seien Aperam (Luxemburg) und Acerinox (Spanien). Gebilligt wurde die Übernahme deshalb nur unter der Auflage, dass Inoxum das Edelstahlwerk im italienischen Terni sowie mehrere europäische Vertriebszentren verkauft.

Zuvor hatte die EU-Kommission lange Bedenken gehabt, dass das neue Unternehmen zu mächtig werden und den Markt dominieren könnte. Dann hätte dies zu Preissteigerungen bei Edelstahl führen können. Mit dem Verkauf des Standortes werde das ausgeschlossen und "sichergestellt, dass sich das Aufkommen eines neuen europäischen Marktführers nicht negativ auf die Verbraucher und die Unternehmen in Europa auswirkt", sagte EU-Kommissar Almunia.

Luxemburger Unternehmen

Aperam wurde am 25. Januar 2011 von ArcelorMittal ausgegliedert und in eine eigenständige Aktiengesellschaft, mit Sitz in Luxemburg, umgewandelt. Für je 20 ArcelorMittal-Aktien erhielt ein Aktionär eine Aperam-Aktie und wurde damit Teileigentümer des internationalen Edelstahlunternehmens, das der Konzern durch die Ausgliederung gründete. Im Grunde ist dies eine Aufteilung des Unternehmens ArcelorMittal in einen Stahlkonzern und in einen Edelstahlkonzern.

Der Edelstahlkonzern Aperam hat eine Aktionärsstruktur, die ein Spiegelbild zu der von ArcelorMittal ist. Das heißt: Es gibt zwei Konzerne mit der exakt gleichen Aktionärsstruktur, die als Geschwister nebeneinander stehen.

Rund 10.000 Mitarbeiter

Aperam hat eine Produktionskapazität von 2,5 Millionen Jahrestonnen. Es produziert in sechs Werken in Belgien, in Frankreich und in Timoteo in Brasilien. Aperam zählt 9.800 Mitarbeiter. Über Service-Zentren ist das Unternehmen in 30 Ländern der Erde vertreten.

Das Luxemburger Edelstahlunternehmen arbeitet in drei Sparten: Elektrostahl und Edelstahl, Stahl-Dienstleistungszentren und Stahl-Problemlösungen, Legierungen und Spezialstähle.

Ab Ende November

ThyssenKrupp und Outokumpu hatten die 2,7 Milliarden Euro schwere Transaktion Anfang des Jahres mitgeteilt. Die Summe setzt sich aus einer Barzahlung von rund einer Milliarde Euro, einem Aktienpakets von 29,9 Prozent an Outokumpu sowie der Übernahme von Schulden und Pensionsverbindlichkeiten zusammen. Das Geschäft soll nun voraussichtlich noch Ende November perfekt gemacht werden, hieß es aus Kreisen.

ThyssenKrupp will durch die weitgehende Trennung von seinem traditionsreichen Edelstahlgeschäft nach 100 Jahren seinen Konzernumbau vorantreiben und den Schuldenberg verringern. Konzernchef Heinrich Hiesinger bezeichnete den Zusammenschluss am Mittwoch als "wichtigen Meilenstein" bei der Umsetzung der strategischen Entwicklung. Der ehemalige Siemens-Manager will den Technologie-Bereich des größten deutschen Stahlkonzerns weiter ausbauen.

Der finnische Konzern hatte angekündigt, im Zusammenhang mit der Inoxum-Übernahme bis zum Jahr 2016 rund 850 Stellen in Deutschland streichen zu wollen. Betroffen davon sind Werke in Krefeld und Bochum. Outokumpu hatte kürzlich betont, an den Streichungsplänen festhalten zu wollen.

(dpa/er/Tageblatt.lu)