Südkorea

05. Juli 2012 16:09; Akt: 05.07.2012 16:16 Print

Walfang für die WissenschaftWalfang für die Wissenschaft

Japan umgeht das Walfangverbot seit Jahren mit dem Verweis auf wissenschaftliche Zwecke. Nun möchte Südkorea diesen Weg auch nutzen. Neuseeland droht mit Konsequenzen. Walschützer protestieren.

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üdkorea: Walfang im Namen der Wissenschaft. (Bild: dpa)

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Wie Japan will auch Südkorea zu wissenschaftlichen Zwecken wieder Wale jagen. Das kündigte die Delegation des Landes am Mittwoch (Ortszeit) bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Panama-Stadt an und löste scharfe Proteste aus. Der Leiter der Delegation, Joon-Suk Kang, sagte, die Population der Zwergwale (Minkwale) vor der Küste Südkoreas habe sich erholt und stelle ein Problem für die Fischer dar, da die Meeressäuger die Fischbestände vernichteten. Deshalb habe man die Hoffnung, dass die Walfangkommission die Jagd wieder erlaube.

Neuseeland und Walschützer reagierten entsetzt. Ein wissenschaftliches Walfangprogramm im Nordpazifik wäre ein "herber Rückschlag" für die Erhaltung der Arten, sagte Neuseelands Außenminister Murray McCully am Donnerstag. "Jede Aktion Südkoreas, in diesen Gewässern wie angekündigt den Walfang zu starten, wird ernste Konsequenzen haben." Es werde schwer sein für die Walfangkommission, eine glaubwürdige Institution zu bleiben, falls sie der Forderung Südkoreas nachgebe. «Heutzutage gibt es schlichtweg keinen Grund, Wale zu töten, um effektive Forschung zu betreiben.»

Als Beifang in den Netzen

Wale in diesem Gebiet gehen oft als Beifang in die Netze südkoreanischer Trawler. "Bereits seit Jahren erlaubt die koreanische Regierung den Verkauf von Walfleisch von Tieren, die sich angeblich in Fischernetzen verfangen haben", kritisierte Sandra Altherr von Pro Wildlife. Die Fischerei bezeichne einen solchen Beifang als "Meereslotteriegewinn". Ein Zwergwal könne bei Auktionen in dem Land 30 000 Dollar (24 000 Euro) erzielen. Seit den 1990er Jahren steige zudem die Zahl der Lokale und Snackbars mit Walfleisch auf der Speisekarte. In der früheren Walfänger-Stadt Ulsan seien es bereits 100.

Ralf Sonntag, IFAW-Leiter in Deutschland, bezeichnete die Absicht der Koreaner als eine durchsichtige Verschleierung für kommerziellen Walfang. "Dies ist absolut inakzeptabel und letztendlich ein Schlag ins Gesicht für jeden seriösen Meeresforscher", sagte er. Seit 25 Jahren betreibe Japan sogenannten wissenschaftlichen Walfang, ohne bisher irgendwelche Ergebnisse von größerem wissenschaftlichen Wert zu produzieren.

Zu Beginn der Tagung in Panama hatte Japan gemeinsam mit anderen Fangnationen die Einrichtung eines Walschutzgebietes im Südatlantik durch die IWC verhindert.

(dpa/Tageblatt.lu)