Interview Yves Mersch

12. Februar 2012 14:24; Akt: 12.02.2012 14:42 Print

\"Tiefgreifende Reformen nötig"

Der luxemburgische Notenbank Gouverneur Yves Mersch hat sich in einem Interview mit der belgischen Tageszeitung LaLibre Belgique differenziert zu Problemen Luxemburgs geäußert.

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Yves Mersch: "Luxemburg erfährt seit geraumer Zeit im Vergleich zu seinen Nachbarländern eine Verschlechterung seiner Wettbewerbsfähigkeit". (Bild: Tageblatt/Isabella Finzi)

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„In Luxemburg werden die ökonomischen Realitäten nicht verneint“, zitiert Mersch einen Satz aus dem jüngsten Bulletin der Zentralbank. Die notwendigen, langfristigen Reformen würden nicht mit dem nötigen Nachdruck verfolgt, sagt Mersch. Während in allen europäischen Staaten tiefgreifende Reformen durchgeführt würden, wäre es bedauerlich, wenn Luxemburg die Veränderungen nicht vornehmen würde, die sich aufdrängen. Luxemburg habe eine Volkswirtschaft, die extrem geöffnet sei. Da würde sich die wirtschaftliche Situation sehr schnell ändern. „Wir dürfen nicht in einem Immobilismus verharren.“

„Luxemburg hat eine der höchsten Gesamtschuldenraten in der europäischen Union“, sagte Mersch. Darunter seien über die normale Staatsverschuldung hinaus auch die langfristigen Finanzierungszusagen zu verstehen, etwa im Bereich der Rentenversicherung. Diese Gesamtschuld Luxemburgs überschreite die Wirtschaftsleistung des Landes um das 1000fache, zitiert in der belgischen Tageszeitung eine Studie der deutschen Stiftung Marktwirtschaft. „Solch eine Zahl zeigt die absolute Notwendigkeit von Reformen in Luxemburg“, sagt Mersch. Mersch meldet Zweifel an dem bisher vorgelegten Gesetz an (Rentenreform) und bewegt sich dabei auf einer Ebene mit Finanzminister Luc Frieden, dem das Gesetz nicht weit genug geht. Mersch zweifelt ebenfalls an der Wachstumsprognose von drei Prozent, die der Gesetzentwurf zugrunde legt.

Sozialversicherung

„Das Problem“, meint Mersch „liegt darin, dass die Einnahmen der Sozialversicherung derzeit einen Überschuss verzeichnen. Dieser Überschuss maskiert das Problem. Reformen scheinen aus dieser Situation nicht nötig zu sein. Um so weiter zu wirtschaften wie bisher, meint Mersch, brauche Luxemburg in 30 Jahren eine Million Beitragszahler für die derzeitige Bevölkerung von etwa 500.000, um die Renten zu sichern. „Diese Zahlen zeigen die Bedeutung des Problems. Diese Realität muss man heute sehen.“

Zu dem in Luxemburg praktizierten Index-System meint Mersch realistisch differenziert: "Am effizientesten wäre es, den Index abzuschaffen. Es ist aber sehr schwierig, der öffentlichen Meinung zu erklären, dass es möglich ist, über ein Verhandlungssystem den durch die Inflation erlittenen Kaufkraftverlust auszugleichen bei gleichzeitiger Abschaffung des Index. Es ist beunruhigend, dass Luxemburg seit der Einführung des Euro bei den Lohnstückkosten Griechenland überholt hat wie auch alle anderen Länder, die sich derzeit in erheblichen Schwierigkeiten befinden. Die Lohnstückkosten sind einer der wichtigsten Indikatoren bei der Bewertung der Wettbewerbsfähigkeit." - "Luxemburg", wird Mersch in La Libre Belgique zitiert, "erfährt seit geraumer Zeit im Vergleich zu seinen Nachbarländern eine Verschlechterung seiner Wettbewerbsfähigkeit".

(Helmut Wyrwich / Tageblatt.lu)

  • Fernand am 13.02.2012 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Alt erëm een deen aus engem gutt Finanziel ofgesëcherten Schützegruef op eist Sozialsystem ballert. Pfui Här Mersch.

  • Schroeder Ed. am 13.02.2012 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Dat ass jo fantastech wéi weit dass den H-Mersch mat dem Patronat an de Politiker an Zukunft kenne kucken,komesch dass si net viraus gesinn hun wat D'Banken gespillt hunn,do woren Millarden kéi Problem,den Index Paien an D'Renten vun déine klenge Leit dreiwen D'Land an de Ruin,macht iech net lächerlech,dir mat éirern super Gehälter dir wesst guer neischt vun der Réalitét dobaussen,

  • Nic am 13.02.2012 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Domaden gewennt en hei am Land keng Wahlen. Reischt wann den Iesel neischt mei ze friessen huet get en futti Bei den Grieschen hun se schon ze lang geward.Onsen Politiker fehlt et u courage. Sou gur Metten ander Krisis jeitzen Letzebuerger fir emmer méi an méi,,,,,sos ges de net gewielt oder du ges dohi gescheckt wou de Peffer wiest.Gant Welt weist mam Fanger op Letzebuerg a warnt dass wa mer sou weider furen,,,,Wär Gold neischt Wert geif vun Fehlspekulatioun geschwat gin.Lo as dat hieren enzegen Auswee vun Hoffnung dei net mei Besteed -