Jean Kuffer arbeitete seit 1976 für den Geheimdienst. Er wurde als Kommunikationsexperte aus der Post rekrutiert. Die Geheimen setzten ihn neben seiner Tätigkeit als Abhörspezialist als einen von drei Agentenführer im Luxemburger Stay Behind-Netz “Le Plan” ein. “Ich hatte bis zu acht Menschen unter mir. Sie fungierten als Funker und Schleuser. Entsprechende Übungen fanden im Grenzgebiet statt,” erklärte Kuffer am Montag vor Gericht. Es ging dabei hauptsächlich um In- und Exfiltration von Leuten aus dem In- und Ausland. Dies passierte zu Fuß oder auch aus der Luft.

Richterin Conter und die Verteidigung waren natürlich sehr an Kuffers Ausbildung in Großbritannien interessiert. “1977 hatte ich einen einwöchigen Kurs in Großbritannien. Dort wurde uns alles gezeigt. Fallschirmspringen, Küstenanlandung. Landeplätze mit Taschenlampen anlegen. Wir lernten auch, wie man anhand der Länge von Funkantennen auf einem Kriegsschiff die richtige Funkfrequenz des Schiffes herausfand. Bei dem Training lernten wir aber hauptsächlich Infiltration und Informationsbeschaffung. Wir bekamen auch Sprengtechniken gezeigt.”

“Wertvoll”

Die Verteidigung (Lydie Lorang und Gaston Vogel) bombadierten den Zeugen mit zahlreichen Fragen. Darunter ein Schreiben des Geheimdienstes über eine Ausbildung bei den Britten aus dem Jahr 1977. Darin finden sich Kürzel wie GG und HH. Kuffer: “Das war mein Abschlussbericht von dem Training. Mit HH war ich gemeint, GG war Charles Hoffmann (späterer Srel-Direktor). Er dementierte vor Gericht immer wieder, dass Mitglieder des “Plan” eine Ausbildung im Schießen und Sprengen bekamen. “Unsere Leute wären im Kriegsfall die einzige Verbindung nach Luxemburg gewesen. Sie waren für uns sehr wertvoll. Wir haben nie mit ihnen mit Explosivstoffen geübt. Sie lernten Kartenlesen, Funken, Exfiltration und Landungen von Flugzeugen.”

Anwalt Gaston Vogel waren die Antworten des Zeugen zu lapidar. Er sieht nach wie vor eine Verbindung zur Nato. Kuffer wies dies immer wieder zurück und unterstrich vor Gericht: “Alle zwei Jahre war ein anderes Land im Vorsitz vom Allied Clandestine Committee, kurz ACC, von Stay Behind. Ich bekam von dort Briefe. Vom Shape bekam ich nie etwas. Laut Kuffer war über das ACC alles strengstens in der Geheimorganisation geregelt. Eigens darfür gab es neun Dienstvorschriften. Sie mussten penibelst eingehalten werden.
„Spannungen“

Schredderaktionen

“Alle Übungen mussten genau schriftlich festgehalten werden. Es war ein Riesenaufwand. Fuhren wir mit einem Stay Behindler zu einer Schleuserübung, fuhren wir Umwege von bis zu drei Stunden. Wir wollten ja nicht, dass die Leute aufgedeckt werden,” betonte Kuffer vor Gericht. Nach der Auflösung von Stay Behind 1990 verschwanden zahlreiche Unterlagen spurlos. Von Schredderaktionen ist die Rede. Kuffer will sich an keine solche Aktion erinnern. “Ich habe immer nur meinen Papiermülleimer einmal die Woche geschreddert.”

Kuffer sprach allerdings bei der Auflösung des geheimen Netzes zwischen 1990 und 1991 von “Spannungen” in der Politik. Er nennt den damaligen Premierminister Jacques
Santer und spricht von “Leuten im Dienst”. “Sie müssen wissen, damals 1990 war bei uns viel los,” versucht Kuffer zu erklären. Brisant ist, dass der spätere Srel-Chef Marco Mille in einer Notiz von Schredderaktionen unter seiner Führung sprach. Am Dienstag geht die Anhörung von Jean Kuffer weiter. Auch die Agentenkollengen Guy Wagner und Pierre Schiltz müssen aussagen.

fo/Tageblatt.lu