Für Luxemburg klingt es wie ein Datenschutz-Supergau. Russische Hacker zeigen auf einer Homepage Live-Bilder tausender ungeschützter Webcams von Privathaushalten und öffentlichen Überwachungskameras. Die Streams stammen vor allem von IP-basierten Webcams, die beispielsweise als Teil von Sicherheitssystemen eingesetzt werden.

So hatte man bis Montagabend Zugriff auf 16 private und öffentliche Kameras in Luxemburg. Darunter fällt auch zum Teil das Überwachungssystem der Polizei in der Stadt. Neben dem Aldringer war auch das rege Treiben am Hauptbahhof zu beobachten. Seit Dienstagmorgen sind die Seiten über Luxemburg nicht mehr abrufbar.

Keine Ahnung

Die Betreiber unter anderem in Luxemburg machten es dem Täter wohl sehr einfach. In einem Interview mit dem britischen Fernsehsender BBC gibt der Mann an, die Webcams “nicht gehackt” zu haben. Er habe mit einfachsten Mitteln zugreifen können, da die meisten Nutzer die Standardpasswörter nicht geändert hätten. Tatsächlich war der Zugang zu den Webcams in Luxemburg meisten mit dem Passwort 1234 “geschützt”. Dies wird unter den Live-Bildern auf der Seite des Hackers gezeigt. Hier muss man sich jetzt natürlich die Frage stellen, wie schlecht war oder ist der Zugang neben den privaten Cams zu öffentlichen Überwachungskameras in Luxemburg gesichtert.

Die nationale Kommission für den Datenschutz arbeitet bei dem Thema mit der Polizei zusammen, heißt es knapp am Dienstag. Auf jeden Fall sollte man eine Anzeige bei der Polizei erstatten, sagt Tom Kayser von der Datenschutzkommisssion gegenüber Tageblatt.lu. Man verweist darauf, dass die Chefin, Tine Larsen, sich gerade im Ausland befindet. Darum könne man auch nicht mehr dazu sagen. Ganz andere Reaktionen kommen aus Großbritannien am Wochenende: “Das ist eine Bedrohung, die alle von uns betrifft und gegen die wir uns schützen müssen.” Überwachungskameras seien “sehr praktisch, wenn man sehen will, ob es dem Kind gut geht oder ein Laden sicher ist – aber jeder andere kann darauf zugreifen, wenn man kein starkes Passwort wählt”, warnte der oberste britische Datenschützer Christopher Graham.

Warnung auf Facebook

Polizeisprecher Daniel Back: “Wir haben derzeit keine Kentnisse darüber. Wir greifen auf Kameras der Stadt Luxemburg zurück und betreiben eigene. Unsere Überwachungskamera am Aldringer ist seit 15. September abgeschaltet.”

Auf Facebook gab es bereits seit Anfang November Warnungen, dass in Luxemburg Webcams geknackt wurden. Die Behörden schweigen – bis heute.

fo/Tageblatt.lu