Nach einem verheerenden Doppelanschlag auf Schiiten im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan wollen Anführer der Minderheit deren private Milizen wiederbeleben. Die Regierung müsse die beiden Bürgerwehren im Stammesgebiet Kurram wieder zulassen, forderte Schiitenführer Mansab Ali Bangash am Sonntag. Sie waren 2007 gegründet worden, mussten ihre Arbeit nach einer Vereinbarung mit dem Militär 2010 aber einstellen.

Nach Angaben eines zweiten Schiitenführers namens Haji Hamid Hussain stieg die Zahl der Opfer des Anschlags vom Freitag in dem Ort Parachinar in Kurram auf 63. Außerdem waren die beiden Selbstmordattentäter ums Leben gekommen. Haji sagte, seit dem Anschlag habe das Militär seine Präsenz in der Region verdoppelt. Dennoch hätten die Menschen Angst. Zu dem Anschlag kam es kurz vor der Präsidentenwahl in Pakistan an diesem Dienstag.

Kurram als Ziel

Kurram ist als einziges der sieben halbautonomen Stammesgebiete an der afghanischen Grenze mehrheitlich schiitisch. Extremistische Sunnitengruppen aus den umliegenden Stammesgebieten greifen die Schiiten dort immer wieder an. “Wir sind belagert”, sagte Bangash. “Wir wollen, dass unsere Freiwilligen für Sicherheit sorgen.” Die beiden Bürgerwehren hatten sich in Anlehnung an Vorbilder im Libanon und im Irak Hisbollah und Mehdi-Miliz genannt.

In den vergangenen Jahren wurden nach inoffiziellen Schätzungen mehr als 2000 Schiiten in Kurram getötet. Auch andernorts in Pakistan werden Schiiten immer wieder zum Anschlagziel. Zu dem Anschlag vom Freitag bekannte sich die Extremistengruppe Ansarul Mujahideen. “Schiiten sind Feinde des Islams und wir werden sie weiterhin angreifen”, sagte ein Sprecher der Gruppe. Schiiten stellen etwa 20 Prozent der mehr als 180 Millionen Pakistaner.

Bei einem US-Drohnenangriff im Stammesgebiet Nord-Waziristan wurden am Sonntag mindestens sechs mutmaßliche Extremisten getötet. Das unbemannte Flugzeug habe zwei Raketen auf einen Konvoi abgefeuert, der von Afghanistan aus über die Grenze in die Hochburg von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern fuhr, hieß es aus pakistanischen Geheimdienstkreisen.

Angriff auf Sicherheitskräfte

Ein Sprecher der paramilitärischen Grenztruppen sagte am Samstag, bei einem nächtlichen Angriff von mehr als 100 Extremisten auf eine Stellung der Sicherheitskräfte in der nordwestlichen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa seien zwei Soldaten getötet worden. Auch zwei der Angreifer seien bei dem Gefecht im Bezirk Hangu ums Leben gekommen.

Bei einem Angriff auf einen Posten der Küstenwache in der südwestpakistanischen Provinz Baluchistan wurden am Samstag sieben Angehörige der Sicherheitskräfte getötet. Fünf weitere seien verwundet worden, zwei würden seit dem Angriff im Bezirk Gwadar vermisst, sagte ein Sprecher der Küstenwache. In Baluchistan sind Separatisten- und Talibangruppen aktiv.

dpa/Tageblatt.lu