Kurz vor der möglichen Wiederaufnahme von Zypern-Gesprächen steuert die international isolierte Türkische Republik Nordzypern auf eine Stichwahl um das Präsidentenamt zu. Nach ersten Teilergebnissen lag am Sonntagabend Amtsinhaber Dervis Eroglu mit gut 28 Prozent der Stimmen zwar vorne, wie der staatliche Sender BRT berichtete. Die für einen Sieg in der ersten Wahlrunde nötige absolute Mehrheit würde Eroglu damit aber weit verfehlen.

Dicht hinter Eroglu lag mit knapp 27 Prozent der frühere Bürgermeister des türkischen Teils Nikosias, Mustafa Acinci. An dritter Stelle folgte Parlamentschefin Sibel Siber mit knapp 23 Prozent. Knapp 177.000 Wahlberechtigte im Nordteil der geteilten Mittelmeerinsel waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Kurz vor Schließung der Wahllokale lag die Beteiligung laut BRT bei rund 54 Prozent. Eine Stichwahl ist für kommenden Sonntag geplant.

Nur von der Türkei anerkannt

Die 1983 proklamierte Türkische Republik Nordzypern wird nur von der Türkei anerkannt. Der Präsident bestimmt den Chefunterhändler für die derzeit ausgesetzten UN-Verhandlungen mit dem griechisch-zyprischen Süden. Ihr Ziel ist es, die Teilung der Insel zu überwinden. Der nordzyprische Außenminister Özdil Nami hatte kürzlich gesagt, er erwarte im Mai eine Wiederaufnahme der Gespräche. Sie sind seit Oktober wegen eines Streits um Gasvorkommen vor Zypern ausgesetzt.

Zypern gehört seit dem 1. Mai 2004 zur Europäischen Union. Das EU-Recht gilt aber bislang nur im griechisch-zyprischen Süden der Mittelmeerinsel. Die Teilung geht auf das Jahr 1974 zurück, als türkische Truppen auf der Insel landeten, um einen befürchteten Anschluss an Griechenland zu verhindern.

Tageblatt.lu/dpa