Ende November 2016 veranstaltete die zivilgesellschaftliche Initiative „Oppent Haus“ ihre erste Informationsversammlung im Hariko in Bonneweg. Das Ziel der Initiative besteht in erster Linie darin, junge Geflüchtete und einheimische Haushalte zusammenzuführen. Im besten Fall findet der Geflüchtete am Ende der Zusammenkunft ein neues Zuhause bei einer Familie.

45 Mal sei eine solche Zusammenkunft in den vergangenen sechs Monaten geglückt, sagt Pascal Clement, der vor rund zehn Monaten „Oppent Haus“ zusammen mit Marianne Donven und Frédérique Buck ins Leben gerufen hat. Trotzdem zähle man immer noch rund 235 „Interessierte“, die noch keine Familie gefunden haben.

Zu den letzten Informationsversammlungen seien immer mehr Flüchtlinge und immer weniger Familien gekommen. Deshalb habe man damit begonnen, nur noch Einheimische zu den Veranstaltungen einzuladen, um potenzielle Aufnahmehaushalte nicht gleich abzuschrecken. Doch selbst dann hätten noch um die 20 Flüchtlinge vor der Tür gewartet, in der Hoffnung, als Erster mit den Familien in Kontakt zu kommen, erzählt Pascal Clement.

Logistische Hilfe

Da aber die Zahl der interessierten Haushalte im Laufe der Zeit abgenommen hat, habe „Oppent Haus“ beschlossen, einen Aufruf an die Gemeinden zu starten, um sie um logistische Hilfe zu bitten. „Gemeinden haben mehr Möglichkeiten. Schon alleine, um Einladungen an potenzielle Interessenten zu verschicken“, erklärt Clement. Nach und nach hätten verschiedene Kommunen sich gemeldet und so seien drei Termine in Esch, Mersch und Diekirch zustande gekommen. Auch die Stadt Luxemburg habe Interesse gezeigt, Infoveranstaltungen in den einzelnen Vierteln der Hauptstadt sollen folgen.

In der Hauptsache gehe es weiterhin darum, Familien zu finden, die einen Geflüchteten bei sich zu Hause aufnehmen wollen. Vor allem ältere Menschen, die alleine in einem großen Haus wohnen, sollen angesprochen werden. Die Erfahrungen der letzten Monate hätten gezeigt, dass solche Begegnungen durchaus für beide Parteien fruchtbar sein können, erläutert Pascal Clement: „Ältere Menschen haben uns erzählt, dass sie durch das Zusammenwohnen mit einem Flüchtling ein neues Ziel in ihrem Leben gefunden haben. Sie kochen wieder, was sie vorher alleine nicht mehr getan haben.“

Doch nicht alle Flüchtlinge wollen bemuttert werden. „Manche haben sich bereits ein soziales Netzwerk aus Freunden und Bekannten in Luxemburg aufgebaut und suchen nur eine Wohnung, in der sie unabhängig leben können“, sagt Clement. Bevor es zu einer Aufnahme kommt, veranstaltet „Oppent Haus“ daher mit beiden Parteien ein ausführliches Gespräch, bei dem jeder seine Erwartungen an den anderen frei äußern kann. Auch nach einer erfolgreichen Vermittlung bleibt die Initiative die erste Anlaufstelle, falls es zu Problemen kommen sollte.

Tageblatt.lu/LL