Leitartikel

15. September 2012 10:47; Akt: 15.09.2012 10:56 Print

Von der Cosa Nostra lernen ...Von der Cosa Nostra lernen ...

von Francis Wagner - ... heißt obszön reich werden lernen. Diese Einsicht zumindest scheint uns der Lebensweg des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney zu lehren.

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Nach unserem letzten Romney-kritischen Artikel hatte uns ein in den USA lebender, luxemburgischstämmiger Fan des Obama-Gegners auf tageblatt.lu schwer angepflaumt und uns einen angeblich echten Brief (er muss – this being America – echt sein, weil er so grotesk schmalzig ist) gemailt, in dem ein mittelständischer Unternehmer seinen Mitarbeitern mit viel Tremolo beschreibt, wie der Bolschewist Obama God’s own Country unaufhaltsam in den Ruin treibt.

Der Mann beklagt sich, dass die 288.000 Bucks, die er vierteljährlich an den Fiskus überweisen muss, im „Washington black hole“ versinken.

Dieser Kitsch illustriert den fundamentalen Tea-Party-Shtick: Steuern sind grundsätzlich Raub. Dass in einem ordentlich geführten Gemeinwesen Steuern für gewöhnlich dazu dienen, öffentliche Infrastrukturen zu schaffen, von denen nicht zuletzt die Unternehmen die großen Nutznießer sind, dieser Evidenz verweigern sich die Teeparteimullahs mit größter Konsequenz. Dabei kann eine Nation ohne ein hinreichend ausgebautes System von Schulen, Krankenhäusern oder Verkehrswegen langfristig auch keinen hinreichenden wirtschaftlichen Erfolg haben. Was wohl hilft, zu erklären, wieso die Produktivität der US-Arbeitnehmer jener ihrer Kollegen aus den kommunistisch unterjochten EU-Ländern immer noch hinterherhinkt, obwohl sie längere Stunden arbeiten, weniger Urlaub nehmen und bescheidener verdienen als die Europäer.

Mit der Beute über alle Berge

Indes: Wer ist schon motiviert, hochwertige Arbeit abzuliefern, wenn er weiß, dass in seinem Land die Reichen immer reicher werden, während Joe Sixpacks Lebensstandard kontinuierlich sinkt, nicht zuletzt, weil zu allem Überfluss die Sozialversicherungen für breite Bevölkerungsschichten allenfalls Drittweltniveau erreichen.

Die borniert staatsfeindliche Ideologie der Tea-Party-Bewegung ist zutiefst asozial: Hier hat man mit Menschen zu tun, die den nackten Egoismus zur alleinigen Triebfeder ihres Denkens und Handelns erhoben haben.

Und nun endlich zum Titel der heutigen Predigt: In seiner jüngsten Ausgabe der Zeitschrift Rolling Stone beschreibt der Journalist Matt Taibbi, wie Mitt Romney seine Millionen gescheffelt hat*.

Das dabei verwendete Verfahren wurde interessanterweise von der Cosa Nostra erfunden, einer philanthropischen Vereinigung, die einige der bedeutendsten Unternehmerpersönlichkeiten der USA hervorgebracht hat: Al Capone, Lucky Luciano, Meyer Lansky oder Vito Genovese, um nur einige ihrer Vorzüglichsten und Verdienstvollsten zu nennen. Bei einem „Bust Out“ übernehmen die Mobster z.B. ein Restaurant oder ein Wirtshaus und ordern im Namen dieses Unternehmens Waren à gogo. Wenn die Rechnungen fällig werden, verschwinden sie mit der Beute und fackeln die Bude ab.

Auf Basis dieses Modus Operandi funktionieren Finanzhaie wie Bain Capital, bei denen Romney seinen Mammon gescheffelt hat. Mit Krediten von Goldman Sachs z.B. sackt man ein kränkelndes Unternehmen ein, bürdet diesem selbst die zu seiner eigenen Übernahme gemachten Schulden auf und saugt anschließend alle verfügbaren Liquiditäten aus der Firma heraus.

Dies meist unter dem fadenscheinigen Mickymaus-Vorwand sogenannter Management- und Beraterhonorare. Das Takeover-Opfer geht anschließend „belly up“ und die „onorevoli Consiglieri“ (der Consigliere – wortwörtlich übersetzt „Consultant“ – ist übrigens ein altehrwürdiger Rang in der Mafia-Hierarchie) machen sich mit der Beute aus dem Staub.

Romney, der hysterisch wird, sobald er das Wort „Staatsschulden“ hört, hat also seine Millionen in erheblichem Umfang mit der von seiner Firma willentlich herbeigeführten Überschuldung anderer Unternehmen „verdient“. Tausende Arbeitsplätze fielen dieser zügellosen Habgier zum Opfer. Das ist in den USA (aber nicht nur dort) völlig legal. Ob indes jemand, der so agiert, das moralische Format zum US-Präsidenten hat, sollte man doch aber füglich bezweifeln dürfen.

* www.rollingstone.com/politics/news/greed-and-debt-the-true-story-of-mitt-romney-and-bain-capital-20120829?print=true

  • Leon PESCHE am 15.09.2012 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Wagner, Sie vergleichen Erbsen und Birnen: Das Leben kostet in den USA ungefähr die Hälfte von Europa, speziell in Luxemburg! Oder bekommt man eine Baustelle, von ~50 Aar mitt 72 Meter Seefront noch für 600 EUR/Aar (10m x10m) und das Pfund Hummer fuer 4,6 EURO? Benzin: 0.80 EUR/L. Gescht war ech ob Boston, mat menger Corvette: "average fuel over 357 KMS: 8.4L/100Km? (di amerikanesch Bensinsfresser?) Ech si kee Schnuddler, 02/04/1942 zu Lëtzebuerg gebuer, ënnert dem Adolf senger Herrschaft am neutrale Grand Duché.

    • Claude am 16.09.2012 12:14 Report Diesen Beitrag melden

      Jo wann ee mat enger Lëtzebuerger Pensioun an d'USA geet, ass et einfach schwätzen net.

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  • Lincoln am 15.09.2012 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    Et ass sch*egal wien do Präsident gëtt, et ass just eng Marionette, déi vun extrem aflossräiche Konzernkreeser a sonstegen douteusen Eminences grises ferngesteiert gëtt. Si si souwisou Faillite an dat wëssen se och. Si erwaarden och Revolten, dofir huet Homelandsecurity esouvill Munitioun bestallt fir all Amerikaner 2,5-mol ze erschéissen.

  • Django am 15.09.2012 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nett ze vergiessen, dass dé Bruder do och Mormone ass. Dat heescht, dén ass komplett matsch an der Biir. Hoffentlech bleiwt dén der Welt erspuert !

    • otto kritter am 15.09.2012 19:06 Report Diesen Beitrag melden

      Liberty an Django...lieber einen Mitt Romney als eine verlogene politische Oberschicht in Europa, Vatican eingeschlossen...Wer zu faul ist zu arbeiten...der soll sehen, wo er bleibt. Die sozialen Aufwendungen für Asyl/Wirtschaftsasyl. ist ein Hohn gegenüber denen, die Europa nach dem 2.Weltkrieg aufgebaut haben. Ein Dutraux wäre ex. in den USA.

    • Hausemer am 16.09.2012 12:16 Report Diesen Beitrag melden

      @ otto kritter Wissen Sie, wenn es Ihnen in den USA so gut gefällt, 6 Stunden mit dem Flugzeug zur Ostküste...

    • Leo der Loewe am 16.09.2012 16:52 Report Diesen Beitrag melden

      Darum, nur 45 Einwohner/Quadrat KM, also fast 150 weniger als in Luxemburg? NH 85% Mischwald und Seen. Und viel freundlichere Menschen und weniger gehetzt als in Europa! Fast jeder gruesst jeden. Wenn sie mal einen Plattfuss am Auto haben, halten Polizei und Buerger an, um ihnen zu helfen. Hier in NH ist die Polizei noch "Dein Freund und Helfer". Die Polizei ist toleranter und sehr freundlich. In 32 Jahren , wo wir nach USA kommen sind, hab ich einen Ticket bekommen fuer speeding. 65MPH anstatt die Limit von 35 MPH. Weil es ein Versehen war von mir und ich mich entschuldigt habe, bekam ich 50% Rabatt.

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