Leitartikel

06. Januar 2012 06:12; Akt: 06.01.2012 06:21 Print

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von Tom Wenandy - Jeder, der sich in den vergangenen Jahren ein Heimspiel der Luxemburger Fußballnationalmannschaft angesehen hat – ob teilweise oder ganz, ob vor Ort im Stadion oder auch im Fernsehen –, wird sich zweifelsohne der Tatsache bewusst geworden sein, dass die "Sportarena" an der Arloner Straße den Anforderungen eines modernen Fußballstadions nicht mehr gerecht wird. Die Rufe nach einer neuen Sportstätte sind demnach durchaus verständlich.

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Sicherlich ist Luxemburg in Sachen Fußball trotz vielversprechender Ergebnisse in der jüngeren Vergangenheit immer noch ein Fußballzwerg.

Und es stimmt, dass die Zahl der Zuschauer bei Länderspielen, sagen wir mal, überschaubar ist. Die vielfach geäußerte Kritik, dass es für die paar Fans keines neuen Stadions bedürfe, ist denn auch bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehbar. Aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Denn einerseits – werden Fußballanhänger nun behaupten – ist die derzeit limitierte Zuschauerzahl auf eben die dürftige Infrastruktur zurückzuführen. Mit einem neuen Stadion wird sich dies ändern, sind sie überzeugt.

Andererseits sollte nicht jede staatliche Investition zwangsläufig immer nur einer Mehrheit zugute kommen. Ein großer Teil der hiesigen Bevölkerung, um nur ein Beispiel in diesem Zusammenhang anzuführen, hat bislang sicher die Philharmonie, das Mudam oder andere kulturelle Einrichtungen noch nicht besucht. Und wird dies (bedauerlicherweise) vielleicht auch nie tun. Deshalb aber zu behaupten, Luxemburg solle sein Geld nicht in Kultureinrichtungen investieren, ist eine zu simplistische, unsolidarische und vor allem falsche und darum auch gefährliche Argumentation. Auch wenn das Mudam kein Fußballstadion ist, kann unter dem Strich das gleiche Argument angeführt werden.

Was aber wiederum auch nicht bedeuten soll, dass man bei solchen Einrichtungen Sinn, Zweck und Preis völlig außer Acht lassen sollte. Zumal in Zeiten, wo es um die Finanzen nicht unbedingt zum Allerbesten steht.

Nach wie vor untragbares Projekt

Konkret: Auch wenn man nun zu dem Schluss kommt, dass Luxemburg ein neues, modernes Fußballstadion braucht, muss das nicht heißen, dass man für das Liwinger Projekt ist. Dieser Standort bzw. dieses Projekt ist nämlich – auch wenn es nun nach den jüngsten Ankündigungen irgendwie, irgendwo verkleinert werden soll – immer noch nicht nachvollziehbar bzw. untragbar. Auch und vor allem politisch.

Denn auch in einer abgespeckten Version werden zahlreiche der in den letzten Monaten aufgeworfenen Fragen nicht beantwortet, die entsprechenden Probleme nicht gelöst. Zwar sollte man nicht vorschnell urteilen, doch ist es nur schwer vorstellbar, wie dieses (neue) Projekt aus landesplanerischer, wirtschaftlicher und umweltschützerischer Sicht verträglich werden könnte. Die Position der Regierung, an diesem Projekt um jeden Preis festhalten zu wollen, ist deshalb in keinster Weise nachvollziehbar.

Es wurde zwar (auch und vor allem vor den verantwortlichen Parlamentsausschüssen) viel geredet, erklärt, beschwichtigt, sogar theatralisch aufgeregt wurde sich, um zu beweisen, dass die Regierung mit dem Projekt Liwingen ja nur das Beste für das Land und seine Bürger will. Und weil die Regierung ja auch die "vox populi" (irgendwie) respektiert, hat sie den Bauunternehmer freundlichst gebeten, sein Projekt zu überarbeiten und die Verkaufsfläche doch bitte, bitte zu reduzieren.

Das Problem ist nur: Überzeugen konnten die politisch Verantwortlichen von dem Projekt kaum jemanden. Damit bleibt ein bitterer Nachgeschmack und somit der Verdacht, dass an dem Ganzen doch irgendwie etwas "faul" zu sein scheint (von der "Kumpanei" zwischen Politikern und Unternehmern mal ganz abgesehen).

Ob mit mehr oder weniger Verkaufsfläche in Liwingen, es bleibt dabei: Wenn ein nationales Fußballstadion gebraucht wird, dann soll dieses gebaut werden. Und zwar vom Staat. Ohne private "Sponsoren", ohne Outlet. Im Respekt der geltenden Gesetze, in voller Transparenz. Der Staat darf verschiedene Projekte oder Bereiche einfach nicht aus der Hand geben und sich selbst damit in eine Position manövrieren, in der er sich selbst zum einflusslosen Handlanger des privaten Kapitals degradiert.

Und wenn momentan das Geld fehlt, sollte man ganz einfach so vorgehen, wie man das bei anderen Projekten,die von (fast) größerer Bedeutung als ein Fußballstadion sind (wie zum Beispiel Schulen), tut, und sie zeitlich (leicht) versetzt bauen.

Oder laufen etwa bereits Verhandlungen, um die fehlenden Sekundarschulen von privaten Investoren errichten zu lassen? Vielleicht inmitten eines Luna- und Freizeitparks? Damit sich das Ganze auch rechnet.

Kommentare (2 Kommentare)
  • Ha Ha
    Muenchen - Koeln - Hamburg - Hannover - usw.nirgends ist ien Shopping-Center im und beim Stadion. Wo oder Wer kommt auf diese idee dass ein Stadion nur sein kann wenn ein Outlet oder wie auch immer dabei sein muesste.
    von: Nico am: 07.01.2012 10:20
  • Fussball oder Akaafen, dat ass hei d'Fro
    D‘Fro ass jo ob mer eng Akaafsgalerie wëllen, wou een hannendrun Fussball spillen kann, oder wëllen mer en Fussballstadion deen och am Dag benotzt gëtt wëll en z. Bsp an der Géigend vun enger Schoul leit. Dann kéint den INS och nach dohin goen, esou dat een en Sportssite huet, deen iwwert den Dag och am Betrib ass an net nëmmen fir all dräi Méint ze gesinn, wéi eis Spezialisten ënnerginn. Dem Kollwelter seng Proposen waren net vun der Hand ze weisen, méi wat eisen Politiker net passt, dierf eben och net sinn.
    von: ReSo am: 06.01.2012 07:41
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