Seit den 1960er Jahren wurde darüber diskutiert, 1995 schließlich wurde die Großregion offiziell gegründet. 22 Jahre später ist sie in weiten Teilen immer noch eine Baustelle. Und mit der Territorialreform in Frankreich sind die Herausforderungen nicht kleiner geworden.

Anfang Januar hat Luxemburg turnusmäßig für zwei Jahre die Präsidentschaft der Großregion übernommen. Anlass genug für eine Interpellation im Parlament, fand die CSV, die gestern mit Jean-Marie Halsdorf einen „Ancien“ an die Front schickte. Der frühere Innenminister und Minister für die Großregion zog dabei eine kritische Bilanz. Über die Stahlindustrie habe man in der Großregion zwar gemeinsame Wurzeln, ein echtes Gefühl der Verbundenheit fehle aber noch allzu oft. In über 40 Arbeitsgruppen sei zwar viel Kompetenz gebündelt, die Arbeit bringe am Ende aber wenig „Plusvalue“. Wenn man ehrlich sei, müsse man sich eingestehen, dass „die Bürger bislang nicht viel von der Großregion profitiert haben“, stellte Halsdorf fest. Für Luxemburg sei die Region vor allem die Erweiterung seines Beschäftigtenreservoirs, fand Marc Baum („déi Lénk“).

„Nahe am Bürger“

So wie die Großregion mit Luxemburg als Anziehungspol funktioniere, führe sie zu einer sozialen und ökonomischen Schieflage zwischen den beteiligten Teilregionen. Dass es in der Großregion neben vielen Gemeinsamkeiten auch Konkurrenzdenken gebe, räumte auch Roberto Traversini („déi gréng“) ein. Die Großregion den Bürgern näherbringen, dies sei auch der zentrale Punkt der luxemburgischen Präsidentschaft, betonte Ressortministerin Corinne Cahen (DP).
Dabei setzte man vor allem auf die Jugend und die Zweisprachigkeit als verbindendes Element. Geplant sind u.a. Projekte mit direkter Bürgerbeteiligung, ein Jugendparlament und Austauschklassen. Auch sollen die über 20 Unesco-Kulturgüter der Großregion miteinander vernetzt werden.

Léon Marx