Das „Spaghettimonster“ greift um sich. Nachdem Vox.com dem neuen Liniennetzplan der hauptstädtischen Busse den Titel „Der schlechteste Busplan der Welt“ (Link) verliehen hat, ist „der Haufen Würmer“ in aller Munde. Vox-Autor Todd VanDerWerff beruft sich dabei vor allem auf das schlechte Netz-Design: es sei „ein Knoten, der nicht entwirrt werden kann“ und man habe den Eindruck, dass die Luxemburger Busse „permanent gegeneinander prallen“.

Wie Lex Bentner von der AVL vor zwei Wochen in einem Radiointerview erklärte, haben die ersten Arbeiten an der Umstrukturierung des Busnetzes schon vor Jahren begonnen. In den letzten Monaten ist die Arbeit dann „konkreter“ geworden, man habe Details herausgefeilt. Schaut man sich den aktuellen Plan an, so vermisst man eben diese „Details“ jedoch schmerzlich.

Details, die sich auf einer inoffiziellen Karte, die der franco-serbische Architekt Jug Cerovic pünktlich zum 1. Juni im Netz präsentiert hat (Link), nun erfreulicherweise finden. Weniger rechtwinklige Abbeugungen, schlankere „Würmer“ und vor allem ein diskret als Wasserzeichen eingearbeitetes Referenzsystem von realen Straßen erleichtern die Orientierung auf dem Plan erheblich. Die aktuelle Karte als „den schlechtesten Busplan der Welt“ zu bezeichnen, findet der Architekt dennoch etwas übertrieben – es gebe bedeutend schlimmere Beispiele, wie etwa der Busplan von Dehli.

Wer hat das „Spaghettimonster“ verbrochen?

Auf unsere Nachfrage hin meint die für den Öffentlichen Transport zuständige Schöffin Sam Tanson, man habe sich bei der Umstrukturierung des Busnetzes prioritär auf das Abstimmen der Linien konzentriert – also darauf, dass im Transport ab dem 1. Juni alles klappt. Die Aufgabe, einen passenden Plan zu zeichnen, wurde an ein externes Büro vergeben.

Den Namen dieses Büros möchte Sam Tanson nicht bekannt geben: „Ich möchte niemanden an den Pranger stellen. Wenn ich den Namen des Unternehmens jetzt nenne, dann passiert aber genau das, weil die aktuelle Karte durch den Vox-Artikel und die Cerovic-Version derzeit so sehr unter Beschuss steht.“ Wie lange dieses Büro an der Karte des hauptstädtischen Netzes gearbeitet hat, wisse sie nicht genau, aber es könne sich nur um Monate gehandelt haben – da man ja an Cerovics Beispiel gesehen habe, dass so etwas nicht besonders lange dauert.

[Update: Sam Tanson reicht uns per Tweet die Information nach, dass das von der Stadt beauftragte Büro weniger als ein Monat an dem Buslinienplan gearbeitet hat Link zum Tweet]

Neue Linienkarten für Luxemburg?

„Die aktuelle Karte ist prima für jemanden, der sich in der Hauptstadt auskennt”, meint Sam Tanson, „allerdings könnte sie für jemanden, der nicht ortskündig ist, tatsächlich schwer zu lesen sein.“ Die Cerovic-Karte mit ihrem eingezeichneten Straßennetz biete schon deutliche Vereinfachungen in Sachen Lesbarkeit und Orientierung – ihr persönlich gefalle der Entwurf jedenfalls sehr gut.

„Wir schauen jetzt mal, wie wir aus dieser ‚Spaghettimonster-Sache‘ wieder raus kommen“, scherzt Sam Tanson und eröffnet, dass man Jug Cerovic zu diesem Zweck kontaktiert und auf ein Gespräch im Hinblick auf eine Kollaboration nach Luxemburg eingeladen hat. Je nachdem, welche Vorstellungen er bezüglich der Zusammenarbeit äußert, schließt Sam Tanson absolut nicht aus, dass seine Karte bald allen Bürgern zur Verfügung gestellt wird.

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lig