Der unabhängige Abgeordnete Jean Colombera will jetzt in einer parlamentarischen Anfrage wissen, weshalb der Namen dieses Mannes und seine Verdienste (bewusst) unterschlagen werden. Colombera wundert sich darüber, dass es in der Hauptstadt zwar eine nach ihm benannte Straße (boulevard Dr Charles Marx) gibt, dass man auf den Straßenschildern aber keinen Hinweis auf sein Lebenswerk findet. Und ebenso merkwürdig findet er, dass die einst nach ihm benannte Ettelbrücker Klinik, die Marx in den 30er Jahren aufgebaut hatte, zuerst seinen Namen trug und im Zuge des Kalten Krieges in Clinique Saint-Louis umbenannt wurde. Und stellt zum Schluss die etwas naive Frage, ob Dr. Charles Marx und seine Rolle bewusst totgeschwiegen werden, weil er Kommunist war.

Charles Marx. (Foto: Wikipedia.org)

Widerstandskämpfer

Charles Marx, geboren am 26. Juli 1903 in Luxemburg, war Mitbegründer der Sozialistischen Jugend, wurde aber im weiteren Lauf seines Lebens bekennender Marxist und Kommunist. Nach seiner Flucht vor den Nazis, die ihn in einem Abwesenheitsverfahren zu acht Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 2.000 Reichsmark verurteilen, trat er in Montpellier in die Résistence ein, wo er bis zur Befreiung verantwortliche Posten bekleidete. Er wurde kurze Zeit vor seinem Tod von De Gaulle mit der „Légion d’honneur“ ausgezeichnet.
Marx trat am 11. November 1945 als Kommunist in die Regierung von Pierre Dupong ein und übernahm das Amt des Gesundheitsministers.

Neue Wege

Er war es, der in diesen Jahren das verstaubte Gesundheitswesen in Luxemburg entrümpelte und neue Wege wie zur Zeit des „Front populaire“ in Frankreich einschlug. Die Medizin sollte nicht länger den Reichen vorbehalten werden, die Arbeiter sollten dieselben Rechte bekommen. Er blieb, wie er selbst immer betonte, ein „homme du terrain“, stieg in die Gruben zu den Bergleuten herab und informierte sich vor Ort über die Fron und die schwierigen Arbeitsbedingungen der Schmelzarbeiter.

Landesweite Anerkennung

Zusammen mit seiner ebenfalls politisch engagierten Frau Fernande, Mitbegründerin der „Union des femmes luxembourgeoises“ kam er bei einem mysteriösen Autounfall am 13. Juni 1946 in Südfrankreich ums Leben. Verschiedene Verschwörungstheorien, laut denen westliche Geheimdienste ihre Finger bei diesem Unfall im Spiel hatten, konnten nie restlos widerlegt werden. Bei der Beisetzung in Luxemburg, an der sich tausende Menschen beteiligten, fanden auch seine politischen Gegner, darunter Staatsminister Pierre Dupong, herzliche Worte der Anerkennung für die menschlichen Werte und das politische, wegweisende Engagement von Dr. Charles Marx.

Charles Marx wäre in diesem Jahr 110 Jahre alt geworden. Seiner gedenkt man heute nur noch in der Hauptstadt, in Ettelbrück und Esch/Alzette, wo Strassen nach ihm benannt wurden. Im französischen Quilan, wo Marx als Arzt gearbeitet hatte, gibt es immerhin ein „Espace Dr Charles Marx“.
Im Oktober dieses Jahres wird das neue Staatslabo in Düdelingen seiner Bestimmung übergeben. Was wäre es, lieber Gesundheitsminister Mars di Bartolomeo, wenn sie die Einrichtung nach dem Namen von Charles Marx, dieser berühmten Persönlichkeit benennen würden? Es würde Ihnen zu Ehre gereichen.

F.H. /Tageblatt.lu