Für den gebürtigen Düdelinger Armand Strainchamps ist es eine Herzensangelegenheit: Schon lange hatte er die Idee, jetzt konnte er sie endlich umsetzen. Und nun schmückt sein Werk „Mam Vëlo op d’Schaff“ den Gemeindeplatz seiner Heimatstadt.

Von Luc van den Bossche

Der 1955 geborene Künstler hat an der Brüsseler Kunsthochschule „La Cambre arts visuels“ studiert und war seit 1980 an mehr als 50 Ausstellungen beteiligt. In der Hauptsache ist er Maler und Bildhauer, hat aber auch im Film eine Ausdrucksform entdeckt. Und seit er 1994 die Decke des hauptstädtischen Bahnhofs neu gestaltet hat, arbeitet er immer wieder im öffentlichen Raum. „Das ist eine Herausforderung“, meint Strainchamps. Denn es sei nicht nur eine Abwechslung zur Arbeit im Atelier, man müsse auch mit den Stadtarchitekten zusammenarbeiten und Kompromisse akzeptieren können.

„Mam Vëlo op d’Schaff“ sei ein sehr persönliches Werk, erklärt der Künstler. Er hat sich an Kindheitserinnerungen inspiriert. „Jeder Düdelinger erinnert sich daran.“ Er meint damit die Arbeiter, die in den 60er-Jahren bei Schichtende und -anfang auf dem Fahrrad unterwegs waren. Zu ihnen gehörte auch sein Vater. „Es war ein faszinierendes Spektakel. Man musste fast zehn Minuten warten, bis sie alle an einem vorbeigezogen waren. Fast wie bei einem Rennen“, erinnert sich Strainchamps an die Szene zurück, die ihn tief geprägt hat.

Hier liegt auch ein Schlüssel zum Verständnis seiner Skulptur: Die vier Farben, die hier auftauchen, haben allesamt einen Bezug zur „Schmelz“. Das Blau erinnert an die Arbeitskleidung der Stahlarbeiter, während die Rot- und Gelbtöne Feuer und Stahl symbolisieren. Auch dass die zwölf drei Meter hohen Gestalten kaum voneinander zu unterscheiden sind, erklärt sich durch die Szene von damals. Denn da habe man auch den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen, so der 64-Jährige.

Das Werk sei aber nicht nur ein Denkmal für die Stahlarbeiter. „Auch heute ist es ja immer mehr in Mode, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu radeln. Nur dass das heute auf teuren E-Bikes geschieht, mit denen mancher wie mit einem BMW angibt. Früher hatten die Leute einfach keine andere Wahl.“ Dass diese Arbeit einen derart spezifischen Bezug auf eine konkrete Tatsache nimmt, ist ungewöhnlich für Strainchamps’ Schaffen. Normalerweise vermeidet er es sogar, seinen Werken Titel zu geben.

„Mein Stil hat sich über die Jahre natürlich entwickelt“, sagt der Künstler, „nichts ist gerade, nichts symmetrisch, die Details sind ohne Bedeutung.“ Er stellt sich gegen ein „akademisches“ Kunstverständnis. „Meine Gemälde sind gewollt subjektiv, die Leute sollen versuchen, sich hineinzudenken, jeder soll für sich etwas Eigenes darin sehen.“ Zum größten Teil konnte er seine Vision auch auf dem Düdelinger Rathausplatz umsetzen. Nur darauf, dass ein Wasserspiel ins Kunstwerk integriert wird, hat die Gemeinde bestanden. Aber solche Kompromisse ist er mittlerweile gewohnt und meint dazu nur trocken: „Gemeng oblige.“

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