In seiner Festansprache zum Nationalfeiertag bei der ersten zivilen Feier im Großen Theater richtete Großherzog Henri seinen Blick zunächst auf die Wandlungsfähigkeit Luxemburgs und auf das Zusammenleben verschiedener Kulturen. “Ich kenne kein Land in der westlichen Welt, das sich so spektakulär entwickelt hat, wie unser Luxemburger Land”, fasst Großherzog Henri zusammen.

Diese rasante Entwicklung belegen folgenden Zahlen: in 25 Jahren ist die Einwohnerzahl von 375.000 auf 500.000 gewachsen, die Zahl der Ausländer von etwa 100.000 (1989) heute auf 250.000. In der gleichen Zeit hat sich die Zahl der Arbeitsplätze verdoppelt, die Zahl der Grenzgänger hat sich versechsfacht. “Die großartige Wirtschaftsentwicklung wäre ohne die Leistung von all diesen Menschen nicht möglich gewesen”, betont Großherzog Henri.

Nation-Begriff nicht mehr zeitgemäß

Das bisher Erreichte stellt Luxemburg vor politischen Zukunftsfragen, sagt das Staatsoberhaupt: “Was soll aus unserem kleinen Staat werden, wie wollen wir mit den Menschen mit unterschiedlicher Herkunft zusammenleben und wie (ist) die Gesellschaft zu gestalten?”

Die Auffassung einer Nation vor allem über die ethnische Herkunft ihrer Bürger sei von der Wirklichkeit längst widerlegt worden: “In einem Land, in dem praktisch die Hälfte Nicht-Luxemburger leben und sie zwei Drittel der aktiven Bevölkerung ausmachen, macht das kein Sinn mehr.” Andererseits ist die Staatsbürgerschaft eine Mischung aus Rechten und Pflichten: “Man wird nicht als Bürger geboren, man wird es”, so Großherzog Henri.

Integration als Grundlage

Der Schlüssel für die Zukunft ist sich Großherzog Henri sicher, liegt “in einem Zusammenleben im Respekt der Integration der Ausländer”. Nicht nur im Sinne der Wirtschaft. Beide Seiten müssen aufeinander zugehen – “die die empfangen und die die sich integrieren wollen.”

Im Alltag finde man diese Verbundenheit zwischen Luxemburgern und Nicht-Luxemburgern- zwischen Einwohnern und Nicht-Einwohnern. Und auch Entwicklungen aus den letzten Jahren konnten in diesem “Zement, keine Risse” verursachen, freut sich Großherzog Henri.

Deshalb sein Appell für die Zukunft : Anerkennen, dass “gerade die Verschiedenheit ein Reichtum (darstellt).”

Tageblatt.lu