Noch rechtzeitig vor der allgemeinen Debatte zur Reform der Studienbeihilfen im Parlament in den kommenden Wochen hat das Aktionskomitee 6670 eine Umfrage über die Lebens- und Studienbedingungen der Studenten angefertigt. Die Ergebnisse wurden am Freitag vorgestellt. In die Auswertung flossen 1.636 Fragebögen von insgesamt 2.460 eingegangenen. Knapp 16.000 Studentinnen und Studenten hätten sich theoretisch an der Online-Umfrage beteiligen können. Teilnehmer waren hauptsächlich Studierende, deren Eltern in Luxemburg leben.

Aus den Ergebnissen geht hervor, dass sich die Höhe der Ausgaben je nach Studienort zum Teil stark unterscheiden. Am billigsten lässt es sich mit 840 Euro/Monat in Belgien studieren. Die Schweiz ist mit 1.440 Euro am teuersten. In Deutschland benötigen die Studenten durchschnittlich 900 Euro, in Österreich 1000 Euro, in Frankreich 1.070 Euro und in England/Wales 1.150 Euro im Monat. Der höchstmögliche Betrag der Studienbehilfe laut dem geplanten reformierten Gesetz liegt bei 18.500 Euro im Jahr. Gerade mal 0,2 Prozent der Studierenden würden diesen Maximalbetrag erreichen, hat das Aktionskomitee errechnet.

Das familiäre Umfeld

Interessante Angaben liefert die Umfrage auch über das familiäre Umfeld der Studierenden. So gaben 61 Prozent an, ihre Eltern hätten nicht studiert. Bei 22 Prozent war es nur ein Elternteil, bei 17 Prozent beide Elternteile. 73 Prozent hatte vor Studienbeginn das klassische Lyzeum besucht, 20 Prozent die technische Sekundarschule, 6 Prozent schlossen die Technikerausbildung ab und 0,5 Prozent eine Berufsausbildung.

Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer (44 Prozent) wohnt in einer Wohnung, einem Studio oder Apartment, nur 8 Prozent im Studentenwohnheim und 32 Prozent in einer Wohngemeinschaft. 16 Prozent wohnten noch bei den Eltern.

24 Prozent sind nicht erwerbstätig

Die meisten Studentinnen und Studenten arbeiten während der Studienzeit, die meisten, 63 Prozent, während der vorlesungsfreien Zeit. 22 Prozent sind während der Studienzeit berufstätig und 24 Prozent sind überhaupt nicht erwerbstätig.

Das alte, vom damaligen Hochschulminister François Biltgen (CSV) initiierte Gesetz wollte dem Studenten größtmögliche Autonomie einräumen. Tatsächlich gaben 37 Prozent der Umfrageteilnehmer an, keine finanzielle Unterstützung der Eltern zu bekommen. 82 Prozent waren der Ansicht, die Studierenden sollten als “eigenständige Individuen unabhängig von ihren Eltern” betrachtet werden. 41 Prozent befürchteten, die finanzielle Abhängigkeit von den Eltern könnte sich auf Studienwahl und –verlauf auswirken.

Reform wird Erfordernissen nicht gerecht

In etlichen Punkten kann die Reform den Ansprüchen und Bedürfnissen der Studierenden laut Aktionskomitee nicht gerecht werden. So kommt die sogenannte Molibitätsstudie nur im Fall eines Auslandsstudium in Frage. Dabei würden laut Umfrage auch 25 Prozent der in Luxemburg Studierenden nicht mehr bei den Eltern wohnen. Der Maximalbetrag der Sozialbörse, die an die Einkommenshöhe der Eltern gekoppelt ist, käme nur 5,3 Prozent der Studierenden zugute, so das Aktionskomitee. Laut Minister sind es jedoch 9,2 Prozent.

Schließlich gaben 76 Prozent der Umfrageteilnehmer an, Studienschulden als eine Belastung zu empfinden. Bis zur Hälfte der staatlichen Hilfe kann als zinsverbilligtes Darlehen gewährt werden.

An der Repräsentativität der Umfrage zweifelt das Aktionskomitee nicht. Die Ausarbeitung der Studie orientiere sich an diversen Studien, die im Ausland regelmäßig durchgeführt werden, heißt es. Bei der Auswertung wurden die Fragebögen einer strengen Kontrolle unterzogen. So wurden auch alle korrekt beendeten aber nicht korrekt validierten Fragebögen ausgesondert.

Tageblatt.lu