Jugendhäuser haben ein generelles Problem: Sie werden in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen und nur wenige Außenstehende wissen, was dort geschieht. Das Filmprojekt von Fränz Dormans erlaubte es, die Funktionsweise dieser Einrichtung besser kennenzulernen.

Im Ulflinger Ciné Orion herrschte Premierenstimmung. Der Jugendtreff Norden hatte zur Vorstellung des Films „d’Wäiss Wouerecht“ des 17-jährigen Regisseurs Fränz Dormans eingeladen. Schon vor etwa zweieinhalb Jahren reifte bei ihm der Gedanke, einen Film zu drehen.

Fränz Dormans hat uns erklärt, wie es dann weiterging. „Wir sollten damals im Rahmen des Deutschunterrichts einen Text filmisch umsetzen. Dabei kam mir der Gedanke, etwas Größeres zu machen. Ich fing an, ein Thema zu suchen, und blieb bei der Drogenproblematik hängen. Der nächste Schritt war das Schreiben eines Drehbuches. Mir wurde schnell bewusst, dass ich für die Ausführung meines Projekts Hilfe benötigte, und ich wendete mich an den Jugendtreff Norden hier in Ulflingen. Dessen Verantwortliche waren von meiner Idee angetan und sicherten mir ihre Unterstützung zu.“ Eine Mannschaft wurde zusammengestellt, sodass am Ende über 25 Jugendliche am Gelingen des Films beteiligt waren. Der Jugendtreff übernahm die logistische Arbeit und stellte die Kontakte, wie zum Beispiel zur Polizei, her. Im Februar wurde an drei Tagen in Derenbach gedreht. Der Rest des Jahres wurde dann mit dem Schneiden des Films verbracht – eine nicht so einfache Angelegenheit.

Die Sicht des Dealers

Herausgekommen ist ein 15-minütiger Film, in dem die Drogenproblematik nicht aus der Sicht des Konsumenten, sondern aus der des Dealers dargestellt wird. Der Hauptakteur gerät in seiner Schule an falsche Freunde, die ihn dazu überreden, bei einem ganz großen Deal mitzumachen. Es kommt, wie es kommen muss, der Coup geht schief, und dies mit dramatischen Folgen für den jungen Schüler.

Für ein Erstlingswerk besticht der Film durch seine Professionalität. Dieser Meinung waren auch die Jurymitglieder der „Fédération luxembourgeoise du cinéma d’auteur“, die Fränz Dormans am 28. Oktober den zweiten Preis in der Kategorie „Jeunesse“ verliehen. Wie uns Fränz anvertraute, hat er schon ein neues Projekt ins Auge gefasst. Es sei allerdings noch zu früh, um Genaueres zu verraten. BeP

Weitere Infos www.jsic.lu und auf der Facebookseite des Jugendtreffs Norden.

4 Fragen an Daniel Strecker, Direktor Jugendtreff Norden

Daniel, was genau ist der Jugendtreff Norden?

Der Jugendtreff Norden ist eine Einrichtung der Trägergesellschaft Elisabeth und der Nachfolger des Jugendtreffs asbl. aus Ulflingen. Auf Wunsch des Sicler („ Syndicat intercommunal pour la promotion du Canton de Clervaux“) wurde ein Ausbau des Angebots für Jugendliche auf Kantonalebene angestrebt.

Wie seid ihr aufgestellt?

Wir betreiben zurzeit vier Treffpunkte, auch Jugendhäuser genannt, im Kanton Clerf. Diese befinden sich in Clerf, Ulflingen, Helzingen und Hosingen. Jedes Jugendhaus hat seine spezielle Ausrichtung. Hier in Ulflingen sind es der Multimediabereich und die Musik. Wir verfügen hier über mehrere Probesäle für junge Musiker. In Helzingen zum Beispiel liegt der Schwerpunkt auf Technik und Forschung.

Wie sieht die konkrete Arbeit mit den Jugendlichen aus?

Das Hauptmerkmal ist, dass die Jugendlichen freiwillig zu uns kommen. Hier treffen Sie dann auf geschulte Erzieher, die ihnen mit Rat und Tat helfen, ihre Projekte und Ideen zu verwirklichen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, sind wir ziemlich gut vernetzt. Wir arbeiten eng mit dem SNJ, den Lyzeen in Wiltz und Clerf und mit anderen Akteuren im Jugendbereich zusammen. So haben wir zum Beispiel Kontakte mit der Rockhal, um jungen, talentierten Musikern eine Bühne zu geben. Diese Vernetzungen haben uns auch sehr bei der Unterstützung von Fränz Dormans’ Projekt geholfen.

Was bedeutet der Film „d’Wäiss Wouerecht“ für den Jugendtreff?

Wir sind in der Öffentlichkeit nicht sehr bekannt. Dies ist auch ein wenig dadurch bedingt, dass die Jugendlichen bei uns einen geschützten Raum vorfinden, in dem sie über ihre Sorgen und Probleme reden und auch ihre persönlichen Ideen verwirklichen können. Da ist eine gewisse Diskretion gefragt.

Ein öffentliches Projekt wie der Film von Fränz Dormans bietet uns deshalb die Gelegenheit, Werbung für unsere Arbeit zu machen und unseren Bekanntheitsgrad zu steigern. Ein nicht uninteressanter Nebeneffekt.

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