Bericht

30. September 2013 16:31; Akt: 30.09.2013 16:58 Print

Das Recht auf ein Altern in WürdeDas Recht auf ein Altern in Würde

Die Würde der älteren Leute in allen Situationen ohne Einschränkung wahren! Diesen Leitsatz hat sich die Kommission für die Menschenrechte als Vorgabe für ihren Bericht über die Rechte der älteren Menschen gegeben.

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Die beratende Kommission der Menschenrechte will das Thema Altern von seinem Tabu befreien. (Bild: dpa)

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Die Menschen werden immer älter. 2012 waren 72.000 der Einwohner unseres Landes über 65 Jahre alt, das sind 14 Prozent der Gesamtbevölkerung. Rund 5.000 davon leben in Alters-oder Pflegeheimen. Von diesen hat rund die Hälfte eine mehr oder weniger starke Altersdemenz. Alle diese Tendenzen sind steigend.

Bislang hat sich Luxemburg noch relativ wenig Gedanken über das Leben dieser Menschen gemacht. Der riesige Nachholbedarf an Pflegeeinrichtungen wurde mit der Einführung der Pflegeversicherung aufgeholt, das Angebot an Heimpflege ausgebaut. Allein über die Rechte und Pflichten der Heimbewohner und derjenigen, die sie versorgen, hat bislang keiner nachgedacht.

Diskussion anstoßen

Einen ersten Schritt machte die beratende Kommission der Menschenrechte mit ihrem Bericht, den sie einen Tag vor dem heutigen Tag des Dritten Alters vorlegte. Damit will sie die Diskussion in der Gesellschaft anstoßen und das Thema Altern von seinem Tabu befreien.

Eine Bilanz hat die Arbeitsgruppe um den Spezialisten Dr. Jean-Claude Leners nach ihren ausgedehnten Gesprächen mit zahlreichen Akteuren der Altersversorgung vorerst nicht gezogen. Sie spricht lediglich eine Reihe von Empfehlungen aus: Allen voran geht ein Rat an die Schulen, welche Therapeuten und Pfleger ausbilden. Die jungen Leute sollen viel stärker für die Symptome und Versorgung der Altersdemenz sensibilisiert werden.

Ethikkomitee

Weitaus zahlreicher sind die Empfehlungen an die Institutionen. Die Kommission rät ihnen, ein Ethikkomitee einzusetzen, das individuelle Lösungen ausarbeitet, wenn es keine bestehende Antwort für den Heimbewohner gibt. Dieser soll, so weit wie möglich, in diese Lösungssuche einbezogen werden. Das geht vom Recht auf ein Haustier über das freie Kommen und Gehen, einem ausgedehnten Besuchsrecht, der freien Ausübung der Religion bis zu dem Anrecht, sich über etwaige Einschränkungen dieser Freiheiten beklagen zu dürfen. „Die Heimbewohner und ihre Angehörigen müssen genau wissen, wo sie klagen können und wie dieser Klage stattgegeben wird“, forderte Kommissionspräsident Jean-Paul Lehners. Die Ombudsfrau kann hier nicht eingreifen, weil die Heimbewohner aus freien Stücken kommen.

Über die heiminternen Regelungen heraus schlägt die Kommission vor, ein unabhängiges, nationales Gremium ins Leben zu rufen, das den einzelnen Klagen nachgeht und sich über den Ist-Zustand in den Häusern informiert. Es soll auch eine Charta mit allgemein gültigen Richtlinien ausarbeiten, zu denen zum Beispiel das Verbot gehören könnte, Heimbewohner zu duzen. Genau wie die Krankenhäuser sollten auch die Pflegeheime dazu angehalten werden, Buch über ihre Bewohner zu führen und Stürze, Verletzungen oder Unpässlichkeiten genau festzuhalten, um zu jeder Zeit genau Rechenschaft ablegen zu können.

(Claude Wolf/Tageblatt.lu)

  • MirVolleek am 01.10.2013 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    auch ältere Menschen haben (ihre) Rechte

    Die Ombudsfrau kann hier nicht eingreifen, weil die Heimbewohner aus freien Stücken kommen! Kommen die meisten wirklich aus freien Stücken oder werden einige einfach nur abgeschoben, weil sie einfach nur noch als eine Last angesehen werden ? Auch im Alters/ Pflegeheim ist mehr Transparenz usw nötig!

  • Jo Baal am 01.10.2013 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Pflegeheime

    Der sogenannten "Pflegeheime" sind das eigentliche Problem. Es gibt auch menschenwürdigere und kostengünstigere Alternativen.