10. Januar 2017 13:19;Akt: 10.01.2017 13:32

Vertrauen ist nicht alles

SCHOOLLEAKS-PROZESS

Am zweiten Sitzungstag des “School-Leaks”-Prozesses wurde die Zeugenbefragung weitergeführt. Auch der Bildungsminister Claude Meisch sagte heute als Zeuge unter Eid aus.

 (Bild: Marijan Murat/dpa)

Nach längerer Forderung der Anwälte der Angeklagten, wurde beim heutigen Verhandlungstag der Bildungsminister Claude Meisch ebenfalls als Zeuge gehört.

Vor allem zwei Punkte standen bei der Befragung von Claude Meisch im Mittelpunkt; zum einen, ob er über das Versenden der Prüfungsfragen, vor Abschluss aller Prüfungen informiert gewesen sei. Zum anderen musste er nochmals erläutern aus welchen Gründen das Ministerium sich dazu entschloss alle Test einschließlich des Mathetests zu wiederholen.

Keine persönliche Entscheidung

Er persönlich, sei nicht über das frühzeitige Verschicken der Prüfungsunterlagen informiert gewesen und habe somit diese Entscheidung auch nicht getroffen. Dies sei der Zuständigkeitsbereich des Script (Service de Coordination de la recherche et de l’Innovation pédagogiques et technologiques), sagte Meisch am Dienstag bei der Befragung. Diese Entscheidung würde er jedoch auch nicht bemängeln.

Zudem habe er Vertrauen ins Lehrpersonal, dass sie diese vertraulichen Unterlagen nicht an dritte weiter geben würden. Als Bildungsminister habe er die Pflicht dem Personal zu vertrauen ansonsten würde das ganze zusammenbrechen, erläuterte er.

Nicht gleichzustellen mit „Premièresexamen“

Die Verteidiger kamen immer wieder darauf zu sprechen, dass die verschickten Unterlagen nicht mit einem Vermerk versehen waren, der darauf hindeutete, dass es sich um vertrauliche Unterlagen handele. Die Orientierungstests seien nicht gleichzustellen mit den „Premièresexamen“.

Daher habe man hier nicht die gleichen Sicherheitsprozeduren angewendet. Zudem habe das Bildungsministerium schon immer bedenken gehabt, dass diese Tests überbewertet werden. Sie würden nur zu einem Bruchteil zur Orientierung eines Schülers beitragen und würden nicht das alleinige Entscheidungsmittel darstellen, bekräftigte Meisch.

Bereits häufiger Gerüchte

Zugeben musste er allerdings, dass ihm bereits vor dem Leck im März 2015 häufiger Gerüchte zu Ohren kamen, dass die Prüfungsunterlagen zu den Leistungstests des Zyklus 4.2. der Grundschule, vorab in Umlauf seien. Er habe versucht diesen Gerüchten nachzugehen, etwas Konkretes habe sich jedoch nie ergeben.

Als jedoch im März 2015 ein Journalist des Tageblatts ihm mitteilte, dass ihm die Prüfungsunterlagen vorliegen würden und dies noch vor Abschluss der Orientierungstests in der Grundschule, habe das Ministerium handeln und eine schnelle Entscheidung treffen müssen, so der Minister.

Daraufhin habe er am 19. März eine Pressekonferenz einberufen, bei der er schließlich verkündete, dass alle Orientierungstests wiederholte werden müssten. „Heute hat man eine andere Sicht auf die Dinge“, äußerte Claude Meisch. Nun habe man natürlich mehr Einblick in alle Details. Die CSV und die Drop-box

Ein weiterer Punkt der am Dienstag aufgegriffen wurde war, dass die Prüfungsunterlagen ebenfalls an CSV Politiker weitergegeben wurden. Die Partei hatte kurz nachdem die Dokumente am 16. März 2015 „geleakt“ wurden, bereits am darauffolgenden Tag eine parlamentarische Anfrage an den Bildungsminister eingereicht. Die Frage bezog sich darauf, wie der Minister verhindere, dass die Unterlagen frühzeitig in Umlauf gebracht werden und wie es möglich sei, dass bereits Dokumente zirkulieren.

Bei der Befragung gab der Lebensgefährte einer Angeklagten zu von den Dokumenten gewusst zu haben. Er habe es durch seine Partnerin erfahren. Zudem ist er Mitglied bei der CSV. Von den „geleakten“ Dokumenten habe er anschließend Félix Eischen der CSV informiert und ihm zusätzlich einen Link zu seiner privaten Drop-Box mitgeteilt auf welcher sich die gesamte Datei der Prüfungsunterlagen befand.

Verschickte Audiodatei

Auf die Frage hin ob er die Dokumente selbst eingesehen habe, gab der Zeuge keine klare Antwort. Daraufhin wurde der mit einer E-Mail konfrontiert, die er am 16. März 2015 an seine Freundin (eine der angeklagten Lehrerinnen) weitergeleitet hatte. Die Mail versendete er mit einer komprimierten Audiodatei. Der Zeuge gab daraufhin an, dass er sich nicht mehr an den Inhalt der Audiodatei erinnere.

Der Prozess wird am Mittwoch weitergeführt. Bisher sieht es so aus als würden die Anwälte der Angeklagten sich vor allem auf die, ihnen zufolge, unklaren Angaben des Ministeriums fokussieren. Hierbei geht es unter anderem um das Versanddatum der Unterlagen, sowie die relativ undurchsichtige Prozedur im Umgang mit den Prüfungsunterlagen.

Auf der anderen Seite haben die Zeugenaussagen von Montag und Dienstag gezeigt, dass das Bildungsministerium keinerlei Unklarheiten in ihren Prozeduren erkennt und somit das frühzeitige Verschicken der Unterlagen nicht wirklich als Fehler konstatiert.

Jennifer Muller

  • School-Leaks 2 am 10.01.2017 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein viel interessanters Leck wäre, wenn Schüler sich mal trauen würden die unprofessionellen Unterrichtsmethoden zu "leaken", denen sie bei einigen sogenannten Professoren ausgesetzt sind! Leider wissen viele Schüler nicht, wie guter Unterricht abzulaufen hat... sonst würden sie Vieles so nicht mehr hinnehmen!

    • KTG__ am 10.01.2017 23:29 Report Diesen Beitrag melden

      Ich bin mir sicher, dass "School-Leaks 2" ein hervorragender Pädagoge mit vielen Jahrzehnten Erfahrung ist und deshalb ganz sicher alles besser weiß. Generalisieren ist doch immer wieder toll.

    einklappen einklappen
  • Samuel am 10.01.2017 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @ GuyT Ich bin überhaupt nicht mit ihrem Kommentar einverstanden. Hier haben professionnelle Sekundarlehrer die Situation ausgenutzt, nur um zu versuchen dem Unterrichtsminister Schaden zuzufügen. Wenn wir das Geschehen zeitlich einordnen, weiss man auch wieso. Zu diesem Zeitpunkt gab es große Meinungverschiedenheiten. Ohne Rücksicht auf die Schüler wurde versucht Politik der untersten Schublade zu betreiben. Nur darum ging es.. wieso sonst verteilt die Professorin die Tests und zur gleichen Zeit kontaktiert ihr Lebenspartner die CSV? Glauben Sie wirklich die Wähler wären strohdumm?

  • GuyT am 10.01.2017 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich kommt der springende Punkt an die Oeffentlichkeit:die Tests wurden, im Gegensatz zu den Jahren zuvor, eine Woch zu früh verschickt.Dass dies eine Panne war, geht auch klar hervor aus dem postdatierten Datum der Sendung, wie ich selbst feststellen konnte. Zudem war die Sendung nicht klar gekennzeichnnet als noch geheim zu haltend, wissend, dass dies ohne böse Absicht zur einer zu frühen Verbreitung führte, weil alle Lehrer davon ausgingen, dass wie eben alle Jahre, das Verschicken immer NACH den Examen geschah. Das MEN versucht von Anfang an diese Panne zu vertuschen!

    • SergeC am 10.01.2017 17:40 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn man einem aus- und hoch-gebildetem Schuhllehrer noch separat bestätigen muss dass Examensfragen NICHT zur Veröffentlichung freigegeben sind, egal ob sie im März oder Mai verschickt werden, muss ich sehr intensiv an der Intelligenz und Kompetenz eben dieses Lehrbeauftragten zweifeln, hier von Panne zu sprechen ist doch wohl neben dem Wind.

    • KTG__ am 10.01.2017 23:31 Report Diesen Beitrag melden

      Nein, das MEN hat diese Panne absolut nicht vertuscht und war von Anfang an sehr wütend auf die entsprechenden Damen und ihr nicht gerade intelligentes Benehmen. Es ist sehr klar, dass diese Damen die neue Regierung nicht akzeptieren und als Heldinnen von Echternach, die Bezwingerinnen von Gambia, in die Geschichte eingehen wollten. Das Absichtliche Leaken an die CSV _und_ an die Eltern von Schülern zeigt dies mehr als nur deutlich auf.

    einklappen einklappen