01. Oktober 2012 16:27;Akt: 01.10.2012 18:09

In Luxemburg kein Recht auf Beschneidung

RELIGIöSE TRADITION

Heftige Diskussionen hat in Deutschland das Gesetz über die religiöse Beschneidung von Minderjährigen ausgelöst. In Luxemburg ist es illegal.

Ein Rabbiner nimmt ein Beschneidungsmesser aus einer Kiste mit medizinischem Besteck, die neben einem hebräischen Alten Testament liegt. Religiös motivierte Beschneidungen sind in Luxemburg verboten. (Bild: dpa)

Ist die Beschneidung von kleinen Jungen Körperverletzung? Ein Gerichtsurteil in Deutschland hatte vor Monaten eine hitzige Debatte über diese Frage ausgelöst. Eine gesetzliche Regelung soll Klarheit schaffen. Beschneiden aus religiösen Gründen soll nach wie vor als Körperverletzung gelten, wird aber nicht strafrechtlich verfolgt.

In Luxemburg bleibt diese Praxis vorerst illegal, der chirurgische Eingriff bei einer "einfachen" Phimose darf nur von Ärzten in einem Krankenhaus durchgeführt werden. In seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Jean Colombera (ADR) hat Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo an die gängige Praxis in Luxemburg erinnert. Der Minister räumt zwar ein: "Es besteht kein spezifischer gesetzlicher Rahmen, der die Beschneidung bei Minderjährigen regelt. Die Beschneidung ist ebenfalls nicht in den Gesetzgebungen geregelt, welche die Befugnisse der Ärzte oder anderer medizinischer Berufe festlegen."

Keine klaren Gesetze

So klar wie Quellwasser sind aber gewisse rechtliche Grundlagen, die im Falle einer Beschneidung respektiert werden müssen: Nur Ärzte dürfen solche Operationen in einer Klinik durchführen. Alles andere gilt als illegales Ausüben der Medizin. Die Kosten werden von der Gesundheitskasse integral übernommen, wenn die Beschneidung aus medizinischen Gründen erfolgt.

Die Zahl der chirurgischen Eingriffe, die in Luxemburg aus nichtmedizinischen Gründen durchgeführt werden und ergo nicht von der Gesundheitskasse übernommen werden, ist in den letzten Jahren ständig zurückgegangen: 917 (2008), 880 (2009), 866 (2010) und 452 (2011). Es gibt für die Gesundheitskasse keine Möglichkeit, die Zahl der Beschneidungen aus religiösen Gründen zu ermitteln.

Beschneidung in der Familie

Bei der jüdischen Gemeinde in Luxemburg sind Beschneidungen eine Selbstverständlichkeit. Die "Brit Mila" (Bund der Beschneidung)wird hier seit Jahren im Familienkeis mit einer anschließenden Feier begangen. Medizinische oder juristische Zwischenfälle hätte es dabei noch nie gegeben, heiß es.

Gemäss den Angaben der Staatsanwaltschaft gibt es keine Rechtsprechung über Fälle von Beschneidungen. Wenn Gerichte mit einem solchen Tatbestand befasst würden, obliegt es dem jeweiligen Gericht in seiner Entscheidungsweise Recht zu sprechen und zu entscheiden, ob die allgemeinen Rechtsprinzipien anwendbar wären oder nicht.

FH./Tageblatt.lu

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  • luxi am 23.12.2012 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bloss kein Gesetz, wie in Deutschland. So ein Gesetz, wie es jetzt in Deutschland beschlossen wurde, ist eine Schande für einen Rechtsstaat. Es stellt sich über die Unversehrtheit des Körpers, die Gleichbehandlung von Mann und Frau und die Religionsfreiheit von Kindern. Dann lieber wegschauen, wenn sich die Regierung aus welchen Gründen auch immer, nicht für ein Verbot aussprechen kann. Eine ausdrückliche gesetzliche Legalisierung der Beschneidung von Jungen ist ein Schlag in die Seele und das Rechtsempfinden eines jeden freien Menschen. Das wäre für Luxembourg schrecklich.

  • Laurence am 02.10.2012 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Et geet mir net drëms ze diskutéieren, op dat elo gutt oder schlecht ass, ech wollt just soen, datt hei zu Lëtzebuerg all Dag Beschneidungen aus kulturellen oder reliéise Grënn an eise Spideeler u Neigebuerene gemaach ginn, a vun eiser Krankekeess komplett bezuelt ginn.

    • Laurent am 03.10.2012 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      Stelle fest, eis Justiz schléift.

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  • Claude/Bellion am 02.10.2012 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    Der Körper des Menschen ist perfekt, warum soll man dann dran rumschnippeln? Warum soll "ein Stück Haut" überflüssig sein? Jemand der das mit Haare- oder Nägelschneiden vergleicht, hat ein grosses Problem!

    • Ibrahim Abraham am 02.10.2012 10:33 Report Diesen Beitrag melden

      Jedem seine Meinung. Jedenfalls ist es eine medizinische Tatsache, dass sich die Beschneidung positiv auf die Hygiene auswirkt.

    • aCreatura am 03.10.2012 10:22 Report Diesen Beitrag melden

      Diese Aussage ist Schwachsinn und total haltlos und stammt noch aus Zeiten, wo Beschneidung gegen Polyo und Syphilis helfen sollte.

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