Das Thema der Sicherheit im Bahnhofsviertel war auch in der gestrigen Gemeinderatssitzung wieder Anlass für Diskussionen. Die 30 neuen Polizisten in dem Viertel werden zwar begrüßt, doch die Maßnahme wird allgemein nicht als ausreichend empfunden. Im Januar wird eine öffentlichen Diskussion im Gemeinderat dazu stattfinden.

Gleich zwei Punkte der Tagesordnung befassten sich mit der aktuellen Sicherheitslage im hauptstädtischen Bahnhofsviertel. Die Situation in dem Viertel sei untragbar, vor allem wegen der Drogenpoblematik, hieß es von mehreren Seiten. Die gute Nachricht sei aber, dass der Druck der Bevölkerung gefruchtet habe, sagte Christa Brömmel („déi gréng“): Die Polizei zeige mittlerweile im Viertel mehr Präsenz. Brömmel bedauert jedoch, dass der Einsatz von 30 zusätzlichen Polizisten vorerst nur für sechs Monate gedacht ist. Anfang kommenden Jahres soll die Situation neu bewertet werden.

Neben den repressiven Maßnahmen forderte Brömmel auch präventive. Dabei spiele die Gestaltung des öffentlichen Raums eine Rolle, denn dieser wirke sich auf die Lebensbedingungen aus: „déi gréng“ schlagen Straßen mit „shared space“ oder „Zone 30“ vor, mehr Grünflächen und öffentliche Plätze. All dies könne die Lebensqualität verbessern. Vorrangig seien die Umgestaltung des Viertels und die Polizeipräsenz, nicht die Kameraüberwachung.

Mehr als nur Drogen

Claudine Konsbrück (CSV) gab zu bedenken, dass die Situation sehr komplex sei, weil hier verschiedene Problematiken (Drogen, Prostitution, Kriminalität) zusammentreffen, und so würden verschiedene Lösungen verlangt. Die 30 neuen Beamten im Viertel seien zwar zu begrüßen, aber viele von ihnen kämen frisch von der Polizeischule. Dass das keine einfache Aufgabe für sie sei, merkte sie kritisch an.

Die Drogenproblematik habe sich übrigens verlagert, doch böse Zungen behaupteten, dies sei nicht wegen der Polizei so, sondern wegen der vielen Baustellen. Man müsse sich aber bewusst sein, dass dort, wo eine Nachfrage existiere, auch ein Angebot vorhanden sei.

Momentan sind 42 Überwachungskameras in der Stadt installiert, doch man sei sich bewusst, dass Kameras nur ein Mittel unter vielen seien. Trotzdem appellierte Konsbrück an die Regierung, auch das Viertel Bonneweg mit einzubeziehen, wenn das Projekt Visupol ausgeweitet werden soll.

„Schluss mit den Diskussionen“, forderte Héloïse Bock (DP). Längst sei alles gesagt, die Probleme seien bekannt. In vier öffentlichen Sitzungen konnten die Bewohner des Viertels ihre Meinung sagen. Man müsse sich bewusst sein, wie sehr sich die Bewohner um ihr Viertel sorgen. Die Stimmung in den öffentlichen Anhörungen beschreibt sie als „elektrisch“.

Stadt muss Vorreiter sein

Die Anwohner sorgen sich um die tagtägliche Verschlechterung ihrer Lebensqualität. Bock forderte u.a. Patrouillen mit Drogenspürhunden, um die zahlreichen versteckten Drogen ausfindig zu machen. Nicht auszudenken, wenn ein Kind eines Tages ein Kugel mit Drogen finde und esse, in der Annahme, es sei eine Süßigkeit. Auch wenn die Stadt nicht die Kompetenzen habe, alles zu tun, so sei es doch ihre Rolle, Vorreiter zu sein, Anstöße zu geben und Druck auszuüben, wenn sie selbst nicht die Entscheidungsgewalt hat. Individuelle Maßnahmen seien gut, aber es bedürfe eines globalen Plans. Private Sicherheitsfirmen könnten aber in einem Rechtsstaat nicht die Lösung sein.

Das zweite große Problem neben Drogen sei die Prostitution. Unerträglich sei, dass die Frauen ihre Dienste neben der Schule anbieten. Offiziell die Prostitution nur in einer Straße zu tolerieren, bringe gar nichts.

Alle Fragen und Kommentare der Gemeinderatsmitglieder bezüglich der Sicherheit im Bahnhofsviertel würden in den zuständigen Kommissionen diskutiert, kündigte Bürgermeisterin Lydie Polfer an. Des Weiteren soll im Januar eine öffentliche Debatte im Gemeinderat zu dem Thema stattfinden.

Konservatorium wieder zu klein

Der Gemeinderat nahm gestern u.a. einstimmig die definitive Organisation des Schuljahres 2019/2020 des hauptstädtischen Konservatoriums an. 3.729 Schüler sind dieses Jahr dort eingeschrieben, was einen Anstieg von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausmacht. Doch die Musikschule scheint ein Opfer ihres Erfolges zu sein: Die Kapazitäten sind an ihren Grenzen, Guy Foetz („déi Lénk“) kritisierte in diesem Zusammenhang die langen Wartelisten in einigen Kursen. Eine Vergrößerung der Verwaltung sei zudem notwendig, ergänzte Lydie Polfer. Erst 2016 war das Konservatorium vergrößert worden.

6 Kommentare

    • Lieber in einem Überwachungsstaat leben, als in Unsicherheit. Hätte ich das nötige Kleingeld würde ich liebend gern in Monaco leben denn Monaco ist das Land mit der niedrigsten Kriminalitätsrate weltweit, eben durch Kameraüberwachung und Polizeipräsenz.
      “https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentliche_Sicherheit_in_Monaco”

    • Genee, an d’Lait jubbelen nach positiv zou, wann se d’Botschaft vermëttelt kréien.
      Dat haten mir dach schon emol… ee puer Jorzengten hier… an duerno froen se sech all wéi et nëmen konnt dozou kommen…

  1. Do muss Police an Civil angesaat ginn.

    Wann se an Uniform dohin pilgeren, dann laafen d’Problemer firun hinnen fort an et ass wei’ frei’er, Alles an der Reih !

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