Während eine Vielzahl an Musikbegeisterten bereits am Freitag in der Hauptstadt mit Acts wie Serge Tonnar & Legotrip – in Begleitung der Wiltzer Harmonie – das musikalischste Wochenende des Landes begingen, gilt für die meisten insgeheim immer noch die Düdelinger „Fête de la musique“ als Prunkstück aller Musikfeste. Die Gründe hierfür liegen vor allem an der absolut souveränen Organisation um das Team von Chefbooker John Rech, dem es Jahr für Jahr gelingt, nationale und internationale Top Acts auf den 14 Bühnen zu vereinen.

Von unserem Korrespondenten Sascha Dahm (Text)

Gemäßigt, fast schon gespenstisch wirkte die Avenue Grande-Duchesse Charlotte um kurz vor 17.00 Uhr: Hier und da hörte man Wortfetzen oder das erste Bruzzeln der Grillplatten. Schnell drängte sich die quälende Frage auf, welche der zahlreichen Konzerte man sich im Laufe des Abends anhören sollte. Insofern kann auch dieser Rückblick nur annähernd die Gesamtatmosphäre einfangen und wahrlich (leider) nicht jeden Musikmoment Revue passieren lassen.

Mit den Pop-Rockern von Go by Brooks eröffnete gegen 17.30 Uhr die Main Stage vor dem imposanten Rathaus ihre symbolischen Türen und eine erste Schar an Menschen strömte vor die Bühne und ließ sich von den melancholischen Tönen Laeticia Koeners berauschen. Mit Wohlwollen und doch zurückhaltend reagierte das Publikum und es erinnerte einen nicht unwillkürlich an den gewöhnlichen Ablauf eines Musikfestivals: Die erste Band des Tages überzeugte und doch konnte sie nicht aus dem Vollen schöpfen und wirkte am Ende etwas verheizt, was der Leistung und dem sehr zugänglichen Pop-Rock der Band eigentlich nicht würdig ist. Während nun einige auf der quer gegenüberliegenden „Planet Stage“ Mathea ihr Gehör schenkten, folgten andere den Bässen von DJ AL-X auf der „Living Tomorrow Stage“, die durch die lange Allee bis hinunter zur Hauptbühne huschten. Merklich lockerte sich die Stimmung bei den Besuchern auf, die sich minutiös zu erweitern schienen.

Pop-Rock, Indie-Rock und Electro

Wesentlich leichter hatte es somit die sympathische irische Indie-Rock-Band The Coronas, die vor gut gefüllter Hauptbühne mit ihren poppigen, manchmal etwas zu seichten Songs zu unterhalten wusste – ein besonderes Schmankerl für alle Fans war sicherlich die Performance des neuen Songs „Neverever“. Nach Pop-Rock, Indie-Rock und Electro wurde es nun Zeit, die Klangkulisse um das Metal-Genre zu ergänzen. Leider boten sich dem Publikum hier nur wenige Möglichkeiten, allerdings solche, die man sich nicht hätte entgehen lassen sollen.

Die „Youth Stage“ bietet jungen Nachwuchskünstlern die Möglichkeit, ihr Können zu präsentieren und wahrlich genutzt haben die Chance die Metaller von Parity um Frontfrau Sandra Wolter, deren stimmliche Fähigkeiten vom Clean-Gesang bis hin zum durchdringendsten Growlen die sich kontinuierlich schwärzer färbende Menge in bester Art zu überzeugen wusste. Die Metal-Community ließ sich auch nicht zweimal bitten, bei einem der bisher rar gesäten Auftritte der neuen Metal-Supergroup Falling Serenade anwesend zu sein. Bereits nach wenigen Sekunden entwickelte sich eine Dynamik, wie sie passender nicht hätte sein können: Während sich der Himmel zusehends verdunkelte und die ersten zu pogen und zu moshen begannen, spürte man einen Energieschub beim Publikum, der einem die Schönheit der Metal-Szene zeigt – „Brothers in arms“, in Gedenken an ihren verstorbenen Weggefährten feierte Falling Serenade mit den Fans wortwörtlich Kopf an Kopf diesen Moment.

Melancholischer Summer Vibe

Während die einen somit Genugtuung an der „Why Not Stage“ fanden, zogen andere zur Main Stage, um die beiden Headliner der 26. Ausgabe zu sehen: Lea und Frank Turner & The Sleeping Souls. Die erst 26-jährige Newcomerin Lea aus Deutschland wusste durch ihre sehr positiv-schüchterne Art und ihren Sound, der als melancholischer Summer Vibe verstanden werden kann, vor allem das jüngere Publikum in ihren Bann zu ziehen. Der Charthit „Leiser“ ist vielen ein Begriff, und doch zeigt sich auch in einigen Songs das Beherrschen eines stimmlichen Handwerks in Begleitung eines Klaviers, von dem man gerne mehr hören möchte.

Frank Turner & The Sleeping Souls waren schon 2014 zu Gast und sind in Luxemburg durchaus schon zu Hause. So wurde das Konzert vom ersten Moment an zum Selbstläufer und jeder hartgesottene Konzertsteher begann mehr oder weniger hin- und herzuwippen oder gar zu tanzen. Erfrischend, explodierend präsentierten sich die fünf Herren aus England, und so ist es sogar zu verstehen, dass ein Fan den rechten Schuh des Frontmanns mit nach Hause nehmen wollte … Solche Momente erlebt man nicht zweimal.

Die Düdelinger „Fête de la musique“ ist organisatorisch auf dem höchsten Niveau, musikalisch breit gefächert und klanglich auf einem derart hohen Standard, dass man sich bei großen Konzerten in anderen hiesigen Hallen fragt, warum der Sound so matschig klingt. In Düdelingen reicht offensichtlich ein kleines Mischpult unter einem Pavillon-Dach, um einen perfekten Sound möglich zu machen. Auf die nächsten 26!

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here