Im Alter von 17 Jahren organisiert Laurent Boquet zum ersten Mal das „Gaymat“. Das war 2009. Zwei Jahre zuvor besucht er die Veranstaltung zum ersten Mal – und ist so beeindruckt, dass er sich vornimmt, so etwas einmal selbst auf die Beine zu stellen. Nur wenige Monate später tritt er dem Verein bei, der das Event organisiert: „Rosa Lëtzebuerg asbl“. Weil 2008 ein paar Mitglieder aus dem Vorstand austreten, fällt das „Gaymat“ aus. „Im Jahr darauf habe ich den ganzen Verein damit verrückt gemacht, dass ich das Gaymat organisieren will“, erinnert er sich. Zuerst sagen alle ihm, er habe sie nicht mehr alle. Doch Boquet bleibt hartnäckig und sie geben nach. „Im Endeffekt wurde die Ausgabe 2009 ein Erfolg“, freut er sich heute. Damals fand die Pride zum letzten Mal in der Hauptstadt statt. Seit zehn Jahren „lebt“ sie in Esch, so wie Boquet.

Er nennt sich selbst einen „Minettsdapp“: Boquet wurde in Niederkorn geboren, ist in Düdelingen aufgewachsen und nennt seit neun Jahren Esch sein Zuhause. Hier arbeitet er auch, in der Personalabteilung des CHEM-Spitals. Die Organisation der Pride und das Engagement bei Rosa Lëtzebuerg sind nicht die einzigen Dinge, die Boquet in seiner Freizeit auf Trab halten. Neben der Mitgliedschaft in der LSAP-Sektion seiner Stadt sitzt er im Pastoralrat. „Inzwischen schauen die Menschen mich dümmer an, wenn ich ihnen erzähle, dass ich in der Kirche aktiv bin, als wenn ich ihnen sage, dass ich auf Männer stehe“, lacht er.

Wie denn die Pride und sein Engagement in der Kirche zusammenpassen? „Die römisch-katholische Kirche in Luxemburg ist Unterzeichner der Diversitätscharta und engagiert sich damit, gegen jede Form von Diskriminierung zu kämpfen“, zitiert er belustigt den Erzbischof, der diese Antwort einmal einem Journalisten gab. In der Kirche habe er noch nie ein Problem wegen seiner sexuellen Orientierung gehabt.

Anderes Familienbild

Geoutet hat er sich mit 16 Jahren. „Das Schwerste war, mir selbst einzugestehen, dass ich anders bin, als es von der Gesellschaft erwartet wird.“ Es sei eine Herausforderung gewesen, das Familienbild, das er im Kopf hatte, über den Haufen zu werfen. Für Freunde und Familie war sein Coming-out allerdings keine große Sache. „Die haben das damals gut aufgenommen“, sagt der junge Luxemburger, der väterlicherseits aus dem italienischen Gubbio stammt. Die Sprache spricht er nicht, versteht sie aber. „Zum Fluchen reicht es allemal“, fügt er lachend hinzu.

Inzwischen ist Laurent Boquet 29 – und organisiert die 20. Ausgabe des zur „Luxembourg Pride“ umgetauften „Gaymat“. Es sieht nicht danach aus, als wolle er daran in den nächsten Jahren etwas ändern. „Mein Freund tut mir schon ein bisschen leid, der sieht mich vor dem Pride-Wochenende kaum“, sagt er. Die Liebe ist noch ganz frisch: Die beiden sind seit sechs Monaten zusammen.

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