Dass Tierliebe nicht vor der Praxistür enden muss, beweist der beliebte Escher Tierarzt Dr. Paul-Alexandre Lemaire. Um auf die prekäre Lage der Orang-Utans aufmerksam zu machen und konkret zu helfen, laden er und sein Team die Besitzer ihrer meist vierbeinigen Patienten zu einer Avant-Première des Films „Comme des bêtes 2“ ein. Der Erlös des Ticketverkaufs geht integral an die Tierschutzorganisation „Orang Utan Help Lëtzebuerg“.

Von Christiane Wagner

Ein etwas klägliches Miauen dringt aus einer Transportbox, als wir den Wartesaal der Tierarztpraxis Dr. Alexandre Lemaire am Beneluxplatz in Esch betreten. Bei der Mieze ist die alljährliche Schutzimpfung fällig.

Wir allerdings kommen, um unsere Kinotickets abzuholen. Ja, Sie haben richtig gelesen: Kinotickets. In der Tat haben der Tiermediziner und sein Team eine Film-Voraufführung organisiert, verkaufen die Eintrittskarten über die Praxis und spenden den gesamten Erlös an eine Luxemburger Tierschutzorganisation.

Engagement, das begeistert

Eine außergewöhnliche Initiative finden wir und wollen mehr wissen. „Anfangs überlegten wir nur, auf welche Weise wir uns bei unseren Kunden für ihre langjährige Treue bedanken könnten. Wir wollten ihnen mal was anderes als einen Tierarztbesuch bieten. Nach und nach entwickelten wir im gemeinsamen Gespräch die Idee, den Dank mit einer Veranstaltung für den Tierschutz zu verbinden. Als wir dann hörten, dass der Film „Comme des bêtes 2“ (Pets 2) bald in den Luxemburger Kinos anlaufe, witterten wir die ideale Gelegenheit, um unser Vorhaben in die Tat umzusetzen“, erklärt Dr. Lemaire. Kurzerhand wurde ein Saal im Kinokomplex Belval angemietet.

Mit viel Motivation stürzten sich alle Mitarbeiter in die Vorbereitungsarbeit. Ein Flyer wurde entworfen, eine Facebook-Seite für das Event ins Leben gerufen, telefonische Anfragen beantwortet und Tickets verkauft.

Lokale Aktionen, die global helfen

„Hier in der Praxis sind wir alle dem Tier- und Umweltschutz sehr verbunden“, fügt Assistent Jonathan Pirlot hinzu. „Wir suchten als Spendenempfänger eine luxemburgische Tierschutzorganisation, die beides vereint und zugleich international tätig ist. Wir wollten auch sichergehen, dass das Geld für konkrete Projekte verwendet wird. So fiel unsere Wahl auf ‚Orang Utan Help Lëtzebuerg‘. Hier handelt es sich um eine luxemburgische gemeinnützige Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Regenwald sowie seine Einwohner zu schützen.“

Konkret unterstützt die Organisation finanziell mehrere Auffangstationen in Indonesien und fördert Projekte zur Erhaltung und Aufforstung des Regenwalds. „Wir waren sehr erfreut, als wir vom Team der Escher Tierarztpraxis kontaktiert wurden. Auch beeindruckten uns ihre bemerkenswerte Idee und ihre Begeisterung“, sagt der Sekretär und Projektverantwortliche der Vereinigung „Orang Utan Help Lëtzebuerg“, Claude Schiltz.

„Uns wird eine hervorragende Gelegenheit geboten, unsere Anliegen einem größeren Publikum vorzustellen. Wenn auch unser Einsatz durch die Palmöldiskussion etwas mehr ins öffentliche Bewusstsein gefunden hat, bedarf es dennoch weiterer Aufklärung und Sensibilisierung.“ So bekommen die Kinobesucher an einem Stand, den die Vereinigung am Vorführungstag in der Kinolounge betreibt, einen Einblick in die Problematik der vom Aussterben bedrohten Spezies des Orang-Utans und erfahren, wie sie einen Beitrag zu deren Erhalt leisten können.

Begeistertes Publikum 

Was halten nun aber seine Kunden von der Aktion des Tierarztes? „Einfach lobenswert. Ich habe sofort vier Tickets gekauft und werde mir den Film mit meinen Enkeln ansehen“, antwortet uns Jean, der mit Hund Shiva im Wartesaal auf die Ergebnisse der Laboruntersuchung wartet. „Auch ich werde die gute Sache unbedingt unterstützen. Ich bewundere den Arzt, aber auch seine Mitarbeiter sehr, die trotz der vielen Arbeit noch Zeit opfern, so eine Veranstaltung auszurichten“, beeilt sich Lara, deren Kätzchen inzwischen das Miauen eingestellt hat, anzumerken. Der Ticketverkauf über die Praxis sei gut angelaufen, so Dr. Lemaire. Wer noch keine Eintrittskarten habe, solle nicht mehr allzu lange zögern. Der Saal beginne sich zu füllen. Übrigens sei die Veranstaltung für alle Tierliebhaber, also auch Nicht-Kunden, offen.

Besonders betonen möchte der Veterinär allerdings, dass es ihm auf keinen Fall darum gehe, Eigenwerbung zu machen. Seine Praxis laufe sehr gut. Für ihn sei einzig allein der gute Zweck ausschlaggebend. Falls sich die Initiative als Erfolg erweise, spräche nichts dagegen, ähnliche Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, möglicherweise zusammen mit Berufskollegen. Vielleicht sei diese Privatinitiative ja ein Anstoß für weitere Aktionen.

Eine Aktion, die Schule machen könnte

Wir verlassen die Tierarztpraxis tief beeindruckt vom Engagement des Arztes und seiner Assistenten der ersten Stunde Tania Duarte und Jonathan Pirlot. Doch für sie ist noch längst nicht Feierabend.

Nach ihrem anstrengenden Arbeitstag bereiten sie sich nun darauf vor, Patienten aus verschiedenen Tierheimen unentgeltlich zu behandeln und eine Reihe streunender Katzen zu sterilisieren. Genau wie Dr. Lemaire ist auch seinen Mitarbeitern keine Stunde zu früh oder zu spät, wenn es darum geht, sich in den Dienst der Tiere zu stellen.


Info

Die Voraufführung des Films „Comme des bêtes 2“ (französische Version) findet am 30. Juni um 10.30 Uhr im Kinepolis Belval statt.

Ticketverkauf

Dr. Paul-Alexandre Lemaire
8, place Benelux
L-4027 Esch/Alzette
Tel.: 26 55 06 6

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