Es war sicherlich nicht das schönste Haus in der André-Duchscher-Straße, aber mit seinen harmonischen Proportionen war es typisch für die Architektur der Bürgerhäuser im 19. Jahrhundert.

Viel größer war jedoch sein ideeller Wert. Hier verbrachte André Duchscher (1840-1911) seine Jugendjahre und erlernte das Handwerk des Kunstschmiedes in der väterlichen Schlosserei. Hier restaurierte und erweiterte er das alte, mechanische Glockenspiel aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, das wahrscheinlich im Türmchen über dem Haupteingang im Prälatenflügel der Willibrordus-Abtei untergebracht war.

Nach seiner Ausbildung im Maschinenbau gründete er 1875 die Eisenhütte in Wecker, wo anfangs sechs, später bis zu 200 Arbeiter Weinpressen und landwirtschaftliche Geräte herstellten. Für den Selfmade-Man und liberalen Fabrikbesitzer war die Fabrik eine große Familie. Er verstand die Zeichen seiner Zeit und gründete eine Krankenkasse, eine Sparkasse sowie eine Pensionskasse für seine Angestellten. Außerdem lieh er ihnen Geld zum Häuserbau.

Neubau geplant

Obschon er die meiste Zeit nicht in der Stadt wohnte, in der er aufwuchs, hielt er den Kontakt mit ihr aufrecht. So schrieb er seine elf sozial ausgerichteten Theaterstücke in der alten Echternacher Mundart.
Hier wohnte im 20. Jahrhundert Jos Haller. Er war die treibende Kraft der Echternacher Festspiele für Theater und Musik 1935, organisiert von jüdischen Künstlern, die vor den Nazis geflüchtet waren. Aus diesen Festspielen entwickelte sich das heutige Festival International Echternach. Seine Tochter, die Autorin Maria C. Haller (1922-2010), erinnert in ihren Werken an die Zeit, die sie hier verbracht hat.

Jetzt fällt das Duchscher-Haus mit all seinen Erinnerungen einem Neubau zum Opfer. Es war zu spät für den schriftlichen Aufruf von Echternacher Bürgern an die Gemeinde, das Haus sofort zu klassieren.
Waren die Politiker sich der Bedeutung dieses Hauses bewusst, das die Ardennenoffensive überlebt hat? Auf Nachfrage hin erklärte Bürgermeister Yves Wengler, dass die erweiterte Liste des schützenswerten Erbes von Echternach noch nicht vom Gemeinderat angenommen wurde und ihm deshalb die juristischen Mittel fehlten, den Abriss zu verhindern.

Schöffe Luc Birgen bedauerte persönlich den Abriss. In den nächsten Tagen soll die besagte Liste in einer Arbeitssitzung des Gemeinderates besprochen werden. Am 7. März soll der Gemeinderat darüber abstimmen. „So werden solche Dinge in Zukunft nicht mehr vorkommen“, versprach der Bürgermeister.

Alain Muller