Dass der Beruf des Briefträgers kein einfacher ist, ergibt sich aus der Tätigkeit selbst. Bei Wind und Wetter muss die Post verteilt werden. Wenn dann Doppelschichten („duebel Tourneeën“) immer häufiger zur Regel werden, dann ist dies ein Thema für die Personalvertreter. Die Briefträgergewerkschaft traf sich am Samstag in Walferdingen zum Kongress und monierte nicht nur den offensichtlichen Personalmangel bei der Postverteilung.

In seiner Grundsatzrede, die der Präsident der „Bréifdréieschgewerkschaft“ vor den zahlreichen Kongressdelegierten hielt, ging Präsident Raymond Juchem denn auch wiederholt auf diese Doppeltouren, die ständig zunehmen, ein. Bei der Briefpost mussten im Vorjahr 600 doppelte Tourneen geleistet werden; in den beiden ersten Monaten dieses Jahres musste bereits eine Verdreifachung dieser „Duebeltourneeën“ verbucht werden. Dass das Privatleben stark hierunter leide, sei wohl klar, so Juchem.

Auch die geplante Logistikgesellschaft bereite Probleme, so Juchem, der weiter unterstrich, die Schließung der 35 Postfilialen wäre nicht notwendig gewesen, wenn mehr in diese Postbüros investiert worden wäre. Dass die Büros ausgerechnet jetzt geschlossen würden, habe seiner Meinung nach mit dem Termin der nächsten Gemeindewahlen zu tun. 2017 solle das Thema, das auch bei den betroffenen Gemeinden für Verärgerung sorgt, wohl vom Tisch sein, so Juchem.

Höherer Punktwert

Im Rahmen der Reform des Postgesetzes versteht Juchem nicht so recht, was der Statutenwechsel der Direktion soll. Es sei ein falsches Signal, wenn die Direktion eines öffentlichen Dienstes das private Statut anstrebt. Wenn jetzt in den oberen Etagen aufgrund des privaten Statutes mehr verdient würde, sei dies kein gutes Symbol für die neuen Kollegen, die aufgrund ihres Kollektivvertrages viel weniger verdienen würden als der traditionelle Briefträger.
Die „Bréifdréieschgewerkschaft“ trete daneben engagiert gegen unfreiwillige Versetzungen ein. Diese Möglichkeit sei im neuen Gesetz gegeben.

Romain Wolff, Generalsekretär der CGFP, ging auf das nächste Lohnabkommen im öffentlichen Dienst ein. Auch wenn die Regierung meine, eine Punktwerterhöhung komme nicht infrage, so sei hier das letzte Wort noch nicht gesprochen …

Robert Schneider