Am Samstag fand im Préizerdaul die jährliche Oldtimerrallye zum Andenken an Néckel Koob, den wohl größten luxemburgischen Motorsportler, statt. Das Tageblatt unterhielt sich mit Edy Graf, dem Vereinspräsidenten, der die Autosport-Legende, die im Alter von 86 Jahren am 22. Oktober 2016 von uns ging, bestens kannte.

Von Raphael Lemaire

Tageblatt: Wie groß war der Fun-Faktor bei der diesjährigen Ausgabe der Oldtimerrallye „Critérium Néckel Koob“?
Edy Graf: Das ist eine gute Frage. Es war richtig was los. Kurz nach 8.00 Uhr hatten sich alle Teilnehmer eingefunden und nahmen ein deftiges Frühstück zu sich. Da wurde bereits reichlich gefachsimpelt. Danach gab es ein kurzes Briefing und ein paar generelle Infos. Mit der Startnummernvergabe wurde es dann ernst. Die ersten drei Jahre gab es drei Kategorien: Oldtimer, Youngtimer und Open für jedermann. Dieses Jahr haben wir nur noch zwei Kategorien: Touring und Expert für die fortgeschrittenen Fahrer. Am Abend gab es ein festliches Buffet mit der Verkündung der Resultate und der Siegerehrung beider Kategorien. Danach fand eine kleine Chill-out-Party mit einem DJ statt.

Hatten die Fahrer eigentlich Hilfsmittel, um die Strecke zu absolvieren?
Ein Roadbook mit den Strecken angaben. Das haben wir aber erst am Startpunkt überreicht, damit sich niemand einen Vorteil verschaffen konnte. Die erste Etappe am Morgen ging bis nach Remich. Danach führte die zweite Etappe zurück ins Préizerdaul. Im Roadbook sind keine Kilometerangaben, d.h. Pilot und Copilot konnten sich nur anhand der „Chinesenzeichen“, wie es im Fachjargon heißt, und Straßenschilder orientieren.

Wie kam es zur Vereinsgründung und was ist die Philosophie des Klubs?
Der Verein wurde 2014 in der Gemeinde Préizerdaul gegründet. Das Ganze geht zurück auf das „Syndicat d’initiative Préizerdaul“, dessen Präsident ich einst war. Wir wollten unbedingt eine Rallye organisieren, deswegen haben wir den Verein ohne Gewinnabsichten „Critérium Néckel Koob“ ins Leben gerufen. Bevor es aber losging, wurden wir bei Néckel vorstellig, damit das auch mit der Namensgebung hinhaut. Das Hauptanliegen des Vereins besteht in der Organisation und der Veranstaltung der jährlichen Oldtimerrallye, die nun bereits zum fünften Mal stattfand.

Wie wird das Vermächtnis von Néckel Koob bewahrt?
Die Oldtimerrallye trägt seinen Namen. Dann gibt es eine Collage mit Fotos von ihm und seinen Autos. Die Pokale, die wir ausgestellt hatten, waren Néckels Originalpokale. Des Weiteren nahmen mit Aly Kridel und John Lagodny zwei weitere Ikonen des luxemburgischen Automobilsports aus der Zeit von Néckel Koob teil. All das, um das Gedenken an den wohl größten luxemburgischen Motorsportler aufrechtzuerhalten.

Unternimmt der Verein noch andere Aktivitäten?
Wir fahren ebenfalls bei anderen Veranstaltungen mit und sind auch bei Ausstellungen mit einem Stand vertreten, wie z.B. auf der jährlichen Oldtimermesse in Kirchberg. Wir sind auch im Ausland präsent. Kürzlich waren wir auf der Automobilmesse „Techno-Classica“ in Essen. Und im Rahmen der Oldtimerrallye „Boucles de Clervaux“ finden im Oktober zwei Spezialetappen im Préizerdaul statt, die den Namen Néckel Koob tragen und ihm gewidmet sind.

Was war Néckel Koob für ein Mensch?
Er war ein sehr netter und aufrichtiger Mensch. Er hatte eine Schwäche für hübsche Frauen (lacht). Er lebte zeitweise in der Nähe von Nice und Cannes, auf seiner Yacht, die vor Südfrankreich ankerte. Néckel stammte aus Bettborn. Sein Vater war der Chef des Busunternehmens Voyages Koob. Im Laufe der Jahre übernahm er den Familienbetrieb. Auch sein Bruder Jemp arbeitet dort. Néckel war auch Inhaber der Diskothek „New Oldie“ in Bettborn. Und bei Rallyes gab er immer 100 Prozent. Bei den Bergrennen ging er vorher immer die Strecke zu Fuß ab und kickte störende Kieselsteine zur Seite. Er war ein richtiger Perfektionist. Er trank im Übrigen nie Alkohol.

Können Sie eine lustige Anekdote über ihn erzählen?
Und ob! Als wir bei ihm zu Hause waren und um die Erlaubnis baten, seinen Namen benutzen zu dürfen, war er außer sich vor Freude und wollte den Anlass dementsprechend feiern. Zu diesem Zweck holte er eine Kiste voller Champagner vom Schrank herunter – sein Preis für die legendäre Rallye Monte Carlo, wo er zweimal den neunten Platz belegte. Nach einigem Hin und Her nahm er dann doch einen Schluck, doch der Alkohol war durch die lange Aufbewahrung eh verflogen (lacht).

2 Kommentare

  1. Und ein Rauhbein. Ich hatte mal das Vergnügen, mit 10 oder 12 in einem DKW mit ihm mitzufahren vor einer Rallye, weiß nicht ob es das Rallyeauto war, die Strasse von Kautenbach hinauf nach Alscheid.” Jong wanns de elo katz, kanns de ze Fouss heem goen.” Habe mich gehütet zu kotzen, aber ……. 🙂

  2. Hallo,
    ich möchte auf diesem Wege eine Frage stellen: Anfang der 1970er fUhr N.K. einen BMW 2002 bei Bergrennen. Jägermeister war der Sponsor. Ein Bekannter von mir sucht Fotos von diesen Jägermeister-BMW. Ein Fotograf (Nico Heuberg) soll dort Fotos geschossen haben. Gibt es noch andere Fotografen die Bilder besitzen ?
    Ich habe gelesen, dass eine Collage mit Fotos von seinen Autos existiert, ist vielleicht der BMW mit dabei ?
    Für eine Antwort wäre ich danbkbar.

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