Das großherzogliche Paar stattete am Samstag Bourscheid und seiner renovierten Burg, die aus dem 10. Jahrhundert stammt, einen Besuch ab.

“Die Herren von Bourscheid waren gute Vasallen der Herren von Luxemburg. Und in Sachen Fläche ist Bourscheid die größte Burg Luxemburgs, größer als die Burg von Vianden”, erzählt John Zimmer. Der 77-Jährige ist so etwas wie der “Papst” in Sachen Burgen und Schlösser, arbeitete er doch jahrelang beim “Service des sites et monuments nationaux” und war dort zuständig für das “patrimoine féodal”. Interessant sei vor allem die Bauphase Mitte des 13. Jahrhunderts, die von der Gräfin Ermesinde finanziert wurde.

Was aber noch bei Bourscheid ganz interessant ist, ist die Tatsache, dass die Burg aus dem 10. Jahrhundert stammt. “Und die erste war, die zudem ganz in Holz gebaut wurde. Das haben wir bei den Ausgrabungen feststellen können”, so Zimmer weiter. Zudem setzte sie sich aus den drei Bauelementen zusammen, die eine mittelalterliche Wohnburg ausmacht: den Wohnturm, die Aula sowie die Kapelle. Die beiden letzten Bauelemente stehen für das Weltliche und das Kirchliche.

Vom Holzbau zu Artilleriebefestigungen 

Der erste Besitzer der Burg, Bertram, war kein Adeliger. Er war Untervogt in Echternach mit der Aufgabe, ein wachsames Auge auf die Abtei zu haben. “Er hat sich aber sehr ruppig benommen und dort beispielsweise mal eine Menge Geld mitgehen lassen”, so Zimmer weiter. Sein Nachfolger ließ dann die erste Steinburg bauen. All das passierte Ende des 10. bzw. Anfang des 11. Jahrhunderts. Einerseits ist dies gut dokumentiert und andererseits wird dies durch die Ausgrabungen und Funde auch bestätigt.

Man kann davon ausgehen, dass die Bauzeit einer Steinburg, genauer gesagt der Bau der Unterburg des sogenannten “Stolzemburger Hauses”, das jetzt komplett renoviert wurde, sowie der Wehrmauer, rund zwei Jahre in Anspruch nahm. Der letzte wichtige Ausbau datiert aus der Zeit des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648). Da wurde die Burg mit Artilleriebefestigungen ausgestattet, obwohl es in dem Zusammenhang hierzulande nie zu kriegerischen Handlungen kam. Im Jahr 1680 wurden noch zusätzliche Wohnungen gebaut, sodass die Burg die Silhouette annahm, die sie heute hat.

“Dann fing der Verfall an. Sie war nicht mehr von Adeligen bewohnt, sondern von Verwaltern”, so Zimmer weiter, der noch darauf hinweist, dass die Burg während der Französischen Revolution versteigert wurde. “Ein Gerichtsvollzieher machte damals Inventar, ging durch die ganze Burg und stürzte dann durch eine der Decken, die bereits derart morsch waren.”

2 Kommentare

  1. Die grösste uns schönst gelegenste Burg, die vom Sauertal aus ein Blickfang ist und von der man einen herrlichen Ausblick auf dasselbige hat. Interessant wäre zu erfahren, ob der Gerichtsvollzieher seinen Sturz durch die morsche Decke überlebt hat und wie.

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