2.200 Menschen haben im vergangenen Jahr in Luxemburg den Flüchtlingsstatus beantragt. Vor Kriegen und Diktaturen geflüchtet, suchen sie in Luxemburg Sicherheit und Stabilität. Doch ASTI-Mitarbeiter und Flüchtlingsrats-Mitglied Marc Piron erzählt im Gespräch mit dem Radio 100,7 von Problemen bei Unterkunft und Arbeitssuche.

Von Marie Schusterschitz

Wird Asylanten in Luxemburg der Aufenthalt genehmigt, werden sie zurzeit in der “Structure d’hébergement d’urgence auf Kirchberg” (SHUK) einquartiert. Diese Unterkunft, die seit 2017 besteht und nun von 150 Betten auf 200 vergrößert werden soll, beschreibt Piron als “nicht menschenwürdig”: die Einwohner müssen sich dauerhaft Sicherheitskontrollen unterziehen und haben keine Privatsphäre.

Es gibt jedoch für Asylbewerber in Luxemburg kaum Alternativen, um eine Wohnmöglichkeit zu finden. Wegen den immer steigenden Wohnpreisen sei es für einen Asylsuchenden, der nicht arbeiten darf, unmöglich, sich eine Wohnung oder ein Haus zuzulegen. Als Lösung müsse man laut Piron den Wohnungsmarkt überdenken, sodass sich die Asylanten so schnell wie möglich hier zu Hause fühlen.

Integration durch Arbeit 

Als einer der größten Hindernisse der vollkommenen Integration sieht Piron die Schwierigkeit, sich an das Arbeitssystem anzupassen. Da die Flüchtlinge aus einer komplett anderen Kultur kommen und die Landessprachen nicht sprechen, ist es für sie nicht leicht, eine Anstellung zu finden. Das wird auch durch das Arbeitsverbot erschwert, das der luxemburgische Staat über fast alle Asylbewerber verhängt.

Erst wenn nach sechs Monaten Aufenthalt noch immer keine Entscheidung über den Asylantrag einer Person getroffen wurde, hat diese ein Recht, einen Antrag auf eine “vorläufige Beschäftigungserlaubnis” (AOP) zu stellen.

Piron ist der Meinung, dass dieses System dringend reformiert werden muss – man solle Asylbewerber erlauben zu arbeiten, sobald sie in Luxemburg ankommen. Auch Praktika oder Workshops wären hilfreich, um sich mit dem Arbeitsleben vertraut zu machen, neue Kontakte zu knüpfen und sich somit in die luxemburgische Gesellschaft zu integrieren.

Die Flucht ohne Ende 

Es kann sich aber nicht jeder Asylwerber sicher sein, dass er es bis zum Arbeitsmarkt schafft. Da das überarbeitete Dublin-Übereinkommen, das 2013 in Kraft trat, bestimmt, dass jeder Asylantrag im ersten europäischen Land bearbeitet wird, in dem der Bewerber eingetroffen ist, besteht die Gefahr, dass einige Flüchtlinge – es waren 25 seit Anfang des Jahres – beispielsweise nach Griechenland oder Italien zurückgeschickt werden.

2.200 Menschen bewarben sich 2018 in Luxemburg um Asyl, 980 von ihnen wurden angenommen. Der Großteil ist aus Eritrea hergereist, wo sie laut Piron vor der strengen Diktatur flüchten, in der willkürliche Verhaftungen und Tötungen, sowie Zwangsarbeit und Folter zum Alltagsleben gehören. Die meisten seien von ihren Erlebnissen in der Heimat und während der Reise nach Europa traumatisiert, fänden es aber wegen den “unzumutbaren” Zuständen auch hier schwer, sich zu Hause zu fühlen.

2 Kommentare

  1. “fänden es aber wegen den “unzumutbaren” Zuständen auch hier schwer,…”
    Vielleicht sollten sie daheim Bescheid sagen,dass es sich nicht lohnt nach Europa zu kommen….oder wie soll man das verstehen.

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