Mit zwei ministeriellen Antworten auf Anfragen zu der Verlegung von Flüchtlingen aus dem “Institut Heliar” in Weilerbach in andere Strukturen haben die Gemeinde Berdorf und die Hilfsorganisation „Konterbont“ ihre Probleme.

“Wir sind nicht nur überrascht über die Antworten auf zwei parlamentarische Anfragen über den Ablauf der Schließung von Weilerbach, sondern auch entsetzt darüber, wie man Dinge beschönigen kann.”

Mit diesem Satz präsentiert die “Konterbont asbl.” auf ihrer Facebook-Seite einen offenen Brief, in dem sie darauf verweist, dass bei dem letzten Wohnortswechsel von Flüchtlingen aus Weilerbach, Gemeinde Berdorf, nicht alles so gelaufen sei, wie Familien- und Integrationsministerin Corinne Cahen und Unterrichtsminister Claude Meisch dies in Antworten auf parlamentarische Anfragen angegeben haben. “Konterbont” ist eine Hilfsorganisation, die im früheren “Institut Heliar” in Weilerbach aktiv ist, das seit 1999 vom OLAI (“Office luxembourgeois de l’accueil et de l’intégration”) als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt wird.

Im Schnitt lebten 200 Menschen in Weilerbach

In einer parlamentarischen Anfrage hatten sowohl der DP-Abgeordnete Gilles Baum als auch seine CSV-Kollegin Octavie Modert um nähere Angaben zum Umzug der letzten 61 Bewohner des “Foyer Heliar” gebeten. Heliar muss renoviert werden. Das Foyer, das in den letzten Jahren im Schnitt immer weit über 200 Flüchtlinge beherbergte, hatte u.a. Sicherheits- und Infrastrukturmängel. Nach dem Ende der Renovierung wird das frühere Institut mit 212 Plätzen wieder für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden.

Liest man die ministerielle Antwort der Minister Cahen und Meisch auf die Anfrage von Modert, klingt alles “fast” ganz normal. Ende November 2017 seien die letzten 61 Personen im Heliar über die Schließung am 31. Dezember 2017 informiert worden. Die Betroffenen seien während der Weihnachtsferien anderswo untergebracht worden.

Ursprünglich hätten die noch in Weilerbach verbliebenen Flüchtlinge im früheren Hotel Schumacher untergebracht werden sollen, heißt es weiter. Da die initiale Planung nicht habe eingehalten werden können, habe das OLAI die Unterbringung der Betroffenen in andere Strukturen organisieren müssen. Insgesamt seien diese auf elf verschiedenen Strukturen verteilt worden. Die Wohnwechsel seien gemäß den Bedürfnissen der Familien ausgeführt worden.

Eindruck und Wirklichkeit

“… ausgeführt worden”, “… informiert worden”, “… untergebracht worden”, “… mussten organisiert werden”, “… verteilt worden”: Bei der Lektüre der Antwort kann man den Eindruck haben, das OLAI habe sich um all dies gekümmert. Weil dem jedoch nicht so ist, spricht die Vereinigung “Konterbont” von “Beschönigung”.

Ihre Darstellung klingt ganz anders. Die betroffenen Familien seien erst im Dezember und nicht im November informiert worden. Und erst am Dienstag, dem 19. Dezember, habe man ihnen die neuen Adressen mitgeteilt. Die Familien wurden angehalten, sich mit ihrem wenigen Hab und Gut noch im Dezember in ihre neuen Unterkünfte zu begeben.

Sie bekamen dabei nicht die geringste offizielle Unterstützung. Ohne die Hilfe von Freunden hätten sie den oftmals weiten Weg zur neuen Bleibe mit dem öffentlichen Transport abwickeln müssen. Auf Nachfrage hin hätte das OLAI ihnen mitgeteilt, dass die betroffenen Familien lernen müssten, sich selber durchzuschlagen. In den neuen Unterkünften sei auch nicht alles reibungslos über die Bühne gegangen. Einer Familie mit sechs Kindern seien erst nach zahlreichen Einwänden statt zwei, drei Zimmer zugewiesen worden.

Bürgermeister aus Berdorf regt sich auf

Ein Aufenthaltsraum, durch den man nacheinander zuerst in das eine, dann in das andere Schlafzimmer gelangt. Eine Wohnsituation, mit der sich in Luxemburg sicher noch so manch andere Familie zurechtfinden muss. Aber gewiss nicht in einer Flüchtlingsunterkunft, die laut “Konterbont” zur Hälfte leer steht.

Fairerweise muss man anmerken, dass das OLAI nicht für Flüchtlinge zuständig ist, deren Status bereits geklärt ist.

Doch nicht nur “Konterbont” hat so seine Probleme mit den parlamentarischen Antworten.
2016, heißt es in der Antwort auf die Anfrage Modert, habe der Direktor des OLAI den damaligen Bürgermeister der Gemeinde Berdorf über das Renovierungsprojekt für Heliar informiert. Seither habe ein regelmäßiger Austausch zwischen OLAI und der Gemeinde stattgefunden. In der Antwort auf die Anfrage von Gilles Baum, die Corinne Cahen, Claude Meisch und Nachhaltigkeitsminister François Bausch gemeinsam beantwortet haben, steht, das OLAI habe im Laufe des Jahres 2017 damit begonnen, die Zahl der im Institut Heliar untergebrachten Flüchtlinge progressiv zu verringern. Das stimmt. Doch hierüber war die Gemeinde nicht informiert worden.

“Alle hätten bleiben sollen”

Da ist Joé Nilles dem Tageblatt gegenüber formell. Der neue Bürgermeister der Gemeinde, vorher Schöffe unter Vorgänger Ern Walerius, hat auch noch eine weitere wesentliche Kritik anzubringen: Die Renovierungsumstände waren ganz anders geplant, als man das aus den beiden Antworten herauslesen könnte. Es ging nicht nur um die Renovierung des Gebäudes, sondern auch um das Einrichten eines Containerdorfes neben dem Institut.

Für ein solches Containerdorf habe man die Baugenehmigung erteilt, weil dadurch alle Heliar-Bewohner während der Renovierung weiterhin in Weilerbach hätten bleiben können. Und die Leute sollten auch nicht im früheren Hotel Schumacher untergebracht werden, wie in der Antwort festgehalten. Vielmehr sollte dieses zuerst instand gesetzt werden, um dann, während der eigentlichen Renovierungsarbeiten am Hauptgebäude, als Küche und Logistikzentrale für das Containerdorf zu dienen.

Für die Gemeinde ist es auch eine Frage des Geldes

Es stimme zwar, dass es immer wieder Kontakte mit dem OLAI gegeben habe, doch über die Aufgabe des ursprünglichen Projekts und die Verlegung der Heliar-Bewohner sei die Gemeinde nicht informiert worden. “Wir wurden nie vom OLAI darüber ins Bild gesetzt, dass das ganze Projekt nicht wie geplant umgesetzt und dass die Bewohner verlegt würden. Davon haben wir erst aus der Presse und durch unser Lehrpersonal erfahren. Auch wenn Ministerin Cahen diese Darstellung schon einmal zurückgewiesen hat. Es ist so. Ich bleibe dabei. Mit uns hat keiner darüber geredet”, so Joé Nilles.

Durch die Verlegung der Bewohner von Heliar sinkt die Einwohnerzahl der Gemeinde von 1.906 im Jahre 2015 auf nunmehr 1.737. Da die Einnahmen von Gemeinden zu einem Teil von der Einwohnerzahl abhängen („dotation de l’Etat“), bedeutet die Verlegung auch einen finanziellen Verlust für Berdorf. Man kann Joé Nilles glauben, dass die Gemeinde für eine andere Lösung plädiert hätte, hätte sie von der Verlegung gewusst.

 

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